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Leipziger Veranstaltungsreihe "Polen von hier" - Wirtschaftsinformatiker Franczyk

Leipziger Veranstaltungsreihe "Polen von hier" - Wirtschaftsinformatiker Franczyk

Rund 3000 Polen leben zurzeit in Leipzig. Mit der Veranstaltungsreihe "Polen von hier. Wir haben was zu bieten" präsentiert das Polnische Institut in Leipzig Landsleute, die hier eine zweite Heimat fanden.

Leipzig. Im Vorfeld der Gesprächsrunden stellt die LVZ die Protagonisten vor. Heute: Wirtschaftsinformatiker Professor Bogdan Franczyk.

Wenn er sich montags ins Auto setzt und von seinem Familien-Wochenende in Ilmenau zur Dienst-Woche nach Leipzig aufbricht, dann sind es weniger die wissenschaftlichen Aufgaben, die ihn beschäftigen, als vielmehr das leidliche Problem der Parkplatzsuche. "Seit der neue Betreiber der Tiefgarage unter dem Augustusplatz die Preise angehoben hat, boykottiere ich sie", verrät der 58-Jährige lachend. Seit März 2002 pendelt der Wirtschaftsinformatiker zwischen seinem Wohnort in Thüringen und seinem Wirkungsort in Sachsen. In der Nähe des Bayerischen Bahnhofs hat er eine Nebenwohnung, denn: "Täglich zweimal um die170 Kilometer und vielleicht drei Stunden auf Achse, das geht natürlich nicht, und ab Montagabend findet sich ja auch irgendwo eine Stellfläche." In der Woche gehe er dann zu Fuß zur Uni.

Als Professor lehrt Franczyk an den Universitäten Leipzig und Wrocaw Wirtschaftsinformatik. Und sobald er über Chancen und Risiken angewandter Informatik aufzuklären beginnt, sollte der Zuhörer ihm seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Seine flinken Worte scheinen den Gedanken vorauszueilen. Seine Hände unterstreichen gestenreich das Gesagte, während er raumgreifend samt Bürostuhl am Schreibtisch entlangrollt. Hat er gerade noch erklärt, was unter einer Katastrophe im mathematischen Sinne zu verstehen ist, da berichtet er auch schon, wie medizinische Prozesse mit Hilfe von Computertechnik unterstützt werden können. "Der Mensch wird transparenter - zugunsten der Lebensqualität und auf Kosten der Privatsphäre", sagt der gebürtige Pole mit deutschen Pass und stellt zugleich die Gewissensfrage: "Bin ich bereit, mich zu öffnen für eine bessere Qualität? Kann man sich allem sperren? Kann man vernünftig damit umgehen?"

Mit einem Team von rund 20 Mitstreitern widmet er sich unter anderem der Frage, wie sich das Leben mit Hilfe der Informatik verbessern lässt. "Absolventen unserer Fakultät finden schnell Arbeit", betont er, räumt aber zugleich mit einem Irrglauben auf: "Wir Wirtschaftsinformatiker entwickeln keine Software, sondern beschäftigen uns damit, wie geschäftliche Abläufe mit Hilfe neuer Technologien zu optimieren sind." Dazu arbeiten sie beispielsweise mit den Leipziger Stadtwerken zusammen oder innerhalb eines Projekts mit den Universitäten von St. Gallen und Wrocaw zur Verbesserung der Lebensqualität und medizinischen Versorgung älterer Menschen.

Trotz seiner Arbeit, die ihn immer wieder mit Visionen für die Zukunft konfrontiert, ist Professor Franczyk ein bodenständiger Zeitgenosse. Er mag lilafarbene Pullover lieber als Schlips und Kragen, fährt gern Ski ("Auch mit meinem Team zur Klausur in den Alpen. Ich finde, dass das wichtig ist") oder spielt Fußball, wenn keine Flocken fallen. Dass er Leipzigs reiches Kulturangebot zu wenig nutze, sei ihm manchmal direkt peinlich, gesteht der Vater zweier erwachsener Kinder (die Tochter ist Zahnärztin in Berlin, der Sohn studiert Maschinenbau in Dresden). Als Rotarier pflege er allerdings durchaus Kontakte in der Stadt. Aber seinen Lebensmittelpunkt habe er mit seiner Frau, einer Slowakin, in Ilmenau, wohin sie beide zu DDR-Zeiten an die dortige Hochschule zum Austauschsemester delegiert worden waren. In Leipzig führe er Gäste aber mit Vorliebe in Auerbachs Keller aus. Die hiesige "deftige" Kost wähle er mit Bedacht. "Ich habe vor vier, fünf Jahren noch15 Kilo mehr gewogen. Das Abnehmen war kein Problem, aber das Gewicht zu halten." Das sei eben eine Kopfsache. Aber wenn es ihn zu den Eltern nahe Jelenia Góra, 50 Kilometer östlich von Görlitz, führe, dann lasse er sich gern Zurek - eine Sauerteigsuppe - schmecken.

Apropos Görlitz: "Dort kam ich 1979 zum ersten Mal in die DDR. Hochmotiviert, hatte fleißig meine Vokabeln gelernt, doch als ich dann auf dem Bahnhof war, verstand ich lediglich '-Zug-' und '-ab'", erzählt er lachend. Aber das sei ja auch schon ziemlich lange her.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.02.2014

Cornelia Lachmann

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