Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger bringen in Vietnam Projekte in Sack und Tüten
Leipzig Lokales Leipziger bringen in Vietnam Projekte in Sack und Tüten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:00 11.12.2016
Gespräche der Leipziger Wirtschaftsdelegation bei Saigon-Tourist. Weil Vietnamesen zunehmend gern verreisen, sehen beide Städte jetzt gute Kooperationsmöglichkeiten in Sachen Stadtmarketing und Tourismus. Quelle: Foto: privat
Leipzig

Das hat sich gelohnt: Eine fast zwanzigköpfige Leipziger Delegation mit Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und Wirtschaftsbürgermeister Uwe Al­brecht (CDU) weilte Ende November eine Woche in die südvietnamesischen Millionen-Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt – und brachte dort etliches „in Sack und Tüten“. Seit 2015 die Tinte unter einem Kooperationsvertrag mit dem ehemaligen Saigon getrocknet ist, entfaltet sich die Zusammenarbeit beider Städte: vor allem in der Gesundheitswirtschaft, aber auch in den Bereichen Wasser und Abwasser, Ausbildung, Kongresswesen, Tourismus sowie Wissenschaft und Schule.

Gesundheitswirtschaft

„Leipzig hat bereits an drei Reha-Krankenhäusern in Ho-Chi-Minh-Stadt eine Aktie. Mit Know-how, mit medizintechnischer Ausstattung und Ausbildungsprojekten“, sagt Jürgen Ulrich, der mit Professor Vu Cong Lap zu den Vätern aller Beziehungen zwischen Leipzig und Ho-Chi-Minh-Stadt auf dieser Schiene zählt. Beide kurbelten etwa die Unterstützung im großen Stile fürs Tan Hung Hospital an, das im Mai eröffnete. Das „175. Militärhospital“ indes - es mutiert gerade zum größten Krankenhaus Südvietnams – plant jetzt eine neue Klinik mit 500 Orthopädie-Betten und Rehamöglichkeiten in einem Extra-Haus. „Das wird das ,Haus Leipzig‘“, sagt Ulrich. Weil Leipzig da mit im Boot sei. Nguyen Hong Son – als General und Medizinprofessor an der Spitze des „175.“ brenne unter anderem die Frage nach der Ausbildung von Pflegekräften unter den Nägeln. Ulrich hat in Leipzig diesbezüglich etwas einfädeln können: Das Klinikum St. Georg, das Berufszentrum für Gesundheitsberufe und die VMKB Aus- und Weiterbildungsschulen versuchen zu helfen. „In Vietnam sollen 60 Bewerber für die Pflegekraftausbildung bei uns ausgewählt werden. Damit die letztlich auch wirklich anreisen können, hilft uns nun das deutsche Generalkonsulat in Vietnam“, so Ulrich. Für das künftige „Xuyen A Krankenhaus“ eines privaten Investors, der am Rande der vietnamesischen Metropole auf 3000 Quadratmetern gerade den Rohbau für eine ambulante Reha-Klinik hochgezogen hat, wolle die Stadt Leipzig hingegen für die technische, apparative sowie personelle Ausstattung sorgen. Mitte 2017 soll diese Klinik fertig sein.

„Ein großes Problem ist nur, für all diese modernen Therapie- und Diagnostikgeräte, die Leipzig vielfach beisteuert, fehlt es in den Kliniken an medizinischem Personal, das damit umgehen kann“, erklärt Ulrich. Lap hat deshalb in dem von ihm geführten Institut für Biophysik und Sportmedizin in Ho-Chi-Minh-Stadt eine neue Abteilung aufgebaut, wo vietnamesisches Personal für die Rehakliniken fortan geschult wird. Beim jetzigen Aufenthalt der Leipziger wurde die Einrichtung eingeweiht. Mit der Enthüllung einer Tafel, deren Aufschrift „Medica-Saigon“ Ulrich rührte: An der Pleiße wurde der Name der einst von ihm gegründeten Medica-Klinik nach einem Eigentümerwechsel 2016 gerade erst getilgt. Als „Enthüller“ des großen glänzenden Schildes schaffte es OBM Jung sogar in die Abendnachrichten des vietnamesischen Fernsehens, das dem Besuch der Leipziger einen längeren Beitrag widmete.

Messe

Professor Lap hatte bereits in Leipzig Messechef Martin Buhl-Wagner kontaktiert. „Die Vietnamesen wollen sich mit ihrem Kongresswesen beispielhaft an der Leipziger Messe orientieren“, weiß Ulrich zu berichten. Insbesondere OBM Jung habe sich nun in Ho-Chi-Minh-Stadt mit seinem dortigen Amtskollegen und weiteren Stadtspitzen dazu ausgetauscht und, um einen Anfang zu machen, eine Einladung für März nach Leipzig zur Reha-Messe ausgesprochen.

Deutsches Haus

Einmal vor Ort, hat sich die Leipziger Abordnung das Deutsche Haus in Ho-Chi-Minh-Stadt angesehen. Nicht ohne ein spezielles Interesse, wie Wirtschaftsbürgermeister Albrecht zugibt. Das Haus leistet sich gerade die Bundesregierung. Ein Leuchtturmprojekt, sozusagen. Wenn es 2017 eröffnet wird, werde es das größte deutsche Gebäude in Südostasien sein und als „Schaufenster“ sowie Kooperationsplattform für die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder dienen, hieß es. Deutsche Firmen sollen da einen Sitz erhalten. Das Generalkonsulat ziehe ein, vielleicht auch das Goetheinstitut und Apple… Da möchte die Stadt Leipzig auch gern ein paar Räumlichkeiten belegen. „Unsere Präsenz soll dann ein Angebot an unsere Wirtschaft sein, sich zu Meetings, mit Partnern oder für Projekte zu treffen“, sagt Albrecht und fügt hinzu: „Die wirtschaftliche Entwicklung Vietnams ist extrem dynamisch und wird künftig weiter positiv verlaufen. Von daher bieten sich in dem Land sehr gute Möglichkeiten für Leipziger Unternehmen und Forschungseinrichtungen.“

Tourismus

Auch mit dem obersten Chef von Saigon-Tourist wurde sich getroffen. Mit 2000 Mitarbeitern in ganz Vietnam ist das ein ziemlich großes Staatsunternehmen. „Im Bereich Stadtmarketing und Tourismus würden wir mit ihm gern kooperieren“, so Albrecht. Lohnend wäre das für beide Seiten. Nicht nur die Sachsen, auch die Vietnamesen reisten inzwischen immer öfter.

Wasser und Abwasser

Das rasante Wachstum von Ho-Chi-Minh-Stadt sei eine enorme Herausforderung für die technische Infrastruktur, erzählt Albrecht. Besonders in puncto Trinkwasseraufbereitung, Abwasserbehandlung, Abfallmanagement und Umwelttechnik bestehe großer Handlungsbedarf. Christophe Hug, Geschäftsführer der Tilia GmbH, und Dieter Künstling, Geschäftsführer der IAK Agrar Consulting GmbH, nutzten die Chance, sich mit vietnamesischen Firmen und Investoren über entsprechende Investitionsprojekte auszutauschen. Hug sah sich im größten privatwirtschaftlichen Wasser- und Abwasserbetrieb Vietnams, der Aqua One, um. Sie baut zwei Riesenklärwerke im Mekong-Delta und nahe Hanoi. Vertreter von Aqua One werden bereits am Donnerstag an die Pleiße kommen, um sich ihrerseits hier umzuschauen.

Landwirtschaft

Einen Spontanbesuch der Delegation gab’s im Landwirtschaftsministerium. „Es ging um dringend notwendige Investitionen in der vietnamesischen Landwirtschaft. Da läuft viel noch manuell, die Jugend wandert aus ländlichen Gebieten zunehmend ab. Es bedarf also neuer Konzepte und Beratung“, so Albrecht.

Vereinswesen

Einen großen Anteil an der erfolgreichen Zusammenarbeit beider Städte hat die vietnamesische Gemeinde in Leipzig. So steuerte sie zum Besuchsprogramm in Ho-Chi-Minh-Stadt etliche Wirtschaftstermine bei. OBM Jung nannte sie „entscheidende Brückenbauer“.

Von Angelika Raulien

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gut zu Fuß – das dürfte wohl das halbe Leben sein: Leipzigs Diakonissenkrankenhaus und das Facharztzentrum Orthopraxis Leipzig haben ein „Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkschirurgie der Maximalversorgung“ gegründet.

11.12.2016

Der Zirkus- und musikalische Aeros-Chef Bernhard Schmidt erlitt beim Umzug vom letzten Gastspielort Grimma nach Leipzig einen Hand-Unfall.

12.12.2016

Nasskalt startet die neue Woche, aber erst zum vierten Advent hin könnte es wieder frostig werden. Nach einer weißen Weihnacht sieht es derzeit dennoch nicht aus. Grund dafür sind die vorherrschenden Windrichtungen.

11.12.2016