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Lokales Leipziger beim Wassersparen Spitze – KWL: Keine Notwendigkeit zur Sparsamkeit
Leipzig Lokales Leipziger beim Wassersparen Spitze – KWL: Keine Notwendigkeit zur Sparsamkeit
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22:00 20.03.2015
Mit einem Strahlregler reduziert sich der Wasserverbrauch. Quelle: Oliver Berg
Leipzig

Die auf Wasserwirtschaft spezialisierte Hochschule hat den Verbrauch des kostbaren Nass in allen Bundesländern und in den Großstädten Deutschlands untersucht. Leipzig liegt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 87,7 Litern pro Einwohner und Tag vorn, gefolgt von Jena (88 Liter) und Cottbus (89,8 Liter). Am Ende der Liste findet sich Düsseldorf wieder. In der zweitgrößten Stadt Nordrhein-Westfalens lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 175,8 Litern.

Auch im Vergleich der Bundesländer zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle: Sachsen ist Spar-Spitzenreiter (84,2 Liter im Durchschnitt), es folgen Thüringen, Sachsen-Anhalt und Co. Am anderen Ende der Liste wird deutlich mehr verwendet: Nordrhein-Westfalen (134,5 Liter) und Hamburg (134,4 Liter) sind hier am freigiebigsten. Nach Angaben der Kommunalen Wasserwerke in Leipzig (KWL) kommen diese Unterschiede zwischen Alten und Neuen Bundesländern nicht von ungefähr: Die wassersparende Entwicklung sei in Ostdeutschland generell durch den wendebedingt angestiegenen Technisierungsgrad höher, erklärte Sprecherin Katja Gläß gegenüber LVZ-Online. Praktisch ausgedrückt: Die Leipziger Nass-Technik ist einfach moderner als die Düsseldorfer, auf der Könneritzstraße wird deshalb beim Toilettenspülen weniger verbraucht als auf der Königsallee.  

Größte Übeltäter beim Wasserverbrauch sind laut schwedischer Untersuchung ohnehin die heimischen Badezimmer. Durchschnittlich 33 Liter verschlingt hier das tägliche Entfernen der Notdurft und 43 Liter gehen für Körperpflege durch die Rohre. Gerade beim Duschen gebe es enormes Sparpotential, sagt der Freiburger Professor Stefan Gössling, der die Lund-Studie verantwortet. „Wer dabei nur fünf Prozent weniger Wasser pro Tag verbraucht, kann so 780 Liter pro Jahr sparen. In Familien kommen so schnell tausende Liter zusammen“, sagt Gössling.  

KWL: Kein Wassermangel in Deutschland

Die schwedische Uni in Lund hat im Auftrag eines Kosmetikherstellers einen Wasserverbrauch-Atlas für die Bundesrepublik erstellt. Quelle: Universität Lund

Die Leipziger sind auch hier Vorreiter, zumindest laut der Ergebnisse einer KWL-Umfrage aus dem Jahr 2013. „80 Prozent versuchen bewusst, Wasser sparsamer einzusetzen – vorrangig beim Wassergebrauch für Körperpflege und beim Abwaschen“, sagt Katja Gläß. Und das nicht nur, um weniger Geld ausgeben zu müssen: „Die Nutzer sparen in Leipzig Wasser, um vermeintlich nachhaltig und ökologisch zu Handeln“, berichtet die KWL-Sprecherin.

Erforderlich sei der Verzicht aus diesen Gründen aber nicht. „Es gibt in Leipzig wie in ganz Deutschland keine dringliche Notwendigkeit Wasser zu sparen – weder aus ökologischer noch aus ökonomischer Sicht“, so Gläß weiter. Denn anders als in vielen anderen Regionen der Erde herrsche hierzulande kein Wassermangel. Die Trinkwasservorräte in Deutschland betragen 188 Milliarden Kubikmeter, lediglich drei Prozent würden bundesweit genutzt, heißt es aus der Zentrale der Leipziger Wasserversorger.  

Zudem weist Gläß auch daraufhin, dass Wassersparen auch kostenintensive Konsequenzenhaben kann: Abwasserkanäle müssten zusätzlich gespült werden, um Ablagerungen zu vermeiden „Und das mit dem Trinkwasser, das zuvor eingespart wurde“, sagt Gläß. Um künftig weniger spülen zu müssen, werden deshalb bei Sanierungen inzwischen zum Teil auch verkleinerte Leitungs- und Kanaldurchmesser eingesetzt. Zudem steige bei geringerer Wassernutzung der Preis für den Einzelliter. Nach Angaben der KWL-Sprecherin seien etwa 89 bis 90 Prozent der Aufwendungen mengenunabhängige Fixkosten – für den Betrieb von Rohren und Wasserwerken. Werde wenige verbraucht, müssten diese auch auf weniger Wasser umgelegt werden.  

Überblick über die deutschen Großstädte mit dem geringsten Wasserverbrauch. Quelle: Universität Lund

Wichtiger als das reine Wassersparen ist aus Sicht der Leipziger Wasserwerke dagegen der Schutz der Trinkwasserressourcen, Quellen und Schutzzonen. Durch ökologischen Anbau rings um die Brunnen der KWL im Leipziger Land habe sich beispielsweise der Nitrat-Gehalt im hiesigen Wasser in den vergangen 15 Jahren deutlich verringert. Die KWL könnten deshalb inzwischen auf die früher notwendige Aufbereitung des Rohwassers verzichten. Damit dies so bliebe, sollten die Leipziger verstärkt auf verantwortungsbewussteren Umgang mit ihrem Müll achten, keine Essensreste, Hygieneartikel oder Farb- und Lackabfälle in die Toilette kippen. Zudem sei es sinnvoll, Wasch- und Spülmittel nicht überzudosieren, denn dies erschwere die Reinigung des Leipziger Abwassers.

Matthias Puppe

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