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Lokales Leipziger Zukunftsforscher starten Langzeitstudie „Die Zukunft deiner Kinder“
Leipzig Lokales Leipziger Zukunftsforscher starten Langzeitstudie „Die Zukunft deiner Kinder“
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13:11 23.02.2018
 Benneth aus Leipzig, zweieinhalb Jahre alt, gehört zu den zehn Kindern der Studie.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

So eine große Zukunftsstudie hat es in Deutschland noch nie gegeben: Die Leipziger Denkfabrik 2bAhead hat eine auf 100 Jahre angelegte Langzeituntersuchung unter dem Titel „Die Zukunft deiner Kinder“ gestartet. Wie werden wir in Zukunft leben, und wie wollen wir leben? Ausgehend von dieser Frage beschreibt die Studie mögliche Szenarien bis ins Jahr 2115.

Positives Bild von der Zukunft geben

„Die Erwartungen an die Zukunft klaffen bei den Menschen teils sehr weit auseinander, und die Lücke wird immer größer. Wir wollen ein positives Bild von der Zukunft geben, auf das wir uns freuen können. Und wir wollen den gesellschaftlichen Diskurs beeinflussen“, sagt Sven Gábor Jánszky, Gründer von 2bAhead und Initiator der Langzeitstudie.

Benneth aus Leipzig, zweieinhalb Jahre alt, ist ein Teilnehmerkind der Studie. Quelle: Andre Kemper

Im Mittelpunkt stehen zehn real existierende Kinder, die 2015 in Deutschland geboren wurden. Nach jetzigem Stand sind das Benneth aus Leipzig, Liselotte aus Erfurt, Paul aus Hamburg, Valentin aus Frankfurt, Noah aus Kopenhagen, Titus aus Stuttgart, das Zwillingspaar Jan und Felix aus Berlin, David aus Erfurt sowie ein Zwillingsmädchen-Paar aus der Nähe von Stuttgart – bis zum Sommer sind noch Veränderungen möglich. „Ihre Eltern setzen sich mit Offenheit und Begeisterung für eine Auseinandersetzung mit der Zukunft ein und haben sich bereit erklärt, mit diesem Thema in die Öffentlichkeit zu treten“, berichtet Projektleiterin Florina Speth.

Wissenschaftliche Methoden statt Science Fiction

 Allerdings gehe es nicht darum, den privaten Entwicklungsweg der Kinder publik zu machen oder ihn gar zu beeinflussen. Vielmehr sollen anhand dieser konkreten Personen Lebensweg-Modelle entwickelt werden. Dabei bedienen sich die Forscher wissenschaftlicher Methoden, um nicht in den Science-Fiction-Bereich abzugleiten. Kinder und Eltern stehen mit den Forschern in aktivem Austausch, um die Modelle ständig mit der Realität abgleichen zu können.

500 Experten geben Prognosen

Für alle zehn Kinder werden Zukunftsszenarien für verschiedene Altersstufen entworfen – auf der Basis von Interviews mit Experten aus Bildung, Wirtschaft, Technologie und Politik. Die Anzahl der befragten Fachleute umfasst in den ersten fünf Jahren bereits 500 Personen – 100 pro Jahr. Nach fünf, zehn und 15 Jahren erhalten die Experten die Möglichkeit, ihre Prognosen zu erweitern und dem Lauf der Zeit anzupassen. „Wir fragen Experten, die heute die Macht haben zu bestimmen, wie wir in Zukunft leben“, so Sven Gábor Jánszky.

Sechs Kernthemen

Untersucht wird, wie sich zukünftige Veränderungen auf den Alltag des Menschen X im Alter Z im Jahr Y auswirken. Für die Befragungsjahre 2017 und 2018 wurden sechs Kernthemen formuliert: Körper, Lernen, Bewegung, Orte, Wege und Beziehungen.

Thema Körper: Die Zukunftsforscher interessiert, wie eine Geburt in den kommenden 100 Jahren aussehen wird, ob dann genetisch optimierte Kinder zur Welt kommen, welche Implantate die Menschen in ihren Körpern tragen und weshalb. Ebenso, ob der Mensch in 100 Jahren überhaupt noch krank wird, welche Krankheiten bis 2115 verschwunden sind und welche neu entstehen, wie die Gesellschaft mit alten Menschen umgeht, oder mit der Möglichkeit, verstorbene Körper zu reanimieren. Aber auch mit der Frage, wie wir sterben werden.

Thema Lernen: Die Studie geht den Fragen nach, ob künstliche Intelligenzen unsere Lehrer ersetzen, welche neuen Berufe entstehen und welche alten verschwinden und ob der Mensch in 100 Jahren überhaupt noch arbeiten muss.

Thema Bewegung: Es geht um Fragen wie: Welche neuen Fortbewegungsmittel wird es geben? Wozu müssen wir uns noch räumlich bewegen? Wird Mobilität kostenlos sein? Werden autonom fahrende Fortbewegungsmittel selbst Geld erwirtschaften? Welche Energiequellen spielen eine Rolle? Wird der Mensch zwischen verschiedenen Planeten pendeln?

Erste konkrete Ergebnisse sind in vier bis fünf Jahren zu erwarten. Hauptziel der Langzeitstudie ist es, Denkmodelle zur Verfügung zu stellen. Jährlich werden 20 neue Zukunftsgeschichten – zwei pro Kind – veröffentlicht.

Finanzierung durch Partnerunternehmen

Finanziert wird die Studie durch rund ein Dutzend Unternehmen, darunter die AOK, Eon oder Kienbaum. Die Zwischenergebnisse sollen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden: durch eine Webseite, jährliche Buchveröffentlichungen, Podcasts, ein TV-Doku-Format, Symposien, Workshops, Vorträge und Wanderausstellungen. Soeben ist das erste Buch mit 20 Zukunftsgeschichten erschienen, die im ersten Studienjahr entstanden sind.

www.zukunft.business/langzeitstudie

Von Kerstin Decker

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