Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft: "Dürfen uns keine Fehler erlauben"

Interview Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft: "Dürfen uns keine Fehler erlauben"

Keiner stellt in der Messestadt mehr Wohnraum an Flüchtlinge als die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB). Das Unternehmen ist der größte Vermieter im Stadtgebiet. Die LVZ hat mit den Geschäftsführerinnen gesprochen.

Die LWB-Geschäftsführerinnen Ute Schäfer und Gabriela Haase in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. LVZ: Was kann die LWB  tun, um bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu helfen?
Gabriele Haase: Im vergangenen Jahr haben wir im Durchschnitt pro Monat 50 Wohnungen an Asylsuchende vermietet. Das sind immerhin 600 Haushalte im Jahr. Rein rechnerisch ist das beinahe ein Viertel unserer gesamten Neuvermietungen gewesen. Zudem haben wir die Gemeinschaftsunterkünfte in der Markranstädter Straße und der Pittlerstraße hergerichtet und 2014 zur Verfügung gestellt.
Ute Schäfer: In der Könneritzstraße 58 bereiten wir jetzt eine weitere Gemeinschaftsunterkunft mit 40 bis 50 Plätzen vor. Darüber hinaus wächst natürlich die Nachfrage nach Einzelwohnungen.

Sie verfolgen also weiter das Konzept der dezentralen Unterbringung, obwohl dieses Jahr 5000 Flüchtlinge kommen sollen?
Ute Schäfer: Es gibt kein separates LWB-Konzept, sondern städtische Prioritäten. Als kommunales Unternehmen tragen wir natürlich in besonderer Weise Verantwortung und agieren in enger Abstimmung mit der Stadt. Die LWB sieht sich mehr in der Pflicht, Wohnungen für die dezentrale Unterbringung zur Verfügung zu stellen oder auch solche Projekte wie in der Könneritzstraße zu realisieren. Nach unserer Meinung sind diese auch besser für eine Integration der Asylbewerber geeignet.
Gabriele Haase: Ein Problem bei den Einzelstandorten ist es, eine hohe Betreuungsdichte zu organisieren.

Hat Sie der jetzige Ansturm kalt erwischt?
Gabriele Haase: Wir hatten bereits vor zwei Jahren eine Asylbewerbersprechstunde im LWB-Servicekiosk in der Konradstraße ins Leben gerufen. Dort werden viele spezielle Anliegen von Mietern und Mietinteressenten aus aller Herren Länder besprochen. Jeder Fall ist natürlich ein Einzelfall und sowohl unsere Mieterbetreuer als auch die Vermieter sind bestrebt, für alle Seiten gute Lösungen zu finden. Was die Sprachbarrieren betrifft – da arbeiten wir zum Beispiel mit dem Verein Internationale Frauen zusammen. Allein könnten wir das Sprachproblem sonst gar nicht bewältigen. Zudem haben wir verschiedene Schulungen für unsere Mitarbeiter organisiert, um das Wissen über unsere ausländischen Kunden zu verbessern. Dabei ging es auch um ethnische Besonderheiten.

Keine Unterschiede zwischen Einheimischen und Asylbewerbern

Gibt es mit Ihren ausländischen Mietern besonders viele Probleme?
Gabriele Haase: Nein. Wir sehen keinen Unterschied zwischen Asylsuchenden und unseren einheimischen Mietern. Die Themen sind überall die gleichen: Lärm, Ordnung, Sauberkeit – also alles Dinge, die das Einhalten der Hausordnung betreffen. Wir haben inzwischen Hausordnungen in vielen relevanten Sprachen erstellt, damit die Regeln von jedem verstanden werden. Aber wie gesagt: Vom Sozialmanagement, unserer Ombudsfrau und auch dem Mieterbeirat, der vieles kritisch begleitet, wissen wir, dass es bei der Häufigkeit oder Art der Konflikte keinen Unterschied zwischen ausländischen und deutschen Bewohnern gibt.

Wie viele Flüchtlinge wohnen gegenwärtig insgesamt bei Ihnen?
Ute Schäfer: Das dürfen wir aus Datenschutzgründen nicht erfassen. Ende 2014 haben wir eine Übersicht erstellt, wie viele Ausländer bei uns wohnen, also auch EU-Bürger oder Studenten aus aller Welt. Zu diesem Zeitpunkt waren das 2000 Personen aus mehr als 100 Nationen.

Hat die LWB noch genügend Wohnungen für weitere Asylbewerber frei?
Gabriele Haase: Auch bei der LWB sinkt aufgrund des starken Stadtwachstums der Wohnungsleerstand. Die Quote liegt derzeit bei rund fünf Prozent. Bei den Ein-Raum- oder Vier-Raum-Wohnungen ist praktisch nichts mehr frei. Nur bei den Drei-Raum-Wohnungen verfügen wir noch über größere Reserven.

Auf Wunsch der Stadt hat die LWB 7000 Quadratmeter Brachland an der Prager Straße für die Errichtung einer Gemeinschaftsunterkunft angeboten. Haben Sie noch  weitere Flächen, die  geeignet sind?
Gabriele Haase: Vorläufig stellen wir diese Fläche zur Verfügung, weil sie aus Sicht des Sozialamtes als zurzeit am besten geeignet erscheint. In Abstimmung mit der Kommune wird die LWB weiter nach passenden Grundstücken suchen.

Zugleich will die LWB selbst neue Wohnhäuser bauen. Wie sieht da der Stand aus?
Ute Schäfer: Wir haben eine moderate Wachstumsstrategie. Der Auftrag unseres Eigentümers, der Stadt Leipzig, lautet, den Marktanteil zu halten. Das heißt, wenn Leipzig wächst, wachsen wir mit. Die Zielmarke liegt derzeit bei 36 000 Wohnungen. Das ist eine enorme Herausforderung, der wir uns zum Teil durch Neubauten und zum Teil durch Zukäufe stellen wollen. In Abhängigkeit davon, was der Markt anbietet, was wirtschaftlich sinnvoll ist und zu uns passt.

War es in der Rückschau falsch, dass Ihr Unternehmen viele Häuser verkauft hat?
Ute Schäfer: Wir mussten veräußern, um durch den Schuldenabbau überhaupt erst wieder eine gewisse Investitionsfähigkeit zu erlangen. In diesem Jahr konnten wir nun erstmals zwei Gebäude hinzukaufen. Sie sind beide komplett vermietet, befinden sich unmittelbar neben unseren eigenen Beständen in Schönefeld und in Gohlis. Insgesamt sind es 88 Wohnungen aus den Dreißiger- und Sechzigerjahren, die sehr gut zu unserem sozialen Auftrag und unseren Bewirtschaftungseinheiten passen. Wir werden auch künftig keine riskanten Immobiliengeschäfte tätigen und vorsichtig bei unserer Bestandsentwicklung vorgehen. Die wirtschaftliche Stabilität der LWB muss erst nachhaltig gesichert werden. Unsere Investitionskraft ist noch längst nicht so groß, wie es für die Stadt sinnvoll und notwendig wäre.

Was hat es mit den zehn Baugrundstücken auf sich, für die die LWB nun eine Architekten-Werkstatt durchgeführt hat?
Gabriele Haase: Beim Thema Neubau betreten wir einen Markt, auf dem andere bereits etabliert sind. Deshalb haben wir eine Auswahl von Potenzialflächen getroffen und den Architekten gesagt: Lasst euren Gedanken freien Lauf! Wir haben Ideen gesucht für das Bauen der Zukunft. In welcher Reihenfolge einzelne Grundstücke nun angegangen werden, das hängt unter anderem von Abstimmungen mit dem Stadtplanungsamt ab.

An der Wintergartenstraße soll es doch aber 2016 mit neuen Häusern losgehen?
Gabriele Haase: Die Wintergartenstraße ist das schwierigste von allen Baugrundstücken, die der LWB gehören und für den Neubau in Frage kommen. Das hängt mit dem benachbarten Hochhaus, Tiefgaragen, der räumlichen Enge und dem schwierigen Baugrund zusammen. Nachdem unser Aufsichtsrat am 17. September der Errichtung der beiden Wohnhäuser hinter dem neuen LWB-Unternehmenssitz zugestimmt hat, möchten wir noch dieses Jahr den Bauantrag einreichen. Läuft alles nach Plan, könnte in einem Jahr mit dem Bau begonnen werden.

Stichwort Firmensitz – haben Sie schon alle Kisten für den Umzug gepackt?
Ute Schäfer: Natürlich. Das läuft wie zu Hause auch. Entrümpeln, aufräumen, packen – immer mal wieder Luft holen –  und dann umziehen, so ist der Ablauf. Deshalb arbeiten bei uns schon seit Monaten Teams an der Vorbereitung. Der Umzug wird vom 15. bis 19. Oktober stattfinden. Ab 20. Oktober sind wir in der Wintergartenstraße 4 erreichbar.

Wie kam es eigentlich dazu, dass ausgerechnet Leipzigs größter Vermieter keinen eigenen Unternehmenssitz hatte?
Ute Schäfer: Das hat vor allem mit unserer Geschichte zu tun. Als das Unternehmen zentrale Funktionen in der Prager Straße 21 konzentriert hat, stellte sich die Frage nach einem Neubau nicht. Die LWB war hoch verschuldet und wäre nie in der Lage gewesen, selbst zu bauen. In diesem Jahr läuft der Mietvertrag aus. Langfristig betrachtet ist es sogar günstiger, das Unternehmen in einem eigenen Haus unterzubringen – ganz davon abgesehen, dass wir mit dem Neubau das städtische Vermögen mehren. Es ist schön, dass uns das gelungen ist. Und dass die Stadt das Vertrauen in uns hatte, so ein städtebaulich wichtiges Projekt im Umfang von nahezu 20 Millionen Euro zu meistern.

Zentrale Aufgabe ist die Versorgung einkommensschwacher Haushalte

Im Rahmen des wohnungspolitischen Konzeptes der Stadt soll die LWB weitere Aufgaben schultern. Vor allem für günstige Mieten und eine soziale Mischung in den Stadtteilen sorgen. Schaffen Sie das?
Gabriele Haase: Wir haben am wohnungspolitischen Konzept mitgewirkt. Die LWB wird alles tun, um ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.
Ute Schäfer: Zu unseren zentralen Aufgaben gehört die Versorgung einkommensschwacher Haushalte mit Wohnraum. In den Stadtteilen, in denen die LWB Häuser besitzt, leistet sie im Auftrag der Stadt ihren Beitrag zur sozialen Mischung.

Im Kreuzstraßenviertel haben Sie Hunderte Wohnungen energetisch saniert. Und zwar so, dass die Modernisierungsumlage durch sinkende Energiekosten fast ausgeglichen werden konnte. Ist dieses Erfolgsmodell auf die 9600 Plattenbauwohnungen übertragbar, bei denen noch dringender Handlungsbedarf besteht?
Gabriele Haase: Bei diesen teilsanierten Plattenbauten wird die Orientierung der Stadt im Wesentlichen erfüllt, dass die Wohnungen nach der Sanierung im gleichen Preissegment liegen wie vorher.

Welche Standorte kommen zuerst dran?
Gabriele Haase: Ob in Schönefeld, Paunsdorf oder Grünau – wir haben überall Standorte, bei denen wir überhaupt nicht wählen können. Bei den haustechnischen Anlagen sind wir oftmals schon aus rechtlichen Gründen gezwungen, Verbesserungen an Dächern, Steigleitungen oder Fassaden zu schaffen. Um die Entscheidungen über die Reihenfolge auf solider Basis zu treffen, erarbeiten wir gemeinsam mit der Firma DSK Städtebau ein Konzept, das im Spätherbst vorliegen soll. Dann wissen wir auch, was das kostet und welche Investitionen wir uns wann leisten können.
Ute Schäfer: Die LWB hat sich mit viel Mühe Handlungsspielräume erarbeitet, die wir für die Stadt nutzen wollen. Auch zum Bau weiterer Kindergärten. Doch alle diese Entscheidungen müssen sitzen. Wir können uns dabei keine Fehler leisten. So stabil ist das Unternehmen noch nicht.

Interview: Björn Meine und Jens Rometsch

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
LVZ-Reportage zu Crystal Meth in Sachsen

Die große Multimedia-Reportage berichtet über Crystal-Abhängige, Suchtberater und Drogenfahnder. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr