Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Zoo stoppt Pläne für Muntjak-Schlachtung
Leipzig Lokales Leipziger Zoo stoppt Pläne für Muntjak-Schlachtung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:30 09.01.2018
Verwirrung um die Muntjaks: Der Leipziger Zoo wollte seine vier Mini-Horsche töten. Nun werden die Pläne noch einmal neu geprüft.  Quelle: dpa
Leipzig

Die geplante Schlachtung der Chinesischen Muntjaks im Leipziger Zoo wird möglicherweise doch noch abgewendet. Die Europäische Kommission widersprach am Montagnachmittag der Darstellung des Zoos, wonach dieser wegen einer EU-Verordnung seine Mini-Hirsche töten müsse und diese weder verkaufen noch transportieren dürfe. Der Zoo zeigte sich von dieser Aussage überrascht und stoppte seine Pläne vorerst. „Das ist ein anderer Sachstand, als uns bisher aus dem Amt für Umwelt bekannt war. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen damit neu geprüft werden“, sagte Zoosprecherin Maria Saegebarth gegenüber LVZ.de.

Bleibt den vier kleinen Hirschen der Gang zur Schlachtbank also doch noch erspart? Am Vormittag hatte der Zoo in einer Mitteilung angekündigt, dass die Tiere perspektivisch „für die artgerechte Fütterung der Raubtiere“ getötet werden sollen. Der Zoo sei durch die EU-Verordnung 1143/2014 zu 37 invasiven, also unerwünschten Tier- und Pflanzenartenarten quasi zu diesem Schritt gezwungen, erklärte Zoochef Jörg Junhold. Die betroffenen Arten sind ursprünglich nicht in Europa beheimatet und gelten bei einer Ausbreitung als Bedrohung für die heimische Flora und Fauna. Neben den Muntjaks zählen auch der Nordamerikanische Ochsenfrosch, das Nutria und der Waschbär dazu.

Verkauf und Transport noch bis Ende August möglich

Reinhard Hönighaus, Sprecher der EU-Kommission in Deutschland, stellte am Nachmittag klar, dass bei allen Arten noch Übergangsfristen gelten, innerhalb derer die Tiere verkauft werden dürften. Im Fall der Muntjaks laufe die Frist bis zum 2. August 2017. Laut Hönighaus ist der Zoo lediglich dazu verpflichtet sicherzustellen, dass sich die Muntjaks nicht weiter vermehren oder entkommen können. Bis zum Ablauf der Übergangsfristen dürften sie durchaus transportiert werden, auch in andere EU-Staaten. Der Zoo ging jedoch davon aus, dass ein Transport nicht möglich ist. Die Schlachtung sei allerdings noch nicht terminiert gewesen, betonte Saegebarth. „Es ist nicht so, dass die Gruppe morgen aufgelöst worden wäre.“

Vier Chinesische Muntjaks, drei Weibechen und ein Männchen, leben derzeit noch im Zoo Leipzig. Quelle: Zoo Leipzig

Der Zoo hatte sich ohnehin dazu entschlossen, die Haltung der Muntjaks zu beenden. Man wolle sich auf bedrohte Tierarten konzentrieren und die kleinen Hirsche innerhalb Europas an andere Zoos weitergeben – was nun wieder möglich scheint und die Rettung für das Muntjak-Quartett sein könnte. Der Zoo wollte die Ausnahmeregelung der EU ursprünglich nicht in Anspruch nehmen, denn die Zucht wäre damit trotzdem verboten. „Fortpflanzung gehört zum natürlichen Verhalten der Tiere und ist auch für ihren Hormonhaushalt sehr wichtig“, begründete Saegebarth noch am Vormittag. Eine artgerechte Haltung sei damit nicht mehr möglich.

Zoo will Tiere nicht einsam sterben lassen

Derzeit befinden sich ein junges, noch nicht zuchtfähiges Männchen und drei Weibchen in der Leipziger Muntjak-Gruppe. Der Zoo will nicht warten, bis die Mini-Hirsche, die nicht größer als 50 Zentimeter werden und kaum mehr als 15 Kilogramm wiegen, nach und nach sterben und am Ende nur noch ein Muntjak allein bliebe. Auch das widerspreche dem Tierschutz. „Zoos sind die falschen Adressaten für die EU-Regelung“, sagte Saegebarth. Diese müssten auch weiterhin ihrem Bildungs-, Artenschutz- und Forschungsauftrag nachkommen können.

CDU- und SPD-Fraktion im sächsischen Landtag machten sich nach der Ankündigung des Zoos für eine erweiterte Ausnahmeregelung stark. Die EU-Verordnung schieße über das Ziel hinaus, so Frank Schiemann, europapolitischer Sprecher der Union. Zoochef Junhold kündigte außerdem an, sich mit deutschen und internationalen Zooverbänden weiter für spezielle Genehmigungen einsetzen.

Von Evelyn ter Vehn und Robert Nößler

Zoo Leipzig Special

Mehr Infos aus dem Zoo Leipzig finden Sie hier!

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fußballplatz, Streetballfeld und Kletterfelsen sollen künftig zum neuen Renftplatz im Stadtteil Möckern gehören. Die Kommune will das Areal für 647.000 Euro umgestalten lassen.

23.01.2017

Fast 2000 Menschen mehr als im Vorjahr haben die Messe „Partner Pferd“ am Wochenende in Leipzig besucht. Im 20. Jahr vermelden die Veranstalter damit einen Besucherrekord. Die Wettkämpfe von Pferd und Reitern waren allesamt ausverkauft.

22.01.2017

Workshops, Besichtigungen, Sportangebote und vergünstigte oder kostenlose Eintritte: Zum 32. Mal organisiert die Stadt Leipzig dieses Jahr den Winterferienpass. Über 170 Kooperationspartner sind an dem Programm beteiligt.

20.01.2017