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Leipziger helfen in Estland

Rotary-Club und Sana-Kliniken Leipziger helfen in Estland

Der Rotary-Club Leipzig-Brühl liefert zusammen mit DHL und den Sana-Kliniken Leipziger Land Betten und weitere Ausstattung an Pflegeheime in Estland. Auch wenn der baltische Staat einen soliden Eindruck macht, herrscht auf dem Land oft Armut.

Drei Lkw beladen, mit 60 Betten, 60 Nachttischen, 30 Trapeztischen und weiterem Klinik-Mobiliar, schickt der Rotary-Club Leipzig-Brühl zusammen mit den Sana-Kliniken Leipziger Land und DHL auf die Reise gen Estland. Von links nach rechts: Rotarier Mark Aretz, Sana-Kliniken-Chefarzt Kay Kohlhaw und DHL-Mitarbeiter Heinz Grützner.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig/Borna. Der Rotary-Club Leipzig-Brühl, das Logistik-Unternehmen DHL und die Sana-Kliniken Leipziger Land haben eine gemeinsame Hilfsaktion zugunsten von zwei Pflegeheimen in Mittel- und Südestland gestartet. 60 Betten, 60 Nachttische, 30 Trapeztische und weiteres Klinik-Mobiliar stellen die Sana-Kliniken zur Verfügung. Anfang der Woche wurden die Hilfsgüter in Borna verladen. DHL übernimmt den kompletten Transport nach Kolga-Jaani und Sangaste in Estland.

Estland steht nicht an erster Stelle, wenn man an hilfsbedürftige Länder denkt. Der baltische Staat gilt als modern und vorbildlich, als innovativ und wirtschaftsstark. Doch die positive Entwicklung seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist nicht in allen Regionen des Landes angekommen, erklärt Mark Aretz von den Leipziger Rotariern. Während das Durchschnittseinkommen in Estland bei 800 Euro liege, seien es auf dem Land nur 300 bis 400 Euro – und das bei höheren Lebenshaltungskosten als in Deutschland. „Die radikale Abkehr vom Sowjetsystem setzte in Estland erhebliche innovative Energien frei“, erzählt Aretz. „Das kam aber vorwiegend der Hauptstadt Tallinn zugute. In der Provinz ist die Situation sehr viel schwieriger. Wer auf dem Land wohnt, wer auch noch alt, kinderreich oder nicht erstklassig ausgebildet ist, zählt zu den zwangsläufig Zurückgelassenen im neuen System.“ Alle Kraft werde auf den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft gerichtet, im sozialen Bereich nur das Lebensnotwendige ausgegeben. Die Betten in den beiden Pflegeheimen, die nun durch die Hilfe aus Deutschland ausgetauscht werden können, seien ein Vierteljahrhundert alt.

Neben der durchaus vorhandenen Not gibt es für die Leipziger Rotarier noch einen anderen Grund für die Hilfe im Baltikum: „Die Mentalität ähnelt der unseren“, erklärt Mark Aretz. „Es gibt keine Korruption, keine Verschwendung von Mitteln, keine Vernachlässigung der angeschafften Dinge und null Abzug von Kosten für Verwaltung oder Organisation.“ Dass die Hilfe wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird, ist aus Sicht der Rotarier in Estland gewährleistet – anders als zum Beispiel in manchem afrikanischen Land. „Wir haben gute Kontakte, wir wissen, dass es funktioniert.“

Die Verbindung mit Estland geht auf Aretz selbst zurück – der 53-jährige Architekt ist auch finnischer Staatsbürger; seine Mutter ist Finnin, sein Vater Deutscher. Schon zu Zeiten der sowjetischen Okkupation sei er in Estland gewesen, sprachliche und kulturell seien Finnen und Esten sehr verwandt. Und: Als Reserveoffizier nimmt Aretz einmal im Jahr an einer Wehrübung in Estland teil.

2003 schlug der Leipziger seinem Rotary-Club ein Hilfsprojekt zugunsten armer Regionen in Estland vor, seitdem ist viel passiert. In Kolga Jaani, einer 1600-Seelen-Gemeinde in Mittel-Estland, wurden für die örtliche Kirchengemeinde ein Weg gepflastert und historische Metalltore rekonstruiert, die die Russen im Weltkrieg eingeschmolzen hatten. Die Rotarier sanierten ein historisches bleiverglastes Kirchenfenster im Turm, stifteten ein Klavier für die Jugendmusikarbeit und eine neue Küche für das Altenheim. In Sachsen organisierten die Rotarier eine Sammlung von Rollstühlen, Rollatoren und Klinikbetten für Kolga-Jaani. Die Feuerwehr erhielt wichtige Pumpentechnik. Und nun geht also die nächste Hilfslieferung auf Reisen...

Von Björn Meine

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