Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger helfen in Estland
Leipzig Lokales Leipziger helfen in Estland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 30.06.2017
Drei Lkw, beladen mit 60 Betten, 60 Nachttischen, 30 Trapeztischen und weiterem Klinik-Mobiliar, schickt der Rotary-Club Leipzig-Brühl zusammen mit den Sana-Kliniken Leipziger Land und DHL auf die Reise nach Estland. Von links nach rechts: Rotarier Mark Aretz, Sana-Kliniken-Chefarzt Kay Kohlhaw und DHL-Mitarbeiter Heinz Grützner. Quelle: Andreas Döring
Anzeige
Leipzig/Borna

Der Rotary-Club Leipzig-Brühl, das Logistik-Unternehmen DHL und die Sana-Kliniken Leipziger Land haben eine gemeinsame Hilfsaktion zugunsten von zwei Pflegeheimen in Mittel- und Südestland gestartet. 60 Betten, 60 Nachttische, 30 Trapeztische und weiteres Klinik-Mobiliar stellen die Sana-Kliniken zur Verfügung. Anfang der Woche wurden die Hilfsgüter in Borna verladen. DHL übernimmt den kompletten Transport nach Kolga-Jaani und Sangaste in Estland.

Estland steht nicht an erster Stelle, wenn man an hilfsbedürftige Länder denkt. Der baltische Staat gilt als modern und vorbildlich, als innovativ und wirtschaftsstark. Doch die positive Entwicklung seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist nicht in allen Regionen des Landes angekommen, erklärt Mark Aretz von den Leipziger Rotariern. Während das Durchschnittseinkommen in Estland bei 800 Euro liege, seien es auf dem Land nur 300 bis 400 Euro – und das bei höheren Lebenshaltungskosten als in Deutschland. „Die radikale Abkehr vom Sowjetsystem setzte in Estland erhebliche innovative Energien frei“, erzählt Aretz. „Das kam aber vorwiegend der Hauptstadt Tallinn zugute. In der Provinz ist die Situation sehr viel schwieriger. Wer auf dem Land wohnt, wer auch noch alt, kinderreich oder nicht erstklassig ausgebildet ist, zählt zu den zwangsläufig Zurückgelassenen im neuen System.“ Alle Kraft werde auf den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft gerichtet, im sozialen Bereich nur das Lebensnotwendige ausgegeben. Die Betten in den beiden Pflegeheimen, die nun durch die Hilfe aus Deutschland ausgetauscht werden können, seien ein Vierteljahrhundert alt.

Neben der durchaus vorhandenen Not gibt es für die Leipziger Rotarier noch einen anderen Grund für die Hilfe im Baltikum: „Die Mentalität ähnelt der unseren“, erklärt Mark Aretz. „Es gibt keine Korruption, keine Verschwendung von Mitteln, keine Vernachlässigung der angeschafften Dinge und null Abzug von Kosten für Verwaltung oder Organisation.“ Dass die Hilfe wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird, ist aus Sicht der Rotarier in Estland gewährleistet – anders als zum Beispiel in manchem afrikanischen Land. „Wir haben gute Kontakte, wir wissen, dass es funktioniert.“

Die Verbindung mit Estland geht auf Aretz selbst zurück – der 53-jährige Architekt ist auch finnischer Staatsbürger; seine Mutter ist Finnin, sein Vater Deutscher. Schon zu Zeiten der sowjetischen Okkupation sei er in Estland gewesen, sprachliche und kulturell seien Finnen und Esten sehr verwandt. Und: Als Reserveoffizier nimmt Aretz einmal im Jahr an einer Wehrübung in Estland teil.

2003 schlug der Leipziger seinem Rotary-Club ein Hilfsprojekt zugunsten armer Regionen in Estland vor, seitdem ist viel passiert. In Kolga Jaani, einer 1600-Seelen-Gemeinde in Mittel-Estland, wurden für die örtliche Kirchengemeinde ein Weg gepflastert und historische Metalltore rekonstruiert, die die Russen im Weltkrieg eingeschmolzen hatten. Die Rotarier sanierten ein historisches bleiverglastes Kirchenfenster im Turm, stifteten ein Klavier für die Jugendmusikarbeit und eine neue Küche für das Altenheim. In Sachsen organisierten die Rotarier eine Sammlung von Rollstühlen, Rollatoren und Klinikbetten für Kolga-Jaani. Die Feuerwehr erhielt wichtige Pumpentechnik. Und nun geht also die nächste Hilfslieferung auf Reisen...

Von Björn Meine

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Kulkwitzer See gilt als einer der saubersten Badeseen in Deutschland und erhält Jahr für Jahr Bestnoten. Angler beklagen nun, dass bei Starkregen Dreck aus den sonst eher wasserlosen Zschampert zurückfließt. Die Stadt sieht derzeit kein Problem, will das aber prüfen.

30.06.2017

Angesichts ihrer beachtlichen Größe tritt die Leipziger Wohnungsbau-Genossenschaft Kontakt nur selten öffentlich in Erscheinung. Doch das wird sich in den nächsten Tagen ändern. Das 1954 gegründete Unternehmen will mit einer Öffentlichkeitskampagne über seine Rolle in der Region informieren.

30.06.2017

Die drei Brücken zwischen den Ortsteilen Lützschena und Böhlitz-Ehrenberg sollen ersetzt werden. Für den Neubau zwischen Oktober 2017 und März 2018 wird der Verkehr über die Gustav-Esche-Straße umgeleitet.

27.06.2017
Anzeige