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Lokales Leipziger Werbekampagne „Likezig“ bedeutet Aus für „Hypezig“ – Blogger gibt auf
Leipzig Lokales Leipziger Werbekampagne „Likezig“ bedeutet Aus für „Hypezig“ – Blogger gibt auf
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18:48 30.06.2014
Alexandra Viehweg, Carolin Redenz und Michael Schmidt (v.l.) haben die "Likezig"-Werbekampagne entworfen. Sie studieren Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig. Quelle: Dieter Grundmann
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Leipzig

Doch der Reklamespruch kommt nicht bei jedem gut an.    

„Sollen sie doch machen“, sagt André Herrmann, 28, entnervt. Der studierte Politikwissenschaftler gilt als Schöpfer des Begriffs „Hypezig“. Eine Redewendung, die dem „Medienwahn“ um die Sachsen-Metropole einen Namen gab. Leipzig, das bessere Berlin? Seit Dezember 2012 sammelte Herrmann in seinem Hypezig-Blog Pressemeldungen und Fotos, die sich mit Übertreibungen, Superlativen und Lobeshymnen auf die Pleißestadt überschlugen. 178 Beiträge kamen zusammen. Seit Sonntag ist Schluss damit.

Herrmann hat das Blog aufgrund der neuen Werbekampagne nun eingestellt, denn die findet er alles andere als gelungen. „Ich war schon genervt vom ganzen Anti-Hype, jetzt gibt es noch den positiven Hype dazu“, sagt Herrmann. „Der Begriff wird mittlerweile derart instrumentalisiert und umgedichtet, dass er jegliche Kritik beseitigt“, fügt er hinzu.

100 Plakate aufgehängt, 7500 Postkarten verteilt

Was ihn so verärgert, sind die Werbeposter, von denen mittlerweile 100 Stück in der Stadt aufgehängt sind. 7500 Postkarten mit dem neuen Leitspruch wurden verteilt. Am Dienstag soll zudem ein Großplakat am Hauptbahnhof mit dem neuen Slogan prangen. Das schlichte Motiv zeigt den Schriftzug „Likezig“ in den Farben grün, blau und gelb gehalten. Darunter steht: „Weil wir Leipzig lieben“.

Entstanden ist die Werbekampagne innerhalb eines Praxisseminars der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH, der Ströer Deutsche Städte Medien GmbH und der Universität Leipzig. Mit ihrem Entwurf konnten die angehenden Kommunikationswissenschaftler Carolin Redenz, Michael Schmidt und Alexandra Viehweg die Jury überzeugen. „Dass es der Entwurf jedoch tatsächlich auf die Plakate schafft, hätten wir nicht erwartet“, so Michael Schmidt, 31. „Likezig“ ist eine Wortschöpfung aus dem englischen Begriff „like“ für „gefallen/mögen“ und Leipzig. Der Slogan solle vor allem die jüngere Generation ansprechen, die mit sozialen Netzwerken aufgewachsen ist.

„Wir drei haben auf diesem Gebiet noch keine nennenswerten Erfahrungen und wurden sozusagen komplett ins kalte Wasser geworfen“, erzählt Alexandra Viehweg, 20. Deswegen erhielten die insgesamt acht Seminarteilnehmer fürs Planspiel zunächst auch eine umfangreiche Einführung zu Werbespielregeln und bekamen ihre Vorgaben fürs Plakat anlässlich der 1000-Jahrfeier der Ersterwähnung mitgeteilt. Anschließend stellte jede Arbeitsgruppe mehrere kreative Entwürfe vor.

Jury: "Likezig" sei simpel und präge sich schnell ein

„Sicher ist das Wort ‚Likezig’ auch an das Wort ‚Hypezig’ angelehnt“, sagt Carolin Redenz, 26. „Dieser Begriff geistert seit Jahren immer wieder durch die Medien und hat sich, nach unserem Empfinden, mit einem negativem Nachhall verselbstständigt.“ Ziel sei es daher gewesen, einen Gegenentwurf zu schaffen. „Da Geschmäcker natürlich verschieden sind, war vorherzusehen, dass nicht alle die Kampagne gut finden würden“, so Redenz. Neben der Plakataktion haben die Studenten auch eine Facebook-Seite gestartet, wo regelmäßig Szenetipps veröffentlicht werden sollen und Nutzer sagen können, was sie an der Messestadt besonders mögen.

„Das Wort ‚Likezig’ lässt aufgrund seiner Nähe zu Leipzig sofort Assoziationen zu. Es ist simpel und prägt sich schnell ein“, findet Jurymitglied Tobias Kobe. Er ist auch Mitglied im Vorstand des Vereins Leipzig 2015, der die Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum organisiert. „Die Kampagne soll zunächst einen Monat laufen, danach muss gemeinsam mit dem Verein Leipzig 2015 entschieden werden, ob und wie es weitergeht“, sagt Roland Stratz, Projektmanager bei der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH. Denn nach wie vor läuft die Stadtmarketing-Kampagne unter dem Titel „Leipziger Freiheit“. Die Kritik von Hypezig-Blog-Betreiber André Herrmann sieht er gelassen: „Den Blog gibt es schon sehr lange. Die Entscheidung über die Fortführung oder Einstellung des Blogs liegt alleinig beim Blogbetreiber“, sagt er.  

Facebook-Seite der Werbekampagne: www.facebook.com/likezig

Benjamin Winkler

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