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Leipziger Wasserwerke müssen Austausch von 13.000 Wasserzählern organisieren

Geräte ohne Zulassung Leipziger Wasserwerke müssen Austausch von 13.000 Wasserzählern organisieren

Schon länger ernteten die Leipziger Wasserwerke Kritik wegen des Einsatzes von billigen Wasserzählern. Jetzt kam heraus, dass viele der Zähler womöglich gar keine Zulassung besitzen. 13.000 Wasserzähler müssen ausgetauscht werden.

Hinter den Kulissen der Leipziger Wasserwerke geht es hoch her – bei Kunden wurden 13 000 Wasserzähler eingebaut, die keine gesetzliche Zulassung besaßen. 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Leipzigs Wasserwerke sind bereits wegen des Einsatzes von Billig-Zählern in die Kritik geraten. Denn in Paunsdorf war durch einen extrem billigen Wasserzähler ein Schaden von 10 000 Euro entstanden (die LVZ berichtete). Jetzt gerät das stadteigene Unternehmen wegen seiner Beschaffungspolitik in noch größere Turbulenzen. Denn in der Branche wurde aufgedeckt, dass ein Hersteller Zähler veräußert hat, die keine Zulassung von einer physikalisch-technischen Überwachungsanstalt besaßen. Leipzigs Wasserwerke haben von diesem Hersteller 13 000 Zähler erworben und bei ihren Kunden verbaut. Diese Geräte müssen jetzt komplett ausgetauscht werden.

Wie exakt sind die Zähler?

In der Wasserwirtschaft ist die Zulassungsnummer eines Zählers genauso wichtig wie dessen Eichung. Denn die Zulassung durch eine physikalisch-technische Überwachungsanstalt stellt sicher, dass bei der Produktion von Messgeräten wie Wasserzählern die vorgeschriebenen Qualitätsparameter eingehalten werden. Um diese Zulassung zu erhalten, müssen Hersteller zum Beispiel sicherstellen, dass sie bei ihren eingesetzten Werkzeugen vorgeschriebene Standzeiten einhalten – damit die gefertigten Teile die vorgeschriebene Genauigkeit besitzen. Auch das verwendete Material und die Abmessungen einzelner Teile werden bei dieser Zulassung genau kontrolliert – damit Vorgaben wie zum Beispiel die Biegesteifigkeit eingehalten werden. Außerdem müssen bei den produzierten Teilen Stichprobenkontrollen in genau festgelegten Abständen erfolgen – und umfangreich dokumentiert werden. Erfolgt dies nicht, gibt es keine Zulassung – und ohne Zulassung dürfen solche Messeinrichtungen nicht im geschäftlichen Verkehr eingesetzt werden.

Dennoch hat ein Wasserzähler-Hersteller aus NRW Zähler verkauft, die keine Zulassung besitzen, weil dieses gesetzlich vorgeschriebene Konformitätsbewertungsverfahren nicht stattfand. Entdeckt hatte dies das Eichamt Düsseldorf, das am 24. März 2016 in den Räumlichkeiten der Firma Einsicht in sichergestellte Unterlangen nahm und den Gesetzesverstoß akribisch dokumentiert hat. 

Bei den Leipziger Wasserwerken hieß es am Montag, dass die von diesem Hersteller bezogenen rund 13 000 Wasserzähler unterschiedliche Größen haben und bereits verwendet werden. „Diese Zähler wurden bei Kunden in unserem gesamten Verbreitungsgebiet eingebaut“, sagte Mario Hoff, Unternehmensbereichsleiter Markt. „In Mehrfamilienhäusern, Einfamilienhäusern und Gewerbeobjekten.“ Dass diese Geräte keine gültige Zulassung hatten, sei erst bemerkt worden, als die Marktaufsichtsbehörden branchenintern über den Fall informierten. „Wir führen aber auch selber grundsätzlich ein qualifiziertes Wareneingangsverfahren durch“, betonte Hoff. Dafür stelle der Hersteller auf Anforderung vorab mehrere Zähler mit Gerätenummern zur Verfügung, die aus Leipzig vorgegeben qualitativ überprüft werden. „Bei diesen stichprobenartigen Kontrollen gab es keine Beanstandungen“, so Hoff.

Ob dies für alle nicht zugelassenen Geräte gilt, ist unklar. Zwar hat der sächsische Staatsbetrieb Mess- und Eichwese inzwischen schriftlich erklärt, dass die messtechnischen Eigenschaften der Geräte „nicht betroffen“ sein sollen. Aber Eichdirektor Eckhard Steep begründet diese Einschätzung mit einer entsprechenden Aussage des Herstellers, der bereits mit dem Vertrieb der Geräte gegen geltende Gesetze verstoßen hat. „Der Hersteller hat versichert, dass alle Wasserzähler vor der Auslieferung einer messtechnischen Prüfung unterzogen wurden“, so Steep. Leipzigs Wasserwerke erklärten am Montag, dass diese Aussage für sie bindend ist – die nicht zugelassenen Geräte also messtechnisch in Ordnung sind. Gleichzeitig wollte sich aber niemand darauf festlegen, ob die 13 000 Geräte tatsächlich geeicht wurden. Die bezogenen Geräte hätten keine Plomben besessen, mit denen eine Eichung beglaubigt wird, so Hoff. Wenn das gesetzlich vorgeschriebene Zulassungsverfahren durchgeführt worden wäre, hätten sie lediglich Plomben gebraucht, die ein unberechtigtes Öffnen verhindern.. Gleichzeitig räumte Hoff aber auch ein, dass den Leipziger Wasserwerken auch keine Eichgebühr in Rechnung gestellt worden ist.

Sind Rechnungen zulässig?

Wie die betroffen Kunden dies sehen, ist bislang unklar. Denn wenn eine Zulassung fehlt, dürfte das Unternehmen seinen Kunden formell eigentlich keine Rechnungen stellen. Die Wasserwerke wollen mit Verweis auf die Einschätzung der Eichbehörde Dresden trotzdem auf alle Zahlungen bestehen. Eventuelle Rechtsstreitigkeiten über die Gültigkeit der Wasserrechnungen werde man an die Eichbehörde Dresden weiterleiten, so Hoff.

Der Hersteller der 13 000 Geräte hat inzwischen eine Rückrufaktion angekündigt. Sobald deren Details klar seien, würden die betroffenen Kunden von den Leipziger Wasserwerken angeschrieben, heißt es. Sie bekämen dann kostenlos die nicht zugelassenen Zähler aus- und korrekte Geräte eingebaut. Die Umtauschaktion werde etwa ein Jahr dauern, so Hoff. Wann sie beginnt, stehe noch nicht fest.

Von Andreas Tappert

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