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Leipziger Wege-Verein professionalisiert seine Hilfsangebote

Leipziger Wege-Verein professionalisiert seine Hilfsangebote

Das Familienhaus in der Lützner Straße wurde im Dezember eröffnet. Der Wege e.V., Verein Angehöriger und Freunde psychisch Kranker, kann sein Angebot erweitern.

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Quelle: dpa

Leipzig. Er ist in Leipzig ein unverzichtbarer sozialer Dienstleister, wurde 1995 von der heutigen Vorstandsvorsitzenden Monika Schöpe gegründet.

22 Mitarbeiter führen 1400 Beratungsgespräche im Jahr. Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien bearbeitet pro Jahr 360 Fälle. 85 Klienten kommen ambulant zum betreuten Wohnen. "Der Verein ging aus einer Selbsthilfegruppe hervor. Nun sind wir auf dem Weg zu einer professionellen Vereinsführung", sagt Schatzmeisterin Sonja Schubert.

Man macht damit den Sprung von einer Betroffeneninstitution zu einem professionellen Dienstleister. Das war auch von der Landesdirektion als Kontrollbehörde angemahnt worden. Denn es hatte in der Vergangenheit Abrechnungsprobleme gegeben. Die waren bei Vorstandssitzungen oft angesprochen, aber auch oft vom Tisch gewischt worden. Als die Mahnungen Gudrun Geylers, einer Finanzbeamtin, die für die Vereinsgelder zuständig war, unerhört blieben, zeigte sie die Abrechnungs- und Vertragsmängel beim Finanzamt an. Sie musste sich selbst schützen. "Um den Status der Gemeinnützigkeit für den Verein zu erhalten, war eine juristische Aufarbeitung der Mietverträge dringend erforderlich. Betriebskostenabrechnungen waren von Frau Schöpe oder deren Stellvertreter sachlich und rechnerisch als richtig abgezeichnet, obwohl dies augenscheinlich nicht stimmte", erklärt Gudrun Geyler.

Das Finanzamt erteilte Auflagen. Die werden inzwischen erfüllt. Sie betreffen die Verträge für die Miete der Räume und Gebäude, die dem Ehemann von Chefin Schöpe gehören. Weil sich die Vereinsvorsitzende und ihr Ehemann als Vertragspartner gegenüberstanden, fielen die Interessen des Vereines gegenüber denen des Vermieters unter den Tisch. Die Heizkosten werden mittlerweile nicht mehr als Pauschale erhoben. Es wird zwischen Vorauszahlung und tatsächlichem Verbrauch unterschieden. Vom Verein zu viel gezahltes Geld werde vom Vermieter zurückgezahlt. "Durch die ständige Erweiterung unserer Wege-Angebote - innerhalb von 19 Jahren - mussten auch Vereinbarungen und Verträge erweitert und angepasst werden. Das ist ein ganz normaler Prozess. Die Dinge sind geheilt, wir sind auf einem guten Weg", bekräftigt Sonja Schubert.

Und Vorstandsmitglied Jürgen Zimmermann erklärt den Komplex in der Lützner Straße: "In einem anderen Mietobjekt hätte der Verein nicht so wachsen können. Hier sind alle Angebote in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Soziales an einem Ort."

Damit das möglich ist, hatte auch die Landesdirektion Druck ausgeübt. Man habe den Eindruck gewonnen, "dass die ordnungsgemäße Geschäftsführung im Wege e.V. im Zusammenhang mit diesem Projekt nicht mehr gewährleistet ist", heißt es in einem Schreiben zum Projekt Familienhaus in der Lützner Straße. Folglich wurde der Zuwendungsbescheid für knapp 100 000 Euro, die der Verein für Umbau und Ausstattung beantragt hatte, mit der Forderung nach einem Mietvertrag mit mindestens 25-jähriger Laufzeit geknüpft - um die Investitionen für den Verein zu schützen. In diesem Punkt trafen sich die Auflagen des Finanzamtes und der Landesdirektion.

Der Verein steckt in einem Dilemma, ihm geht es wie vielen gemeinnützigen Sozialdienstleistern. Eine professionelle Geschäftsführung ist zu teuer. "Wir bekommen nur die Fachleistungen bezahlt, kein Extrageld für eine Geschäftsführung", sagt Vereinsgründerin Monika Schöpe. Deshalb freue man sich auch über jede Privatspende.

Für manchen Mitarbeiter war die Juristin Karen Schmidt ein Hoffnungsschimmer, als sie die Geschäftsführung übernahm. Doch Schmidt geriet bald mit Frau Schöpe aneinander, verstand das Eingreifen der ehrenamtlichen Chefin als Bevormundung und ging schon in der Probezeit wieder. "Die Einstellung eines Geschäftsführers war ein Versuch, der leider nicht zu unserer Vereinsphilosophie passte, weil sie sich nicht in die Philosophie unseres Vereines hineinversetzen konnte", sagt Schöpe. Die Belegschaft gründete einen Betriebsrat, um mehr Mitsprache ausüben zu können. Doch auf Anfragen und Gesprächsbitten des Betriebsrates reagierte die Vereinschefin nicht.

Mitarbeiter klagen über eine hohe Fluktuation in der Belegschaft. "Wir haben keine hohe, sondern eine normale Fluktuation. Wir können nun mal nicht Gehälter zahlen wie im öffentlichen Dienst", sagt Schöpe. Im Rathaus will man sich konkret zu diesen Vorwürfen nicht äußern. "Die Angebote des Wege e.V. sind ein wichtiger Bestandteil der sozialpsychiatrischen Versorgung in Leipzig. Die Fachämter der Stadt Leipzig sind im Gespräch mit dem Verein und begleiten ihn bei der Qualitätssicherung seiner fachinhaltlichen Arbeit", teilt Psychiatriekoordinator Thomas Seyde auf LVZ-Anfrage mit.

"Die Leute kommen in Scharen zu uns, unser Verein ist von sieben auf 180 Mitglieder gewachsen", sagt Monika Schöpe, um den Wert des Vereins zu bekräftigen. Den stellt niemand infrage. Schöpe bekam 2010 das Bundesverdienstkreuz, weil sie mit dem Wege e.V half, Angehörige von psychisch Kranken von ihrem Stigma zu befreien, ihnen Hilfe anbot, die ihr selbst einst nicht zur Verfügung stand, als sie diese gebraucht hätte. Diese Hilfe kommt an. Die Flure des Vereins sind mit Preisungen von Politikern geschmückt. Auch beim Bundeswettbewerb Startsocial wurde die Initiative mehrfach geehrt. Frau Schöpe zeigt gern stolz das Gruppenbild mit Bundeskanzlerin.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.01.2015

Andreas Friedrich

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