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Leipziger Wachstum verknappt Wohnungsmarkt – 580.000 bis Jahresende

Kehrseite des Booms Leipziger Wachstum verknappt Wohnungsmarkt – 580.000 bis Jahresende

Der Wachstumstrend an der Pleiße hält weiterhin an: Am Ende des Jahres werden in Leipzig 580.000 Menschen leben. Der Wohnraum wird parallel zum Boom aber allmählich knapp.

Leipzig. Die Messestadt wächst weiterhin kräftig, aber der Wohnungsmarkt kann nicht Schritt halten. Wie es am Montag aus dem Neuen Rathaus hieß, hatte Leipzig Ende November bereits 579.802 Einwohner. „Wir gehen davon aus, dass es bis zum Jahresende 580.000 sein werden“, erklärte Peter Dütthorn, Abteilungsleiter im Amt für Statistik. Spätestens 2018 werde wohl auch die 600.000-Einwohner-Marke fallen. Ob dann auch wirklich für alle Leipziger genug Wohnraum zur Verfügung steht, darauf will derzeit wohl keiner wetten. Denn aktuell liege die Zahl der ungenutzten, aber bezugsfertigen Wohnungen im Stadtgebiet nur noch bei etwa 10.000. Weitere 9.000 müssten erst saniert werden, bevor jemand einziehen kann. Vor fünf Jahren waren es jeweils praktisch doppelt so viele.

„Es muss sich auf dem Wohnungsmarkt künftig deutlich etwas tun, die bisherigen Zuwachsraten reichen bei weiten nicht aus, um den Zuzug auszugleichen“, so Dütthorn weiter. Den Statistiken zufolge hat sich Leipzig Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren jährlich um 10.000 Neubürger erhöht – der Wohnungsbestand stieg 2015 allerdings lediglich um 2000. In der Folge ist der einstmals sehr hohe und als Standortargument gebrauchte Leerstand an der Pleiße spürbar zurückgegangen. In einigen Stadtteilen – beispielsweise in Connewitz, Südvorstadt, Schleußig, Plagwitz, Lindenau, Zentrum- Süd und Knautkleeberg – sind schon jetzt weniger als zwei Prozent aller Wohnungen überhaupt theoretisch noch zu haben.

Jedes siebente Neugeborene mit Migrationshintergrund

Grund für Leipzigs permanentes Wachstum sind neben der Geburtenrate vor allem die Zuzüge aus anderen Teilen der Bundesrepublik und aus dem Ausland, erklärte Amtsleiterin Ruth Schmidt. Während in der Vergangenheit vor allem viele Ostdeutsche ihren Lebensmittelpunkt in die Messestadt verlegten, nehme nun auch der Umzug aus den alten Bundesländern und aus dem Ausland weiter zu. Jeder vierte Neu-Leipziger im Wartebereich der hiesigen Meldebehörde hat inzwischen einen nichtdeutschen Pass. Entgegen mancher Vorurteile im Netz spielen Asylbewerber in der Statistik aber keine größere Rolle: „Die Flüchtlinge sind beiweitem nicht der Hauptgrund für das Bevölkerungswachstum in Leipzig“, so Dütthorn weiter.

Ende September hatte Leipzig einen Ausländeranteil von 8,6 Prozent, zudem hatten 13,2 Prozent der Messestädter einen Migrationshintergrund. Letztere Gruppe leistete auch einen nicht unerheblichen Anteil an der allgemeinen Leipziger Verjüngung. Insgesamt 972 aller 6.622 Neugeborenen in anno 2015 hatten mindestens ein ausländisches Elternteil, rechnete Dütthorn vor. Die größte Gruppe machen Babys mit russischem Migrationshintergrund aus, gefolgt von syrischer, türkischer und rumänischer Abstammung. Von Überfremdung kann aber trotzdem keineswegs die Rede sein: Denn neben jedem Neugeboren mit Migrationshintergrund liegen in Leipziger Kreissälen auch sechs mit deutschen Eltern.

„Kinder machen glücklich“

Nachwuchs scheint in Leipzig ohnehin eine gute Idee zu sein – auch finanziell. „Kinder scheinen glücklich zu machen, eins macht allerdings offenbar noch glücklicher als zwei“, sagte Amtsleiterin Ruth Schmidt augenzwinkernd auf Erhebungen zur Lebens- und Einkommenssituation. Allgemein seien sowohl Singles als auch Paare in Leipzig mehrheitlich zufrieden oder sehr zufrieden – finanziell haben Familien aber oft die Nase vorn. Für Elternpaare mit einem Kind lag das mittlere Nettoäquivalenzeinkommen im vergangenen Jahr bei 1630 Euro monatlich, bei Eltern mit zwei Kindern bei 1597 Euro. Singles und Paare mit mehr Kindern hatten 1343 Euro zu Verfügung. Ganz am Ende der Einkommensstatistik: Alleinerziehende mit gerade einmal 1047 Euro pro Monat. „Viele Alleinerziehende haben eine sehr prekäre Einkommenssituation“, so Schmidt. Etwa ein Drittel sei sogar von Armut bedroht.

Im Vergleich zu den anderen sächsischen Großstädten sind die Leipziger immer noch die ärmsten. Immerhin hat die Messestadt inzwischen zumindest bis zum sächsischen Durchschnitt aufgeholt: Das durchschnittliche Monatsnettoeinkommen pro Person an der Pleiße betrug zuletzt 1169 Euro – 66 Euro weniger als in Chemnitz und 35 Euro weniger als in Dresden.

Matthias Puppe

Update: In einer früheren Version des Textes stand in einer Zwischenüberschrift, jedes vierte Neugeborene hätte Migrationshintergrund. Das war ein Rechenfehler. Richtig ist: Jedes siebente Neugeborene in Leipzig im Jahr 2015 hatte mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund.

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