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Leipziger Verein will Bach-Gellert-Gruft am Johannisplatz sichtbar machen

Leipziger Verein will Bach-Gellert-Gruft am Johannisplatz sichtbar machen

Johanniskirchturm und Bach-Gellert-Gruft müssen im Stadtbild wieder präsent sein. Dafür kämpft der Förderverein Johanniskirchturm, der zur Erinnerung an das verschwundene Gotteshaus kürzlich ein Holzkreuz auf dem Johannisplatz platzierte.

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Der Johannisplatz - von vielen als Verkehrsinsel zwischen Prager und Dresdener Straße wahrgenommen - hat eine interessante Historie.

Quelle: Google EarthGrafik Enzo Forciniti

Leipzig. "Die Leute sollen sich Gedanken machen, was es bedeutet", sagt Johannes Hähle vom Verein, der den Eingang zur Ostvorstadt aus seiner "geschichtlichen Verbannung" holen will.

Das Holzkreuz steht symbolisch für die verschwundenen und im Bombenhagel zerstörten Gotteshäuser Leipzigs. Dazu gehört auch die Johanniskirche, deren barocken Kirchturm es seit der Sprengung am 9. Mai 1963 nicht mehr gibt. Der Verein hält nach wie vor an seinem Ziel fest, ihn als Höhendominante auf dem Johannisplatz wieder zu errichten (die LVZ berichtete). "Das muss aber kein originalgetreuer Nachbau sein", erklärt Vorstandsmitglied Christian Jonas. Ihm schwebt eine Art Adaption oder moderne Interpretation vor. In einem Neubau - etwa als Depot fürs Grassi-Museum - könnte ein kleiner Ausstellungsraum errichtet werden, der an die Geschichte des Bach-Grabes sowie die Bach-Gellert-Gruft erinnert. "Momentan wissen doch die wenigsten, was für ein geschichtsträchtiges Areal der Johannisplatz ist. Touristen haben es sogar schwer, den Johannisfriedhof zu finden, da es nicht mal einen Wegweiser in der Innenstadt gibt", so Jonas. Ebenso voller Geschichte(n): der Rabensteinplatz am Grassi-Museum, der einst der Richtplatz im alten Leipzig war. Auch daran müsse erinnert werden.

2015 soll zumindest der Johannisplatz ein wenig aus der Vergessenheit geholt werden. Architekt Heinz-Jürgen Böhme hat im Auftrag des Amtes für Stadtgrün und Gewässer eine Gestaltungskonzeption vorgelegt. Geplant ist, das ehemalige Grab von Johann Sebastian Bach und seiner Frau Anna Magdalena sowie die Gruft zu markieren und am Steinsockel an der Grünfläche Erläuterungstafeln anzubringen. "Dieses Jahr haben wir kein Geld. Es ist aber unser Ziel, die Gestaltung der Fläche in die Feierlichkeiten Leipzigs zum Jubiläum 2015 einzubinden", sagt Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke).

Für die Vereinsmitglieder ist dies ein Anfang. Sie gehen nach ersten geoelektrischen Messungen vom Oktober 2010 davon aus, dass die Bach-Gellert-Gruft nur zugeschüttet ist. Das lässt die Option offen, sie freizulegen und beispielsweise durch eine Glasplatte abgedeckt sichtbar zu machen. "Bach ist in Leipzig präsent. Es wäre aber auch wichtig, an Gellert zu erinnern", so Hähle. Die sterblichen Überreste des Dichters ruhen auf dem Südfriedhof. Über den Zustand der Gruft, also wie intakt die Mauern wirklich sind, sagen die Messungen wenig aus. Deshalb strebt der Verein nun genaue Untersuchungen des Platzes an und will die Bodendenkmalpflege dafür begeistern. Die Freilegung ist aber ebenso wie der Turm eine Frage des Geldes. "Wir brauchen eine Entscheidung im Stadtrat, um gezielt Spenden einwerben zu können", betont Hähle. Im Vorfeld des großen Reformationsjubiläums 2017 stehen die Chancen durchaus günstig. Denn: Auf dem Johannisplatz kann auch an die Reformation erinnert werden: Schon 1522/23 haben die Magister Stephan Schönbach und Sebastian Fröschel in der Kirche das Evangelium im Sinne Luthers gepredigt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.01.2014

Mathias Orbeck

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