Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 3 ° stark bewölkt

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leipziger Uni-Klinikum sortiert die Innere Medizin neu

Vorstände im Interview Leipziger Uni-Klinikum sortiert die Innere Medizin neu

Die Infrastruktur des Leipziger Medizin-Campus kann sich ebenso sehen lassen wie die Ergebnisse von Forschung und Lehre: Zu diesem Schluss kommen Marya Verdel und Wolfgang Fleig, Vorstände des Uni-Klinikums in der Messestadt, im Interview mit LVZ.de. Beide sind vor allem froh darüber, dass die Defizit-Jahre vorbei sind, das Ergebnis für 2015 positiv ausgefallen ist.

Das Vorstandsduo des Leipziger Uni-Klinikums: Marya Verdel (Zweite von links) und Professor Wolfgang Fleig (mitte)

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig., Die Infrastruktur des Leipziger Medizin-Campus kann sich ebenso sehen lassen wie die Ergebnisse von Forschung und Lehre: Zu diesem Schluss kommen Marya Verdel und Wolfgang Fleig, Vorstände des Uni-Klinikums in der Messestadt, im Interview mit LVZ.de. Beide sind vor allem froh darüber, dass die Defizit-Jahre vorbei sind, das Ergebnis für 2015 positiv ausgefallen ist..

Nach den Defizit-Jahren 2013 und 2014 konnte 2015 das Jahresergebnis des Uni-Klinikums Leipzig (UKL) mit rund zwei Millionen Euro ins Positive gedreht werden. Wie gelang die wirtschaftliche Gesundung?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die zur Trendwende geführt haben. Zum Beispiel trug die Besetzung wichtiger Professuren erheblich zum Plus auf der Leistungsseite bei. Und wir haben vor zweieinhalb Jahren angefangen, systematisch alle Prozesse zu analysieren. Die Frage war, ob all das, was wir tun, im Sinne einer guten Medizin auch sinnvoll ist. Vieles kam auf den Prüfstand: Die Umfänge bei der Bildgebung etwa oder die bei der Labormedizin und beim Antibiotika-Einsatz.

Wir befassen uns sehr intensiv mit der Dokumentation der Leistungen, die für die Patienten erbracht werden. Sie müssen auch tatsächlich erfasst werden, damit zum Beispiel besondere Medikamente oder Blutprodukte, für die es Zusatzentgelte gibt, auch vollständig gegenüber den Krankenkassen abgerechnet werden können. Jedwede Ressourcen, die wir einsetzen, sind ja mit Kosten verbunden. Und bei komplexen Fällen sind die sehr hoch.

Universitätsmedizin ist immer der Dreiklang von Patientenversorgung, Lehre und Forschung – da ist der ökonomische Grat sehr schmal. Das ist eine ganz enge Steuerung. Ich will daran erinnern, dass das UKL 2005 ein Bilanzverlust von 39 Millionen Euro auswies. Den konnten wir dann nach und nach ausgleichen und bis 2012 noch ein kräftiges Plus erwirtschaften. Davon ließ sich 2013 und 2014 zehren.

Im vergangenen Jahr keimte die Hoffnung auf, dass es bald mehr finanzielle Unterstützung für die Hochschulambulanzen gibt. Ist die schon angekommen?

Vom Versorgungsstärkungsgesetz gehen zwar positive Signale für die Hochschulambulanzen aus, aber die Schwierigkeit besteht offenbar in der Umsetzung.

Früher hat die Politik in den Hochschulambulanzen nur Stätten der Lehre und Forschung gesehen, obwohl dort natürlich schon immer hoch spezialisierte Patientenversorgung stattfand. Nun wird Letzteres zwar anerkannt und 2016 sollte das auch schon finanziell honoriert werden, aber daraus ist bis jetzt leider nichts geworden.

Der Jahresbericht der Leipziger Hochschulmedizin für 2015 hat nur ein Wort im Titel: Qualität. Wo stimmt sie und wo muss noch zugelegt werden?

Wer sagt, er sei mit der Qualität rundum zufrieden, der fängt schon an, schlechter zu werden. In der medizinischen Versorgung inklusive der Pflege haben wir ein hohes Niveau erreicht. In so einem großen Haus wie dem unserem ist es aber bei bestimmten Dingen schwieriger als in kleineren: Bei der Patientenzuwendung wünschte ich mir beispielsweise, dass wir weiter vorankommen. Unternehmenskultur hat viele Facetten, sie weiter auszuprägen, ist ein permanenter Vorgang.

Qualitätsfortschritt definiert sich auch darüber, wie aus Dingen gelernt wird, die noch nicht so gut laufen – und das auf allen Ebenen.

Bei vielen Professuren steht ein Generationswechsel an. Ist die hiesige Uni-Medizin attraktiv genug für exzellente Fachleute?

Der Medizin-Campus ist kompakt und damit einer der kurzen Wege und des unkomplizierten kollegialen Austauschs. Die Infrastruktur kann sich sehen lassen, ebenso wie die Ergebnisse von Forschung und Lehre. Fakultät und Klinikum sind integrativ vernetzt, hinzu kommen die vielen anderen hochkarätigen Forschungseinrichtungen im Umfeld und die pulsierende Stadt. All das wirkt anziehend – und das drückt sich in den Bewerbungen für ausgeschriebene Professuren aus.

Ich bin ja erst ein halbes Jahr hier am Uni-Klinikum an Bord. Viele Eindrücke sind frisch. Es gibt eine ausgeprägte Diskussionskultur und einen sehr motivierenden Spirit, um sich bestmöglich einzubringen.

Es gab 2015 nicht nur einige hochkarätige Berufungen wie die von Professor Martin Lacher für die Kinderchirurgie und die von Professor Holger Stepan für die Geburtsmedizin. Mit Professor Udo X. Kaisers wanderte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin nach Ulm ab. Wann wird der Posten wieder regulär besetzt?

Die kommissarische Leitung obliegt zwei versierten Kollegen und läuft hervorragend. Anästhesie und Intensivmedizin müssen auch reibungslos funktionieren, denn sie sind eine zentrale Drehscheibe in der operativen Medizin. Ich rechne damit, dass die Professur bis zum Jahresende wieder besetzt ist.

Wie viele Berufungen stehen in den nächsten Jahren insgesamt an?

In der gesamten Universitätsmedizin 33 bis zum Jahr 2021. Das ist fast ein Generationswechsel.

Welche Bereiche wachsen derzeit am Uni-Klinikum am schnellsten, was die Fallzahlen betrifft – und wie wird personell und baulich reagiert?

Die Angiologie ist wachstumsgeprägt, auch die Neurologie, wo zehn Betten dazu gekommen sind.

Die Liste lässt sich unter anderem mit der Krebsmedizin, der Kinderchirurgie und der Geburtsmedizin fortsetzen. Daran anknüpfend natürlich die Neonatologie, deren Kapazität erweitert wird.

Baulich tut sich einiges ...

Am Haus 4 entsteht ein zweistöckiger Anbau für die prosperierende Gefäßmedizin. Die neuen OP-Bereiche werden dort mit modernster Technik ausgestattet. Wir stocken die Notaufnahme baulich auf, installieren einen fünften Kreißsaal, erweitern die Wochenbett-Station. Darüber hinaus sind wir an vielen Stellen unterwegs, was technische Dinge wie das Rohrpostsystem und die Elektrik anbelangt.

Jüngst wurde der Grundstein für das sogenannte Haus 7 gelegt. Der Klinikbau für 58 Millionen Euro soll 2018 fertig sein. Wer zieht ein?

Das Krebszentrum mit Ambulanzen, Pflegestationen und Tagesklinik. Außerdem wird mit dem Neubau Platz für die Pädiatrie geschaffen sowie für die Durchführung von klinischen Studien.

Vertraglich sind dem UKL vom Freistaat Sachsen insgesamt 85 Millionen Euro für bauliche Investitionen zugesichert. Nimmt das Klinikum auch eigene Mittel in die Hand?

Nicht in dem Maße, wie wir es früher getan haben beim Bau der Kindertagesstätte oder der Sanierung des Institutes für Transfusionsmedizin und der Erneuerung des Mitteltraktes und eines Flügels des Roten Hauses. Unsere Kassenlage gibt es momentan nicht her, solche Sachen zu stemmen. Aber pro Jahr geben wir immerhin noch drei Millionen Euro für Investitionen aus dem UKL-Budget aus. Die betreffen aber weniger das Baugeschäft.

Um Eigenmittel investiv einsetzen zu können, müssen sie natürlich erst mal verdient werden. Wir brauchen dafür also ordentlich Liquidität. Auf der anderen Seite ist es so, dass bei Eigeninvestitionen die Abschreibung zuschlägt. Geben wir beispielsweise in den IT-Sektor mehr rein, müssen diese Mittel innerhalb von fünf Jahren abgeschrieben werden. Das wirkt sich bilanztechnisch negativ auf unser Jahresergebnis aus.

Zwischen Fakultät und Uni-Klinikum wird ein Geschäftsbesorgungsvertrag verhandelt. Wie weit ist er gediehen?

Er ist final verhandelt und muss nur noch unterschrieben werden.

Als ich 2006 ans Klinikum kam, war ein solcher Vertrag nur in einer über weite Strecken nicht ausformulierten Form vorhanden. Für den jetzt vorliegenden Kontrakt, der für Transparenz steht, wurde auch viel analytischer Aufwand betrieben.

Strukturell wird beim UKL immer wieder nachjustiert, vor zwei Jahren betraf das die Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und plastische Chirurgie und jüngst die Chirurgische Klinik II. In welche Richtung setzt sich das fort?

Wir beginnen gerade damit, die Innere Medizin neu zu sortieren – auch mit Blick auf anstehende Emeritierungen und Neuberufungen. Wir verfolgen damit unser Konzept weiter, wonach die Bereichsleiter in der Krankenversorgung eigenverantwortlich und weitgehend unabhängig agieren können. Das klassische hierarchische Modell wird so an die Erfordernisse der Gegenwart angepasst.

 

Von Mario Beck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

LVZ-Reportage zu Crystal Meth in Sachsen

Die große Multimedia-Reportage berichtet über Crystal-Abhängige, Suchtberater und Drogenfahnder. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr