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Lokales Leipziger arbeitete als erster deutscher Vodafone-Mitarbeiter an Freiwilligenprojekt im Ausland mit
Leipzig Lokales Leipziger arbeitete als erster deutscher Vodafone-Mitarbeiter an Freiwilligenprojekt im Ausland mit
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00:19 24.06.2017
Was ist „Internet“? Selbiges installierte Karsten Möckel (Mitte) im Flüchtlingscamp nicht nur mit Kollegen, er zeigte den dortigen Lehrern auch, wie es funktioniert. Quelle: privat
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Leipzig

Der knapp dreiwöchige Einsatz in Tansania, von dem der Leipziger Karsten Möckel vor einigen Wochen zurückkehrte, hatte es ganz schön in sich. Damit hatte er sich immerhin – ehrenamtlich – jede Menge Stress „aufgeladen“. Sogar schon im Vorfeld. Aber „sehr, sehr gern“, wie er betont. Dazu kam es wie folgt:

„Seit 20 Jahren arbeite ich bei Vodafone. Das Unternehmen hat – wie viele andere Firmenriesen auch – eine gemeinnützige Stiftung, die Vodafone-Foundation. Ich bin da seit 2016 Mitglied“, erzählt der 46-Jährige. „Diese Foundation wiederum rief die Instant Classroom-Initiative ,Digital School in a Box‘ ins Leben. Eigens für Schulen in Regionen, in denen Strom und Internet unzuverlässig oder gar nicht vorhanden sind.“ Wie Caren Altpeter, Sprecherin des Kommunikationsunternehmens in Deutschland, anmerkt,  werde der „Instant Classroom“  in Partnerschaft mit den Innovations- und Bildungseinheiten der Vereinten Nationen und des UNHCR an Schulen in Flüchtlingssiedlungen in Kenia, Tansania und der Demokratischen Republik Kongo angeboten. „Bis 2020 möchte die Stiftung da bis zu drei Millionen Kinder und Jugendliche erreichen“, sagt sie. Um das ehrgeizige Vorhaben mit umzusetzen, hätten sich weltweit 200 Mitarbeiter ihres Konzerns beworben. „20 wurden am Ende ausgewählt, darunter zwei aus Deutschland“, vollendet Möckel – mit der Art Schmunzeln, die deutlich macht: „Einer davon war ich!“

Ob’s seine besonnene, ruhige Art war, die ihn empfohlen hatte? Denn ein ganz besonderer Schlag von Mensch kam da wohl nur infrage, der zunächst auch ein Vorbereitungscamp für die eventuellen Auslandseinsätze zu bestehen hatte. „Ich war deshalb im März vorigen Jahres in Wales. Geschult wurden wir für zwei Kernaufgaben: Sprich, das Internet in besagte Klassenzimmer zu bringen, und zum anderen,  um als Helfer im Falle von Katastrophen –  einem Erdbeben etwa – eine vorübergehende Mobilfunkversorgung aufzubauen.“

Im Camp wurden Möckel und Mitstreiter demzufolge also nicht nur technisch fit gemacht. Sie lernten zugleich, wie man sich in unwirtlichem Gebiet selbst versorgt, um zu überleben, und wurden auf die Begegnung mit anderen Kulturen vorbereitet. Einen ordentlichen „Adrenalinstoß“ habe es ihm dann jedoch versetzt, als er und seine Camp-Kameraden gar entführt wurden, bekennt Möckel. „Da wusstest du nicht, gehört das zum Programm? Oder ist das jetzt echt?“, sagt er. „Da war alles dabei – Hände auf den Rücken gefesselt, in unbequeme Positionen gezwungen... Schüsse fielen auch…“. Nun – es seien Platzpatronen gewesen, und die ganze Sache freilich ebenso eine Übung. „Auch auf so eine Situation soll unsereiner halt vorbereitet sein.“ Das Training in Wales erfolgte nach strengen, internationalen Kriterien. Es schloss mit einem Zertifikat ab, auf das wiederum Unternehmens-Sicherheitsabteilungen  bestehen, möchten sie ihre Mitarbeiter mit einer Mission in heiklen Gebieten betrauen. Der Leipziger jedenfalls hat den Schein gemacht und eine gute Figur: „Anfang Dezember vorigen Jahres bekam ich einen Anruf – ein ,Instant Classroom‘-Einsatz in Tansania stünde 2017 bevor, ich solle mich bewerben.“ Was er tat. Und wofür er prompt den Zuschlag erhielt. Die Familie, sagt er – die Ehefrau und die beiden Kinder, 14 und 16 Jahre alt – hätten es locker genommen. Schließlich sei Papa schon öfter mal in entlegenen Zipfeln der Welt unterwegs gewesen. Mal mit ihnen, wie  ein Jahr lang in Neuseeland. Mal ohne sie, wie in Indien und im Iran.

Nun allerdings war Möckel – der erste deutsche Mitarbeiter von Vodafone überhaupt, der sich zu einem solchen freiwilligen Einsatz ins Ausland aufmachte – vom Arbeitgeber vom Job für diese Zeit freigestellt. Ziel war das Flüchtlingscamp Nyarugusu in Tansania. „Das mutet schon wie eine große, autarke Stadt an“, schildert Möckel. „Dort leben an die 130 000 Menschen, wenn auch in bescheidenen Unterkünften. Viele kamen aus Burundi und Kongo. Strom und Internet gibt es nicht. Aber es gibt etwas Grün und immerhin 26 Schulen, an denen im Zweischichtsystem unterrichtet wird. Die Stiftung hatte die Schuldächer bereits mit Solarmodulen versehen und satellitengestütztes WLAN aufbauen lassen. An sechs der Schulen hat unser Freiwilligen-Team – bestehend aus einem Engländer, einem Portugiesen, einem Spanier und mir – zusammen mit drei fest angestellten Foundation-Mitarbeitern dann jeweils einen ,Instant Classroom‘ etabliert“, berichtet er. Das komplette Equipment dafür sei jeweils in einem 52-Kilo-Koffer verstaut: ein Laptop, 25 Tablets mit Lernsoftware, Beamer, Lautsprecher und einem Modem mit einem 3 G-fähigen Hotspot. Alle Komponenten können gleichzeitig mittels einer einzigen Stromquelle aufgeladen werden. „Nach sechs bis acht Stunden lässt sich der ,Instant Classroom‘ dann für einen ganzen Tag nutzen, ohne dass ein Stromzugang notwendig ist. Innerhalb von zwei Wochen haben wir die ganze Hard- und Software dafür eingerichtet, die Lehrkörper instruiert und dergleichen mehr. Das ging dann freilich über einen normalen Arbeitstag hinaus, kostete auch die Wochenenden. Aber es hat unheimlich Spaß gemacht!“, versichert Möckel und erzählt, wie  er die Lehrer vor Ort mit der neuen Technik, mit den Tablets vertraut gemacht hatte. Beginnend mit der Frage: Was ist Internet? Was zunächst mit völlig ratlosen Gesichtern beantwortet wurde, die sich letztlich aber mit einem Strahlen überzogen, als man plötzlich via Google Maps das eigene Flüchtlingslager, ja selbst dessen Straßen und Quartiere heranzoomen konnte. „Die Dankbarkeit war einfach berührend“, so Möckel.

Ob ihn irgendwann mal wieder solch‘ ein Einsatz-Ruf ereilen könnte? „Ich hoffe!“, sagt er.

Von Angelika Raulien

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