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Leipziger feiern zehnjährige Partnerschaft in Addis Abeba

Leipziger feiern zehnjährige Partnerschaft in Addis Abeba

Seit Dienstag früh hat im Hotel Interconti in Addis Abeba eine Leipziger Delegation Quartier genommen. An die 30 Vertreter sind für drei Tage in die äthiopische Hauptstadt gereist, um das zehnjährige Bestehen der Städtepartnerschaft zu feiern, was eigentlich schon im vergangenen Jahr anstand.

Leipzig. Das Interconti in Addis Abeba ist ein neunstöckiges Hochhaus mit Schwimmbad auf dem Dach. Wenn der Strom ausfällt, schallt allein der Klang des Flügels durch die nun dunkle, riesige Hotellobby und eine romantische Stimmung breitet sich aus. Der Bartender leuchtet mit seinem Mobiltelefon die Flaschenetiketten an und erklärt, dass es wohl ein Problem mit dem hoteleigenen Stromgenerator gebe. Auf das öffentliche Stromnetz verlassen sich die großen internationalen Hotels ohnehin nicht.

Seit Dienstag früh hat hier die Leipziger Delegation Quartier genommen. An die 30 Vertreter sind für drei Tage in die äthiopische Hauptstadt gereist, darunter Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und die Abteilungsleiterin für Internationale Beziehungen, Gabriele Goldfuß, die Stadträte Frank Tornau (CDU), Christopher Zenker (SPD), Steffen Wehmann (Linke), Katharina Krefft (Grüne). Auch der ehemalige Botschafter Claas Dieter Knoop, Zoodirektor Jörg Junhold, Allerweltskünstler Michael Fischer-Art, Biochemie-Professor und Äthiopien-Kenner Gerd Birkenmeier sowie Mitglieder des Städtepartnerschaftsvereins Leipzig-Addis Abeba sind dabei, um das zehnjährige Bestehen der Städtepartnerschaft zu feiern, was eigentlich schon im vergangenen Jahr anstand.

In den ersten Jahren der Partnerschaft, die aus einer Bürgerinitiative entstand, haben die Leipziger einen eindrucksvollen kulturellen Austausch auf die Beine gestellt. Doch nun drängeln die Äthiopier. Sie wollen Wirtschaftsbeziehungen aufbauen. Das ostafrikanische Land brüstet sich mit seiner relativen politischen Stabilität, der großen Anzahl von internationalen Organisationen, die es zu einem Vorzeigestaat für ganz Afrika machen, und einem Wirtschaftswachstum von fast zehn Prozent im Jahr. Auf die eng besetzte Agenda der Delegation haben sie daher vor allem Wirtschaftstermine gesetzt: ein Investmentforum, mehrere Firmenbesichtigungen, die Besichtigung eines von ausländischen Fonds finanzierten Sozialbauprojekts und der neuen von Chinesen erbauten Stadtbahn, die in drei Monaten in Betrieb gehen soll.

Doch zunächst bleiben viele Fragen - auch mangels privater Unternehmer auf Leipziger Delegationsseite - unbeantwortet: Die nach Absatzmärkten in Deutschland für die boomende Lederindustrie, die nach Kooperationsmöglichkeiten in der Biotechnologie, die nach konkreten Investitionsbedingungen in Leipzig.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) - nach den Demos in Leipzig einen Tag verspätet angereist - will jetzt den Weg für erste Schritte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit freimachen. "Wir werden einen Plan für ganz konkrete Projekte aufstellen", sagt er auf dem Empfang des deutschen Botschafters, Joachim Schmidt. "Große Investitionsprojekte können wir nicht anschieben, aber die Möglichkeiten für kleine Handelsbeziehungen ausloten." Beispiel: Der Import von Fairtrade-Rosen. Damit würde auch die Bewerbung Leipzigs zur Fairtrade-Hauptstadt 2015 einen Schub erhalten. Noch während der Reise soll eine Absichtserklärung mit dem OBM von Addis Abeba, Deriba Kuma, unterzeichnet werden.

Auch Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der IHK, will diesen Prozess innerhalb der kommenden fünf Jahre begleiten. "Dabei werden wir Bezug nehmen auf die Investitionsbedingungen, die jetzt präsentiert wurden, und diese noch einmal prüfen", sagt er. "Wenn der politische Rahmen durch die Oberbürgermeister abgesichert ist, stehen wir als IHK zur Verfügung, um diese Vereinbarung gemeinsam mit unseren Unternehmen umzusetzen."

Volker Lux, amtierender Geschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, beschreitet dagegen den traditionellen Weg deutschen Engagements in dem afrikanischen Land. Er will vor allem die Ausbildung äthiopischer Fachkräfte fördern. "42 deutsche Projekte im Bereich Herstellung und Fertigung weisen den Weg", ist sein Fazit nach den äthiopischen Wirtschaftspräsentationen. "Wir wollen Ausbildung anbieten und nichts verkaufen. Dabei können wir entweder in Äthiopien oder in Dreimonatskursen in Leipzig unsere Erfahrungen anwenden, die wir mit der Ausbildung von Jugendlichen aus der Mongolei oder Spanien gemacht haben."

Begegnungen interkultureller Art machen 60 Schüler des Leipziger Jugendsinfonieorchesters, die zeitgleich eine Konzertreise in der äthiopischen Partnerstadt durchführen. Einen Teil der Reisekosten der jungen Kulturbotschafter hat die Stadt Leipzig übernommen. Nach einem der zahlreich angesetzten Konzerte übergibt die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Silke Sophie Ebert, ein ungewöhnliches Geschenk: 40 Landkarten von Äthiopien und seinen Nachbarstaaten hat die deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig hergestellt. Sie können sowohl von sehenden als auch blinden Schülern genutzt werden. 14 Exemplare davon besitzt nun die Menelik-Schule, Partnerin des Leipziger Friedrich-Schiller-Gymnasiums. 3000 von knapp 8000 Euro Produktionskosten brachten die Schüler des Leipziger Gymnasiums mit Spendenaktionen auf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.02.2015

Stephanie von Aretin

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