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Lokales Leipziger kommen beim Abwasser im Osten am besten weg
Leipzig Lokales Leipziger kommen beim Abwasser im Osten am besten weg
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00:21 03.08.2017
Das Klärwerk Rosental aus der Luft. Quelle: Armin Kühne
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Leipzig

Ganz alltägliche Vorgänge wie das Betätigen der Toilettenspülung oder das Abpumpen der Waschlauge verursachen sehr unterschiedliche Kosten. Hauseigentümer in Leipzig zahlen deutlich weniger Gebühren für Abwasser als in Dresden oder Chemnitz. Während in der Messestadt für eine vierköpfige Musterfamilie pro Jahr rund 385 Euro fällig werden, sind es in Dresden knapp 100 Euro mehr und in Chemnitz fast 250 Euro mehr, wie das Institut der deutschen Wirtschaft für den Eigentümerverband Haus & Grund berechnet hat.

Im Vergleich der 100 größten Städte Deutschlands landete Leipzig auf Platz 18 der geringsten Gebühren, Dresden auf Platz 47 und Chemnitz auf Platz 77. Besonders gut schnitten vor allem Gemeinden in Süddeutschland ab, relativ hohe Abwassergebühren zahlen Haushalte an Rhein und Ruhr sowie im Nordosten Deutschlands. Der Präsident von Haus & Grund Sachsen, René Hobusch, äußerte sich erfreut über das gute Abschneiden seiner Heimatstadt Leipzig. „Bei den anderen beiden großen sächsischen Städten ist noch Luft nach oben.“

Die Leipziger Wasserwerke sehen sich in ihrer Arbeit bestätigt. „Wir unternehmen große Anstrengungen, um rund 645 000 Menschen in Leipzig und der Region faire Preise für Trink- und Abwasser anbieten zu können“, sagte Katja Gläß. Auch die Leistungen der Abwasserentsorger zum Umwelt- und Ressourcenschutz seien nicht zu verachten, so die Wasserwerke-Sprecherin.

Regional unterschiedliche Rahmenbedingungen machten einen Vergleich von Abwasserpreisen allerdings schwierig, so Gläß. „In Leipzig betreiben wir beispielsweise ein Abwassernetz von aktuell rund 2880 Kilometern Länge, 25 Kläranlagen sowie weiteren 367 Pumpwerken und Regenwasserbehandlungsanlagen. Allein für deren Erhalt und Modernisierung investieren wir 2017 rund 45,7 Millionen Euro und damit den Großteil unseres Gesamtinvestitionsbudgets von 71 Mio. Euro in diesem Jahr. Hinzu kommen noch fast 3500 Kilometer Trinkwasserleitungen und vier Großwasserwerke.

Boomende Städe im Vorteil

Die Preisgestaltung orientiere sich am sächsischen Kommunalabgabengesetz und muss damit kostendeckend sein. „Als Entsorger müssen wir die zu erwartenden Kosten für die Abwasserableitung und -reinigung aufgrund unserer Planungen abschätzen.“ Dazu gehörten Kosten für den Betrieb der Anlagen und Netze, aber auch für Investitionen in den Erhalt und die Modernisierung dieser Infrastruktur. „Weil diese Betreibererfordernisse und damit auch die Kosten einem ständigen Wandel und Entwicklungen unterliegen, überprüfen wir regelmäßig unsere Preise. Zuletzt haben wir unsere Wasserpreise zum 1. Januar 2016 an die beschriebenen Kosten angepasst und werden sie für zwei Jahre stabil halten.“

Neben äußeren Faktoren wie der Länge oder dem Alter von Kanälen würden manche Stadtwerke aber auch schlecht geführt oder geben das Gebührengeld sachfremd aus, hieß es beim Eigentümerverband. Entwässerungskosten werden auch durch Zu- und Abwanderung beeinflusst. Wenn auf der einen Seite in einer Region die Bevölkerungsdichte – und damit auch der Frischwasserverbrauch – sinkt, wird das Abwasserkanalsystem weniger genutzt. Damit steigen auf der anderen Seite die Kosten zur Erhaltung des Systems, die auf die Abwassergebühren draufgeschlagen werden.

Dazu kommen Flächenstädte, in denen weite Wege überwunden und ein großes Kanalnetz unterhalten werden muss. „Boomende Städte wie Leipzig, aber auch Dresden mit ihren kompakten Siedlungsgebieten sind bei diesem Vergleich klar im Vorteil“, sagte der Präsident von Haus und Grund, Kai Warnecke.

Halle ist laut der aktuellen Rankingtabelle mit 750 Euro Abwassergebühren pro Musterfamilie die kostspieligste Stadt in Mitteldeutschland, gefolgt von Zwickau (697 Euro) und Dessau-Roßlau (675 Euro). Deutlich günstiger schneiden Hauseigentümer in den thüringischen Großstädten Erfurt (414 Euro) und Jena (440 Euro) ab.

„Die Gründe für die hohen Kosten müssen analysiert und benannt werden“, forderte Warnecke. „Am Ende kann eine erhöhte Preis- und Gebührentransparenz zu dem notwendigen Wettbewerbsdruck führen, der die Preise für viele Verbraucher sinken lässt.“ Der Verband kommunaler Unternehmen hielt dagegen, aus einfachen Vergleichen könnten Kunden nicht ablesen, ob ihre Abwassergebühr angemessen sei.

Winfried Mahr

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