Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger erzeugen sachsenweit den meisten Müll – Oft wird er illegal abgeladen
Leipzig Lokales Leipziger erzeugen sachsenweit den meisten Müll – Oft wird er illegal abgeladen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:11 24.04.2014
Als die Wertstoffhöfe der Stadt Leipzig im März bestreikt wurden, kippten die Leute ihren Muell trotz Strafandrohung von bis zu 1.500 Euro einfach vor die Sammelstellen. Quelle: Wolfgang Zeyen

Sie kehren nur gut halb so viel Schmutz von den Straßen wie die Dresdner. Und entsorgen Abfälle häufiger als andere Sachsen illegal.

Die Zahlen der jüngsten "Siedlungsabfallbilanz" des Freistaats sprechen für sich. Demnach stecken die Leipziger pro Kopf und Jahr 149 Kilogramm Restabfälle in die graue Tonne. In Dresden sind es 139 Kilo, in Chemnitz 129. Auch keine andere Region Sachsens kommt an den hohen hiesigen Wert heran. Sicher liegt das auch daran, weil die Messestädter kein großer Freund der Biotonne sind. Nur 34 Kilo organisches Material werden auf diese Weise pro Kopf und Jahr entsorgt. In Dresden sind es 47 Kilo, in Chemnitz 74 und in Görlitz 96: Grünschnitt jeweils nicht mitgerechnet.

Dennoch weist Ute Brückner, Sprecherin der Leipziger Stadtreinigung, entschieden den Verdacht zurück, an der Pleiße werde beim Trennen von Wertstoffen (wie Glas, Papier, Plaste) zu wenig Fleiß gezeigt. Tatsächlich trifft Leipzig hier mit insgesamt 114 Kilo pro Kopf und Jahr, die also nicht im Restmüll landen, genau den sächsischen Mittelwert. In Dresden sind es viel weniger (84 Kilo), in Chemnitz etwas mehr (123 Kilo).

Zur Galerie
Papierkörbe könnte Leipzig mehr vertragen: Während in Dresden aus ihnen pro Jahr 840 Tonnen Müll eingesammelt werden, sind es hier nur 510 Tonnen.

Woran liegt es dann, dass Leipzigs Müllfahrer mehr abtransportieren müssen? Brückner erklärt dazu, dass dem wahrscheinlich gar nicht so sei. Im vergangenen Jahr habe die Stadtreinigung eine "Restabfallanalyse" durch die Firma Sabrowski-Hertrich-Consult (SHC) aus Bayern erstellen lassen. Die Fachleute untersuchten den Inhalt der Müllcontainer und Tonnen etlicher Häuser in Grünau (Großsiedlung), Südvorstadt (Gründerzeitgebiet) und Meusdorf (Eigenheime). Dabei fanden sie heraus, dass von den 149 Kilo Restmüll nur 111 wirklich von den Haushalten stammten. Der Rest kam von Läden, Gaststätten, Büros oder Kleingewerbetreibenden. "Der Anteil dieses Geschäftsmülls ist in Leipzig mit 16 500 Tonnen pro Jahr besonders hoch beziehungsweise wird er in Dresden nur teilweise erfasst", so die Sprecherin. Deshalb komme Leipzig auf den Spitzenwert beim Restabfall.

Laut der SHC-Analyse haben die Leipziger ihre Restabfallmenge von 2010 bis 2013 von 118 auf 111 Kilo pro Kopf gesenkt. Das Aufkommen der Haushalte verringerte sich in dem Zeitraum von 61 400 auf 59 000 Tonnen. Großes Sparpotenzial sehen die Fachleute nur noch bei den Bioabfällen (Küchenreste, Grünschnitt), wo in Leipzig noch immer 44 Prozent zum Restmüll geworfen wird.

Keine Absolution kann Brückner für einige andere Punkte der sächsischen Statistik erteilen. So werden in Leipzig nur rund 4100 Tonnen pro Jahr an Straßenkehricht erfasst, im deutlich kleineren Chemnitz sind es 4900 Tonnen, in Dresden 7100. Auch bei den öffentlichen Papierkörben schneidet Leipzig mit 510 Tonnen pro Jahr weniger sauber ab als die etwa gleich große Landeshauptstadt (840 Tonnen). "Wahrscheinlich gibt es in Dresden mehr Papierkörbe", sagt sie.

Auch bei illegal abgelagertem Müll hat Leipzig klar die traurige Spitzenposition in Sachsen - mit über 1300 Tonnen Restabfall, 182 Tonnen Grünschnitt und 97 Autowracks pro Jahr. Trotz alledem liegen die Müllentsorgungskosten in der Messestadt mit 62 Euro pro Kopf und Jahr noch unter denen in Delitzsch (80 Euro), Plauen (70), Oberlausitzkreis (64) und Chemnitz (64). Die Dresdner kommen mit 55 Euro günstiger weg. Aber die dortige Deponie kassiere für die Entsorgung einer Tonne Restmüll auch nur etwa halb so viel Geld wie die hiesige in Cröbern, so Brückner.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.04.2014

Jens Rometsch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Während des LVZ-Fahrradfestes am kommenden Sonntag wird ein Straßenabschnitt im Leipziger Südosten für den Autoverkehr gesperrt.

24.04.2014

Die Suche nach einem zweiten Pfarrer für die Leipziger Thomaskirche geht in die heiße Phase. An den kommenden drei Wochenenden stellen sich die drei vom Landeskirchenamt vorgeschlagenen Kandidaten für die zweite Pfarrstelle der Gemeinde vor.

24.04.2014

Auf dem Weg zu einer saubereren Stadt könnten Smartphones künftig eine wichtige Rolle spielen. Der Ortschaftsrat Leipzig-Seehausen hat jetzt die Einrichtung einer Verwaltungs-App für mobile Android- und Apple-Geräte vorgeschlagen, über die Bürger schnell und einfach Verschmutzungen und Störungen im Stadtgebiet an Behörden melden können.

23.04.2014
Anzeige