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Lokales Leipziger Zahnarzt arbeitet mit Unterstützung aus Syrien
Leipzig Lokales Leipziger Zahnarzt arbeitet mit Unterstützung aus Syrien
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00:18 25.03.2016
Zahnarzt Udo Wybories beschäftigt seinen syrischen Kollegen Mousa Hasan in seiner Praxis. Dort wird auch eine Schmerzsprechstunde für Flüchtlinge angeboten. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Mittlerweile praktiziert Mousa Hasan stundenweise am Connewitzer Kreuz. Wie in der Schmerzsprechstunde speziell für Flüchtlinge. Der Zahnarzt hatte einst zwei Praxen in Al Hasaka in Syrien, die aber dem Bombenhagel zum Opfer gefallen sind. Um Krieg und Terror zu entkommen, ist er nach Deutschland geflüchtet. Über den Flüchtlingsrat lernte der 31-Jährige den Leipziger Zahnarzt Udo J. Wybories kennen, der seine Praxis in der Selneckerstraße in Connewitz hat.

Für Zahnarzt Wybories ist das Helfen eine Selbstverständlichkeit. Dass er gebraucht wird, hat er über das Patenschaftsprogramm des Flüchtlingsrates erfahren. „Ich habe mich gemeldet und zunächst in der Einrichtung Riebeckstraße improvisierten Deutschunterricht gegeben“, erzählt er. Später kam dann der syrische Arzt in seine Praxis, um zu hospitieren und natürlich auch, um sein Deutsch zu verbessern. Um in Deutschland zu arbeiten, braucht er die Approbation und die Arbeitserlaubnis. „Ich habe 150 Bewerbungen geschrieben, aber keine positive Antwort bekommen“, erzählt Mousa Hasan. Bevor er sich selbstständig machen kann, muss er zwei bis vier Jahre in einer deutschen Praxis arbeiten. Daher hat Wybories ihn stundenweise angestellt. Ebenso wie einen jungen Afghanen, der Zahnarzthelfer werden möchte. „In meiner Praxis werden sieben Sprachen gesprochen. Deshalb können wir Menschen aus Erstaufnahmelagern auch ohne Dolmetscher behandeln.“

Udo J. Wybories und Mousa Hasan waren am Montagabend zu einem Empfang ins Neue Rathaus eingeladen. Politiker verschiedener Parteien hatten die Dankesveranstaltung „Respekt – Ein Empfang für Ehrenamtliche im Bereich Asyl“ organisiert. „Es ist bemerkenswert, dass sich von den Linken bis zur CDU Politiker parteiübergreifend engagieren, um einfach mal Danke zu sagen“, lobte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). „Bei all dem Hass, den Anfeindungen und der Hysterie gegen Flüchtlinge ist es immer wieder schön zu erleben, wie viele Leipziger sich menschlich verhalten.“ Von rund 8000 Leipzigern, die den Geflüchteten im Alltag Trost spenden, Orientierung geben, ein eigenständiges Leben ermöglichen oder einfach das Gefühl vermitteln, in Sicherheit zu sein, haben die Politiker über Vereine und Institutionen eine Vielzahl eingeladen. Mehr als 200 waren letztlich da. „Die Verwaltung macht bei der Unterbringung von Asylbewerbern sicherlich keinen schlechten Job. Aber ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer hätten wir es nicht geschafft“, so der Rathauschef.

Ein gutes Herz beweist auch Andreas Ifland aus Lindenau, der sich mit seiner Frau um eine afghanische Familie als Pate kümmert. Und beim privaten Deutschunterricht geht der Sänger aus dem Opernchor sogar unkonventionelle Wege. So war er jüngst im Baumarkt anzutreffen, um mit seinem Schützling die richtigen Namen für Werkzeuge zu üben. Denn der Familienvater will einen praktischen Beruf als Handwerker erlernen.

Von Mathias Orbeck

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