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Leipziger Uni-Kinderklinik ermöglicht narbenlose Blinddarm-OP

Leipziger Uni-Kinderklinik ermöglicht narbenlose Blinddarm-OP

Die Kinderchirurgie am Leipziger Universitätsklinikum geht neue Wege. Dank modernster Technik ist es jetzt möglich, Kinder zu operieren, ohne dass Narben bleiben, und zwar durch den Bauchnabel.

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OP-Patient Tobias kann sich freuen: An der Leipziger Uni-Klinik wird ihm der Blinddarm entfernt, ohne dass eine Narbe bleibt.

Quelle: Anita Kecke

Professor Holger Till, Chef der Kinderchirurgie, und sein Kollege, Professor Jens-Uwe Stolzenburg, Chef der Urologie, zählen zu den Pionieren dieser einzigartigen Operationsmethode. Auf den Bauch von Tobias haben in seinen vier Tagen Krankenhausaufenthalt viele geschaut. Aber den 13-jährigen Leipziger störte das nicht: „Da ist ja sowieso nicht viel zu sehen. Statt einer Blinddarmnarbe habe ich nur eine kleine Wunde im Bauchnabel.“ Genau das ist das Bemerkenswerte am Bauch von Tobias: Er gehört zu den ersten und wenigen Kindern in Deutschland, bei denen eine narbenlose Blinddarm-Operation vorgenommen wurde. Denn die kleine OP-Wunde versinkt nach der Heilung förmlich im Bauchnabel. Als eines der ersten kinderchirurgischen Zentren in Deutschland bietet die Leipziger Uni-Kinderklinik die Laparoendoskopische Single-Site-Chirurgie (LESS) an.

Wie Holger Till, Chef der Kinderchirurgie am Leipziger Uniklinikum, erläutert, stellt LESS die neueste Entwicklung in der minimal-invasiven Chirurgie dar. „Bei der bisherigen sogenannten Schlüsselloch-OP werden meist drei kleine Schnitte gemacht. Jetzt sind wir ein ganzes Stück weiter und können alle Instrumente über eine einzige, nur 20 Millimeter kleine  Öffnung im Nabel einbringen.“ Inzwischen, so Till gegenüber dieser Zeitung, habe er zehn Kinder nach dieser Methode operiert, so dass man jetzt über genügend Erfahrung verfüge, um von einer erfolgreichen Anwendung sprechen zu können.

Für das Beherrschen der LESS-Technik bedarf es nicht nur besonderer operativer Fähigkeiten, sondern auch spezieller Instrumente, die für die Leipziger Universitätsklinik extra angefertigt wurden. Diese sehen im wahrsten Sinne des Wortes etwas „schräg“ aus, da sie besonders gebogen sind. Denn nur so hat der Operateur die Möglichkeit, beim Eingriff durch nur eine winzige Körperöffnung beidhändig zu arbeiten, ohne dass sich die Instrumente im Körper oder auch die Griffe außerhalb des Körpers ungewollt berühren. In enger Kooperation konnten Till und sein Kollege Jens-Uwe Stolzenburg, Chef der Urologie, diese Techniken an der Leipziger Uniklinik etablieren. „Wir sind die Pioniere auf diesem Gebiet. Einige der Instrumente, die wir getestet haben, werden erst im April auf dem Deutschen Chirurgenkongress in Berlin vorgestellt“, so Till.

Mittlerweile werden von ihm auf diese Weise bei Kindern nicht nur der Blinddarm, sondern auch Gallenblasen und sogar Tumore entfernt. „Die Pluspunkte diese Operationsmethode liegen auf der Hand“, sagt Till. „Die winzige Wunde heilt schneller, es gibt weniger Schmerzen, und es entstehen keine auffälligen Narben. Das sind gerade für Kinder unschätzbare Vorteile. Denn zu bedenken ist ja auch, dass bei einem Kind, wenn es größer wird, auch die Narben mitwachsen.“

Weniger Schmerzen und schnelle Heilung - das kann Patient Tobias bestätigen: „Gleich nach der Operation tat es ganz schön weh, aber das ging schnell weg. Heute nach vier Tagen, da habe ich überhaupt keine Schmerzen mehr. Und von der OP-Wunde ist kaum noch was zu sehen.“ Vater Wolfgang Spornitz ist regelrecht stolz, dass sein Junge derart bei Ärzten, Schwestern und sogar bei den Entwicklern der speziellen Operationsinstrumente im Mittelpunkt stand: „Schließlich ist das schon eine tolle Geschichte, welche neuen Methoden hier an der Leipziger Uniklinik praktiziert werden. Und dass Tobias keine Blinddarmnarbe haben wird, ist doch auch gut. Er muss nur aufpassen, wenn er mal wieder höllische Bauchschmerzen bekommt und ein Arzt auf Blinddarm tippen sollte.“ - „Da sage ich: Nichts da, mein Blinddarm ist schon raus“, lacht Tobias.

Stolzenburg wendet die neue Methode bei Erwachsenen an, hat bereits über 50 Operationen durchgeführt, wovon in 25 Fällen Nierentumore über den Bauchnabel entfernt wurden. Auch Nierensteine und -zysten ließen sich so operieren. „Die Patienten sind sehr zufrieden. Sie haben weniger Schmerzen und nur ganz kleine Narben. Bisher gab es keine Komplikationen“, sagt der Klinikchef der Urologie dieser Zeitung. „Wir sind wesentlich mitbeteiligt an der Entwicklung der neuen Instrumente. Einzelne Eingriffe, wie die Nierentumor-OP, haben wir erstmals in Europa durchgeführt“, ergänzt er.

Am 1. und 2. Oktober dieses Jahres werden Till und Stolzenburg beim  1. Kinderchirurgischen Workshop für LESS in Leipzig die gesammelten Erfahrungen an Operateure aus aller Welt weitergeben.

Anita Kecke

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