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Leipziger begrüßen Bau einer neuen Schnellstraße

Bürgerinitiative verteilt Faltblätter Leipziger begrüßen Bau einer neuen Schnellstraße

Immer mehr Einwohner und immer mehr Autos stellen Leipziger Verkehrsplaner vor immer größere Herausforderungen. Denn gut organisierte Minderheiten aus Radfahrern und Umweltschützern verhindern den Bau neuer Straßen. Jetzt dreht sich der Wind.

Beim Mittleren Ring Südost ist der Bau der „Bahnvariante“ (obere gestrichelte Trasse) im Gespräch. Mölkau und Stötteritz könnten durch diese Trasse von Verkehr entlastet werden.

Quelle: Patrick Moye

Leipzig. Überraschende Entwicklung im Streit um ein neues Leipziger Verkehrskonzept: Ausgerechnet aus dem Osten und Südosten der Stadt – wo sich jahrelang mehrere Bürgerinitiativen vehement gegen den Bau des sogenannten Mittleren Rings Südost gewehrt haben, gibt es jetzt Zustimmung zu den Forderungen der Leipziger Wirtschaft, die den Verkehr auf einer neuen Schnellstraße bündeln will (die LVZ berichtete). „Wir sind für eine Versachlichung der Diskussion“, sagt dort Ulrich Rohland von der Bürgerinitiative Mittlerer Ring Ost/Südost, die vor allem die Interessen der Mölkauer und von Teilen der Stötteritzer vertritt. Wenn der Autoverkehr im Südosten auf der von der Stadt favorisierten Bahnvariante gebündelt werde – die von der Theodor-Heuss-Straße bis zur Richard-Lehmann-Straße führen soll - würde in Mölkau und Stötteritz der Verkehr deutlich nachlassen. „Dann könnten auf unseren Straßen Radfahrstreifen markiert werden und viele Fahrten würden mit dem Fahrrad erledigt“, so Rohland. „Wegen des vielen Verkehrs traut sich jetzt bei uns kaum jemand mit dem Rad auf die übervollen Straßen.“ Auch ein neuer Radweg von der Theodor-Neubauer- bis zur Zweinaundorfer Straße könnte die Radverbindung von Stünz bis zum Külzpark vervollständigen. „Und viele Bewohner von Stötteritz und Mölkau wären nicht mehr den extremen Lärm- und Abgaswerten ausgesetzt.“

Auch der Bürgerverein Stötteritz signalisiert Zustimmung für den vorgesehenen Bau einer neuen Schnellstraße entlang der Bahntrasse im Südosten. „Der Bau dieses Teilabschnittes des Mittleren Ringes ermöglicht ein konsequentes Zurückdrängen des motorisierten Individualverkehrs in den Wohngebieten und zum Beispiel die Schaffung von Shared-Space-Zonen (gemeinsam genutzter Verkehrsraum) in den Ortskernen von Mölkau und Stötteritz oder das Anlegen reiner Radstraßen zum Beispiel durch das Stötteritzer Wäldchen“, sagt die Vize-Vorsitzende des Bürgervereins Stötteritz Sabine Groh. „Eine deutliche Verkehrsberuhigung und eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität im Külzpark sowie am Vorplatz des Völkerschlachtdenkmals sind dann ebenfalls möglich.“

Gleichzeitig werden Forderungen an Leipzigs Verkehrsplaner laut. Neben diesem vorgesehenen Lückenschluss des Mittleren Rings Südost sollten keine zusätzlichen Straßen entstehen, da diese auch neuen Verkehr generieren, heißt es. Auf der aktuell nur noch zweispurig vorgesehenen Neubautrasse sollte das Regeltempo 50 Stundenkilometer betragen und die beiden Fahrspuren direkt neben den Gleisen der DB AG trassiert werden. Auch Lärmschutz müsste entstehen – vor allem dort, wo DB-Züge Lärm machen. „Wenn dies gelingt, sind die Befürchtungen des Umweltbundes Ökolöwe unbegründet, der die Zerschneidung vieler Parks im Osten und Südosten Leipzigs prophezeit“, so Groh.

Viele Mölkauer nennen die Einwände, die der Umweltbund gegen den Straßenbau im Südosten vorbringt, „überzogen“. Wie berichtet nennt der Ökolöwe die Überlegungen für den Bau neuer Straßen „einen Angriff auf Leipzigs grüne Lunge“ und lehnt sie komplett ab. Im Südosten wird deshalb von einer „Falschdarstellung“ gesprochen. „In München sind die Grünen viel weiter als bei uns in Leipzig“, sagt auch Rohland. „Dort helfen sie mit, den Verkehr auf leistungsfähige Ringsysteme zu lenken, um die Wohngebiete zu entlasten.“

Die Mölkauer Bürgerinitiative hat deshalb 10 000 Exemplare eines Faltblattes drucken lassen und will sie öffentlich verteilen. „Wir zeigen darin, dass es für den Bau der neuen Schnellstraße im Südosten nur geringe Eingriffe geben muss und von einer Zerstörung der Leipziger Parks keine Rede sein kann“, sagt Rohland. Für ihn und seine Mitstreiter steht fest: Weil die neue Trasse in weiten Abschnitten über brachliegendes Gelände und ungenutzte Bahnanlagen verläuft, wird es nur relativ geringe Eingriffe in die Natur geben. „Der neue Straßenverlauf lässt den Verkehr auch gleichmäßig fließen“, argumentiert Rohland. „Damit werden die Lärmerzeugung sowie die Abgas- und Feinstaubemissionen spürbar gesenkt. An den wenigen kritischen Stellen sind aktive Schutzmaßnahmen möglich.“

In dem Faltblatt wird ausgeführt, dass bei einer zweistreifigen Verkehrsführung in der Geithainer Straße praktisch keine Kleingärten mehr überbaut werden müssen. Am Stünzer Park könne die neue Trasse bei minimalen Eingriffen auf einem mittelhohen Damm geführt und mit einer niedrigen Schallschutzwand für Ruhe im Park gesorgt werden, heißt es. Und der Wilhelm-Külz-Park könne von Verkehrslärm entlastet werden, wenn dort die neuen Fahrbahnen in einer Senke entstehen. Als Ausgleich für diesen Straßenneubau könne die heutige vierspurige Straße An der Tabaksmühle als Anliegerstraße zurückgestuft werden. Dies würde das Parkareal beruhigen und das Völkerschlachtdenkmal deutlich aufwerten, heißt es.

Der Ökolöwe zweifelt die erwarteten Verlagerungseffekte an und plädiert für verkehrsberuhigende Maßnahmen in Stötteritz und Mölkau. Es gebe bereits einen Katalog solcher Vorschläge, hieß es am Dienstag im Umweltbund. Gleichzeitig wurde die Einschätzung erneuert, dass den beiden Parks durch den Straßenbau „erhebliche Eingriffe“ drohen. Grünzüge würden in einer wachsenden Stadt immer wichtiger für die Lebensqualität und müssten deshalb erhalten werden, hieß es. Der Stünzer und der Külz-Park seien ebenso wie die anderen von Straßenbau bedrohten Leipziger Parks naturschutzrechtlich so gesichert, dass dort der Bau neuer Straßen praktisch unmöglich sei, wurde betont.

Von Andreas Tappert

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