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Leipziger WBG-Prozess: "Mich empört der Vorwurf"

Leipziger WBG-Prozess: "Mich empört der Vorwurf"

Im Prozess um den Millionenskandal bei der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG (WBG) sind die Verfahren gegen zwei weitere Angeklagte gegen Geldauflagen eingestellt worden.

Leipzig. Ein Wirtschaftsprüfer muss zudem gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Dagegen hält sich ein Leipziger Rechtsanwalt, der ebenfalls im Aufsichtsrat der Pleitefirma saß, für vollkommen unschuldig an dem gewaltigen Finanzdesaster.

"Mich empört der Vorwurf", sagte Matthias B. gestern zum Prozessauftakt am Landgericht. Der Anwalt war in Haft gekommen, weil er zum ursprünglichen Beginn der Hauptverhandlung Ende November unentschuldigt gefehlt hatte. "Ein Missverständnis" erklärte er nun. Wie auch die Anklage gegen ihn unzutreffend sei.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Ex-Aufsichtsräten der WBG Untreue durch Unterlassen im besonders schweren Fall vor. Nach Erkenntnissen der Behörde hat das Unternehmen 25 Inhaberschuldverschreibungen mit einem Gesamtvolumen von 565 Millionen Euro aufgelegt, eingezahlt wurden 382 Millionen. Doch spätestens seit 1. Oktober 2005, als die 17. Inhaberschuldverschreibung fällig war, seien Rückzahlungen und andere Verbindlichkeiten nicht mehr bestritten worden - die Firma war pleite. Dennoch flossen weitere Millionen an Mehrheitsaktionär Jürgen Schlögel (50), der mit seiner Nürnberger Firma J. S. Immobilienbeteiligungen zu 74 Prozent an der WBG beteiligt war und diese über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag kontrollierte. Matthias B. wird vorgeworfen, diese Zahlungen zum Nachteil der Gesellschaft nicht unterbunden zu haben.

"Die Zahlungsunfähigkeit war nicht erkennbar", behauptete gestern der Angeklagte. "Dem Aufsichtsrat wurden im September 2005 erst die Bilanzen von 2004 vorgelegt. Danach gab es keine Hinweise auf eine Bilanzgefährdung des Unternehmens." Er habe seine Altersversorgung in Höhe von 150 000 Euro in Schuldverschreibungen gesteckt und verloren. "Bei geringsten Zweifeln hätte ich das Geld abgezogen", argumentierte der Angeklagte. Auch sein Sohn habe investiert - und verloren.

Erst Ende Mai/Anfang Juni 2006 habe der Vorstand den Aufsichtsrat über Liquiditätsprobleme informiert. Sofort habe der Aufsichtsrat Schlögel aufgefordert, notwendige Zahlungen zu leisten - mehrfach per SMS, da dieser telefonisch nicht erreichbar war. Doch als Schlögel die Zahlungen schließlich verweigert habe, sei Insolvenzantrag eingereicht worden. Wie berichtet, hatten daraufhin mehr als 38 000 Gläubiger Forderungen in Höhe von rund 339 Millionen Euro angemeldet, darunter allein 28 000 Anleger.

Ursprünglich sollte auch der Hauptangeklagte Schlögel vor Gericht erscheinen. Doch der seit vielen Jahren alkoholkranke Kaufmann ist nach einem neurologischen Gutachten womöglich verhandlungsunfähig. Die 11. Strafkammer setzte deshalb sein Verfahren zunächst aus.

Eingestellt wurden jetzt die Verfahren gegen Ex-Aufsichtsrat Franz Joachim von M. (70) und, vorläufig, gegen Wirtschaftsprüfer Wolfgang W. (54). Letzterer muss neben einer Geldauflage 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Schon vor Prozessbeginn waren die Verfahren gegen vier Angeklagte - zwei Wirtschaftsprüfer, einen Vermögensberater und einen Rechtsanwalt - gegen Geldauflagen zwischen 10 000 und 100 000 Euro eingestellt worden.

Von anfangs 13 Beschuldigten muss somit zum nächsten Verhandlungstermin am 7. Januar außer Ex-Aufsichtsrat Matthias B. nur noch Ex-Vorstand Pierre Klusmeyer (57) vor Gericht erscheinen. Gegen ihn und Schlögel ist zudem noch eine Anklage anhängig wegen besonders schweren Betrugs in 4858 Fällen mit einem Schaden von mehr als 26,6 Millionen Euro sowie Insolvenzverschleppung. Ein erster Prozess war 2007 geplatzt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.12.2013

Frank Döring

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