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Lokales Leipziger Vermieter will am Gericht Duldung von Modernisierungen durchsetzen
Leipzig Lokales Leipziger Vermieter will am Gericht Duldung von Modernisierungen durchsetzen
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00:35 11.05.2018
Das Leipziger Amtsgericht.. Quelle: Volkmar Heinz
Leipzig

Nicht jeder legt Wert auf Fliesen im Bad oder Zentralheizung. Manch einer kann sich seinen Traum vom Wohnen auch ohne großen Komfort erfüllen. Doch solche Quartiere wird es wohl in Leipzig bald nicht mehr geben. Denn der Boom verleitet immer mehr Vermieter dazu, auch die letzten Immobilienbestände zu modernisieren und dann für gutes Geld an zahlungskräftige Kundschaft zu vermieten. Preiswerter Wohnraum verschwindet so zusehends vom Markt. Für manch einen stirbt damit der Traum vom Wohnen.

Eine Erfahrung, die gerade Maria Kantak (32) und Albrecht Lange (37) machen müssen. Sie wohnen seit zehn Jahren in einem unsanierten Haus in der Karl-Heine-Straße 45, haben sich mit Kohleofen und Dielenfußboden längst arrangiert. Doch nun will ihr Vermieter, die Rubin25 Gmbh, eine Tochter der Stadtbau AG, investieren. Die Firma hat das Haus auf der hippen Szenemeile erst vor drei, vier Jahren erworben und plant nun, Rohre und Elektroleitungen auszutauschen, die Bäder zu erneuern, Bodenfliesen in der Küche zu verlegen, eine Dachterrasse auszubauen, eine Videosprechanlage zu installieren. Das Paar lehnte den Umfang ab, fürchtet, dass die Wohnung ihren individuellen Charakter verliert. Der Vermieter klagte auf Duldung der Baumaßnahmen.

Gestern Güteverhandlungstermin am Amtsgericht: Es gehe ihnen nicht darum, an der niedrigen Miete festzuhalten, betont Lange. Zurzeit zahlt das Paar 1,50 Euro pro Quadratmeter kalt, im Monat also 88,50 Euro für 59 Quadratmeter. Die monatlichen Nebenkosten samt Kohleverbrauch liegen unter 100 Euro. Nach der Modernisierung seien es 181,52 Euro, so ihr Anwalt Jürgen Kasek. „Meine Mandanten hängen nicht an der Kohle“, sagt er, „das Grundproblem ist einfach, dass sich die Betriebskosten mehr als verdoppeln.“ „Die Technik ist 50 bis 60 Jahre alt“, hält Christoph Naumann, der Anwalt von Rubin25, dagegen. „Kohleheizung ist ein Auslaufmodell.“ Und die Klimarettung koste Geld. Seine Mandantin verfolge jedenfalls nicht die Absicht, „Mieter zu verdrängen“.

Von ungefähr kommt der Vorwurf nicht. Von den sechs Wohnungen sind nur noch drei bewohnt. „Die anderen Mieter haben die Abfindung genommen und sind schon ausgezogen“, erzählt Kantak. Außerdem hat sich der Vermieter bei der Baubehörde die Genehmigung geholt, die Wohnungen künftig als Ferienwohnungen nutzen zu dürfen. „350 Euro spielt so eine Ferienwohnung pro Woche bestimmt ein“, denkt Kasek. So viel, wie seine Mandanten nach der Modernisierung im ganzen Monat zahlen würden. Das Gericht hat den Streitparteien nun bis 19. Juni Zeit gegeben, sich zu einigen. Gelingt das nicht, muss es über den Umfang der geplanten Modernisierung entscheiden.

Von Klaus Staeubert

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