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Leipziger auf Hilfsmission am Brennpunkt der Flüchtlingskrise

Spendenaktion für Flüchtlinge auf Lesbos Leipziger auf Hilfsmission am Brennpunkt der Flüchtlingskrise

Die Leipziger haben ein großes Herz: Fast eine Tonne Hilfsgüter spendeten sie für einen Flüchtlingsaktion, die Maria-Anna Virgitsi (40) und Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (37, CDU) organisierten. Die beiden Leipziger sammelten für die „Schwächsten der Schwachen“.

Maria Anna Vergitsi (rechts) beruhigt einen kleinen Jungen nach der Mittelmeerüberquerung und versorgt ihn mit trockener Kleidung.
 

Quelle: privat

Leipzig.  Die Leipziger haben ein großes Herz: Fast eine Tonne Hilfsgüter spendeten sie für eine Flüchtlingsaktion, die Maria-Anna Virgitsi (40) und Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (37, CDU) organisierten. Die beiden Leipziger sammelten für die „Schwächsten der Schwachen“. Für Frauen und Kinder an einem Ort, den derzeit Tag für Tag bis zu 5000 Menschen nach einer waghalsigen Fahrt übers Mittelmeer erreichen: die griechische Ägäis-Insel Lesbos, der neue Brennpunkt der europäischen Flüchtlingskrise.

„Das war ein großartiges Zeichen der Leipziger Gesellschaft“, freut sich Sebastian Gemkow. Das macht mich richtig stolz.“ In sein Wahlkreisbüro in der Spinnerei brachten in der vergangene Woche viele Leipziger ihre Spenden. Nach drei Tagen stapelten sich dort Kindersachen, Windeln, Kleider, Blusen, Jacken, Hygiene- und medizinische Artikel (die LVZ berichtete). „Es war rührend“, sagt Gemkow. „Da kamen ältere Leute vom anderen Ende der Stadt in Anger-Crottendorf auf dem Fahrrad mit vollen Einkaufstüten.“ Unterstützung gab es auch außerhalb Leipzigs, etwa von Ärztin Gabriele Anikejew und ihren Kollegen im Sana Klinikum Borna. Dem Engagement des Luftfrachtcarriers DHL war es zu verdanken, dass die Kisten schnell nach Griechenland gelangten. Trotz eines Fährstreiks kamen die Leipziger Hilfsgüter dann auch rechtzeitig auf der Insel Lesbos an, die nur neun Kilometer von der türkischen Küste entfernt liegt. Von dort brechen in diesen Monaten Hunderttausende Menschen auf ihre Reise ins Unbekannte auf.

Maria-Anna Virgitsi und Gemkows Wahlkreisbüro-Leiter Sebastian Schaar (38) flogen nach Lesbos, übergaben die Spenden in dieser Woche persönlich. Einen Teil, darunter Windeln, Traubenzucker, Vitamine und Babynahrung, brachten sie ins Flüchtlingslager Moria. Den Rest, darunter trockene Kleidung und Rettungsdecken, schafften sie mit dem Auto direkt an die Strände, an denen die Menschen ankommen. „Es kostete Maria-Anna viel Überredungskunst, uns einen Mietwagen zu besorgen“, erzählt Schaar am Telefon. Denn an Helfer vermieten die Agenturen nur ungern, weil sie die Wagen durch die Geländefahrten arg strapazieren.

Die beiden Leipziger fahren an die Nordküste, wo die Türkei am nächsten ist und auch andere Helfer aus aller Welt bereits Boote an Land lotsen. Die Szenen wiederholen sich 20-mal am Tag und mehr. „In der Regel sind es Schlauchboote mit Außenbordmotoren, in denen 40 bis 50 Personen sitzen. Sie sind überfüllt, in der Mitte die Frauen und Kinder, außen herum die Männer“, schildert Schaar die Situation. 90 Prozent sind junge Männer, fünf bis zehn Kinder befinden sich in jedem Boot, viele im Säuglingsalter.

„Wenn sich ein Boot dem Strand nähert, bricht meistens Panik aus“, so der Leipziger weiter. „Die Männer versuchen aus dem Boot zu springen, die Frauen und Kinder werden gedrängt, finden keinen Halt und drohen unter die Füße der Männer zu kommen.“ Deshalb gehen die Freiwilligen ins Wasser, weisen die Boote ein. Sie müssen sich dabei vorsehen, damit sie sich nicht an den Außenbordern verletzen. Denn die Boote nähern sich vergleichsweise schnell dem Land und drehen sich in den Wellen unkontrolliert. Als erstes lassen sich die Helfer die Kinder aus dem Boot reichen. „Für die Kinder ist das krass“, sagt Schaar. Sie kommen pitschnass an Land, der Wind lässt sie auch bei den aktuell frühlingshaften Temperaturen um die 20, 25 Grad Celsius rasch auskühlen. „Viele wirken teilnahmslos und weinen“, sagt Schaar. „Ein kleiner Junge, den ich aus einem Boot gehoben habe, hielt sich noch mehrere Minuten krampfhaft an mir fest, wollte selbst dann nicht loslassen, als seine Eltern ihn wiedergefunden hatten.“

Die Blicke der Kinder verraten Anna-Maria Virgitsi , dass sie sich in Sicherheit fühlen. Am Strand wickelt sie die Kleinen in Rettungsdecken, gibt ihnen trockene Kleidung. Es bewährt sich hier, dass sie durchsichtige Plastiktüten mit Babysachen bereits im Büro in Deutschland vorgepackt haben.

Mit den Booten kommen in diesen Tagen viele allein reisende Afghanen. Die Familien stammen eher aus Syrien, erfahren die Leipziger Helfer. Sie sind vor den Bomben davongelaufen, haben alles verloren. „Sie denken erst mal nur an die Überfahrt. Über das, was danach auf sie zu kommt, machen sie sich noch gar keine Gedanken“, sagt Schaar. Vor dem Meer haben sie die meiste Angst. „Neben all den sachlich richtigen Diskussionen in Deutschland“, sagt er, „ist es wichtig, dass wir das Schicksal dieser vielen Kinder nicht aus den Augen verlieren.“

Für Maria-Anna Vergitsi ist es übrigens die zweite Hilfsaktion. „Angefangen habe ich mit 100 Kilogramm, jetzt waren es fast 1000. Ich hoffe“, sagt sie, „dass die Aktion weiter gehen kann. Die Not hier ist riesengroß.“

Von Klaus Staeubert

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