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Lokales Leipziger Vater protestiert gegen Familiengericht
Leipzig Lokales Leipziger Vater protestiert gegen Familiengericht
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00:19 19.05.2017
Mit Kreuz und Gedenktafel: Steffen Raabe will heute vor dem Amtsgericht protestieren. Er beklagt Missstände bei der Arbeit von Familiengericht und Jugendamt. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

28 Gerichtsverhandlungen hat er geführt. Es ging um das Sorgerecht für eine seiner drei Töchter, um Aufenthaltsbestimmungs- und Umgangsrecht. Es war ein erfolgloser Kampf. Heute will Steffen Raabe (55) vor dem Amtsgericht demonstrieren. „Es wird scharfe Kritik geübt, gegenüber der Arbeitsweise des Familiengerichtes, des Jugendamts, der Verfahrenspfleger und Gutachter“, so der Leipziger.

Von 13 bis 18 Uhr will er in der Bernhard-Göring-Straße auf Missstände aufmerksam machen, die es seiner Ansicht nach bei der Arbeit der Familiengerichte und Jugendämter gibt. Dabei hat er ein großes Holzkreuz und eine Tafel mit einer Liste von Müttern und Vätern, „die sich in ihrer Verzweiflung selbst das Leben nahmen und dabei ihre eigenen kleinen Kinder gewaltsam mit in den Tod rissen“, so der Demo-Organisator. „Allein der Anblick dieser Tafel und der Gedanke, wie und warum diese Kinder sterben mussten, lässt es einem eiskalt den Rücken runter laufen.“

Er weiß, wovon er redet. Nach der Scheidung blieben zwei Töchter bei seiner Frau, eine zunächst bei ihm. Für sie wurde Raabe kurzzeitig das Sorgerecht zugesprochen. „Doch nach Beschwerde der zuständigen Verfahrenspflegerin wurde es mir in nächster Instanz wieder entzogen.“ Die Gründe dafür sind nicht ganz klar. Raabe empfindet sich als Opfer von Schwindel und Betrug. Es gab Tränen und gewaltsame Trennungen. Schließlich lebte das Kind dennoch bei ihm, so der Vater, der Aufenthalt sei von den Behörden aber nur geduldet gewesen. Die Folge: Raabe durfte nicht an Elternabenden teilnehmen, auch ärztliche Behandlungen für seine Tochter konnte er nicht veranlassen.

Aus Protest hat der gelernte Drechsler vor Jahren bereits einige aufsehenerregende Aktionen gestartet. Mal verteilte er bis zu einem Meter große Puppen im Stadtgebiet, die einen Brief, geschrieben von Raabes Tochter, bei sich hatten: „Ich möchte beim Papa wohnen.“ Ein anderes Mal stellte er acht schwarze Holz-Raben, jeweils einen Meter hoch und zwei Meter lang, im Stadtgebiet auf. An ihren Füßen waren Bowlingkugeln mit Handschellen befestigt (die LVZ berichtete).

Inzwischen sind seine Töchter, die zwischen 1988 und 1995 geboren wurden, erwachsen. „Ich bin sogar schon zweifacher Opa“, sagt Raabe stolz. „Wir sehen uns regelmäßig, wie eine ganz normale Familie.“ Warum dann noch die Demo? Zum einen hat Raabe hat mit Nachwirkungen seines jahrelangen Rechtsstreits zu kämpfen. „Außerdem bekomme ich über meine Webseite (www.sorgerechtsmissbrauch.de) aus ganz Deutschland Zuschriften von verzweifelten Eltern“, sagt er. Wie viel von denen zu seinem Protest heute vor dem Amtsgericht erscheinen, weiß er allerdings nicht. Doch selbst wenn er fast allein protestieren würde, sei das Anliegen dennoch wichtig. „Die richterliche Unabhängigkeit ist grundsätzlich etwas Gutes“, so der Leipziger Vater. „Wenn diese Unabhängigkeit aber zum Deckmantel für schlampige Arbeit und schludrige Qualität verkommt, muss man mehr als besorgt sein.“

Von Frank Döring

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