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Lokales Leipziger Videotheken geht es schlecht - die Verleiher kämpfen um ihre Existenz
Leipzig Lokales Leipziger Videotheken geht es schlecht - die Verleiher kämpfen um ihre Existenz
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21:30 16.10.2013
Videotheken-Betreiber wie Matthias Bühl in Lößnig sehen die Zukunft der Branche als nicht gerade rosig. Quelle: André Kempner

In den vergangenen sechs Jahren gab in Leipzig die Hälfte der Läden auf. In der Branche wurde zuletzt sogar befürchtet, dass die Filmgalerie Alpha 60 - das Flaggschiff unter Leipzigs Qualitätsvideotheken - schließen könnte.

Grund des Gerüchts: Die Alpha 60 residiert seit gut zehn Jahren im Volkshaus an der Karl-Liebknecht-Straße, zahlt also eine mittelhohe Gewerbemiete, was sich heute kaum noch eine Videothek leisten kann. Als die Filmgalerie in Stuttgart ihr angestammtes Objekt verlassen musste, fand sie keinen Ausweich mehr und schloss für immer, bedauert Jörg Weinrich vom Branchenverband IVD (siehe Hintergrund). "Dabei haben die Qualitätsverleiher sicher noch die besten Chancen."

In Erwartung einer zwei Jahre währenden Großbaustelle vor der Haustür hatte sich Alpha 60 frühzeitig nach anderen Objekten in der Südvorstadt umgeschaut. "Dort wäre die Miete aber dreimal so hoch gewesen", erzählt Sarah Schipschack. "Das können wir uns nicht leisten, zumal wir dringend mehr Platz für unser 15 000 Filme umfassendes Archiv benötigen." Ein größeres Objekt fand sich dann doch in der Merseburger Straße 38 - nahe Cineding und Schaubühne Lindenfels. Im Dezember zieht Alpha 60 dorthin um. Für die Stammkundschaft im Süden soll es eine Außenstelle in der Kolonnadenstraße 1 geben - in Kooperation mit dem dortigen Verleiher Memento, so Schipschack.

Matthias Bühl gehörte im Oktober 1990 zu den ersten Leipzigern, die eine Videothek eröffneten. Zum Glück auf seinem eigenen Grundstück im Lößniger Sigebandweg - sonst würde es das Casablanca vielleicht nicht mehr geben. "In den Hochzeiten der VHS-Kassette wurden uns die Blockbuster noch aus der Hand gerissen. Nun haben die Filmstudios ihre Politik geändert, gibt es wichtige Streifen häufig eher als Kauf-DVD im Elektronikmarkt als bei uns im Verleih."

In Leipzig seien in den letzten Jahren etwa die Hälfte der Läden verschwunden. Wie viele geblieben sind, wisse niemand genau. "Viele Kollegen der ersten Stunde fanden keinen Nachfolger, wenn sie in Rente gingen. Im April trat ich aus dem IVD aus, weil ich mir 90 Euro Mitgliedsgebühr pro Quartal nicht mehr leisten kann. In Ostdeutschland ist heute fast jede Videothek existenzbedroht."

Der 50-Jährige selbst will aber keinesfalls aufgeben, sieht Chancen bei Kinderfilmen, 3D-Blu-Ray oder Lieferservice frei Haus. "Ende Oktober gibt es ein Treffen unserer Einkaufsgemeinschaft World of Video mit der Industrie. Ich hoffe, da kommt mal was heraus."

Marktführer in der Messestadt ist mit vier Standorten, die ebenfalls als World of Video firmieren, die Hammer Media GmbH aus Ludwigsburg. "Den Videotheken geht es schlecht", sagt Inhaber André Hammer. "Auch wir werden uns in Leipzig verkleinern, sagen aber noch nicht wo." Jedoch es gebe auch Lichtblicke. "Als Sachsens Staatsanwälte die illegale Internetplattform Kino.to abgeschaltet haben, stiegen die Verleihzahlen bei uns deutlich an."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.10.2013

Jens Rometsch

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