Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger radeln für Nierenkranke
Leipzig Lokales Leipziger radeln für Nierenkranke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 06.07.2018
Vier von acht Bikern for Charity vor dem Nierenzentrum im St. Georg: v.l. Marek Sämann (35), Raik Siebenhüner (37), Jan Zetzsche (41) und Torsten Lengner (46). Quelle: Foto: Dirk Knofe
Anzeige
Leipzig

Raik Siebenhüner kennt das Gefühl. Es kommt am fünften oder sechsten Tag der Transalp. Dann will man nicht mehr, weil so einiges weh tut. Schon mehrmals ist der Leipziger Medizinstudent die herausfordernde Radtour gefahren, ab nächsten Sonntag aber macht er es aus einer besonderen Motivation heraus: Zusammen mit sieben Mitstreitern absolviert der 37-Jährige die 923-Kilometer-Strecke vom Gardasee bis nach Leipzig, um Spendengelder für den Förderkreis der Kinderdialyse Leipzig einzufahren.

Die Idee zur Aktion „Bike for Charity“ entsprang einem Bedürfnis. „Bei meinem Studium bin ich ständig mit Leid konfrontiert, allein dadurch ist mir bewusst, wie gut es meiner Familie und mir geht“, erzählt der Vater dreier Kinder, „deshalb wollte ich ein Projekt unterstützen, das Hilfe braucht.“ Er erfuhr vom Förderkreis Kinderdialyse Leipzig und von dessen Bemühungen für Kinder und Jugendliche. Die Behandlung nierenkranker junger Menschen ist kaum in der öffentlichen Wahrnehmung verankert, „da lohnt sich eine Unterstützung besonders“.

Nach ersten Planungen mit seinem Schwager Jens Merseburger konnte er die Kommilitonen Josephin Seidel und Vincent Eckert für die Idee gewinnen, gemeinsam machten sie sich an die zeitintensive Organisation und Planung des Charity-Projekts. Vor allem ging es um das Akquirieren von Sponsoren, die für jeden gefahrenen Kilometer eine bestimmte Summe spenden sollen. Unter anderem sagten bis jetzt der Förderverein Medizinrecht der Dresden International University, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, die Sparkasse Leipzig, das Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation sowie die Enghouse Interactive AG zu. Darüber hinaus wird das Projekt von der Uniklinik und dem Klinikum St. Georg unterstützt.

„Ich freue mich sehr und bin stolz, dass wir das auf die Beine gestellt haben“, sagt Josephin Seidel. Für die 25-Jährige ist „Bike for Charity“ die Folge aus „einer Verantwortung, die man im medizinischen Beruf fühlt“. Sie berührt schon jetzt das positive Echo aller Beteiligten.

Das KfH-Nierenzentrum Leipzig behandelt in enger Zusammenarbeit mit dem St. Georg Kinder mit chronischer Niereninsuffizienz und ist damit eines der wenigen Zentren in Mitteldeutschland; Patienten reisen aus allen Teilen Sachsens, Sachsen-Anhalts oder Thüringen an, sowie teilweise aus Brandenburg. Derzeit werden dort etwa 25 chronisch Nierenkranke beraten, welches Verfahren der Dialyse – also der Blutwäsche – für sie das richtige ist, und ambulant behandelt. Im Fall einer Nierentransplantation werden die Kinder an die Transplantationsabteilung der Uniklinik überwiesen.

Eine Niere kann von lebenden wie gestorbenen Spendern kommen – wenn es denn eine gibt: Die Warteliste führt derzeit etwa 8000 Patienten, was eine Wartezeit von fünf bis acht Jahren bedeutet. Das Dilemma: Trotz leichten Anstiegs im ersten Halbjahr 2018 sinkt in Deutschland die Anzahl der gespendeten Organe seit Jahren kontinuierlich.

Auch auf diesen Missstand möchten Siebenhüner und Team hinweisen, wenn es nächstes Wochenende Richtung Gardasee geht – die Radfahrer reisen im Zug, per Transporter bringen zwei Unterstützer die Räder mit: Simon Steinbrecher, Fotograf bei der Agentur BDX Media, und Physiotherapeutin Anna Buchholz. Sie werden die Tour begleiten und die acht Sportler betreuen. Die Rennradfahrer sind zwischen 27 und 44 Jahren alt und körperlich fit genug, um den Kraftakt durchzuziehen. „Natürlich ist das kein Wettkampf“, betont Siebenhüner, „es geht ums Ankommen“.

Mit der im buchstäblichen Sinn eingefahrenen Spendensumme soll der Förderkreis Dialyse eine Auszeit für Familien mit chronisch nierenkranken Kindern und Jugendlichen auf dem Ederhof finanzieren können. Die besondere Einrichtung in Österreich bietet vor und nach einer Organtransplantation eine adäquate medizinische und psychosoziale Behandlung – und ermöglicht einen unbeschwerten Urlaub. „Dialyse-Patienten und ihre Angehörigen stehen oft unter großer Anspannung, hier können sie mal loslassen“, weiß Siebenhüner, der sich schon jetzt vorstellen kann, „Bike for Charity“ auch 2019 anzugehen, um mittelfristig das Projekt Ederhof für den Förderkreis Kinderdialyse zu verwirklichen..

Der 22. Juli also setzt den Auftakt des Transalp-Abenteuers. An den ersten Tagen drücke die atemberaubende Landschaft die Anstrengung in den Hintergrund, so die Erfahrung des Initiators. „Ab München wird’s dann schwieriger“, prognostiziert er. Für den Nachmittag des 29. Juli ist die Ankunft in Leipzig geplant – vor dem Nierenzentrum am Haus 9 des St. Georg. Ab 15 Uhr werden dort die Sportler mit einem Willkommens- und Unterstützerfest gefeiert. Spätestens dann ist der finale Schmerz vergessen.

Wer die Kinderdialyse unterstützen möchte, bekommt Infos auf www.foerderkreis-kinderdialyse.de. Spenden kann man an Förderkreis Kinderdialyse, Sparkasse Leipzig, IBAN: DE30 8605 5592 1100 4523 50.

Von Mark Daniel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Deutsche Bahn (DB) investiert in die Sanierung und Modernisierung des halleschen Hauptbahnhofs samt neuem Güterbahnhof bis Ende 2019 rund 750 Millionen Euro. Für eine Überdachung des Bahnsteigs 12/13 hat es jedoch nicht gereicht.

06.07.2018

Sächsischer Grünenpolitiker Stephan Kühn fordert: Bundesstiftung soll Investoren stoppen, die ostdeutsche Felder und Wäldern aufkaufen wollen. Damit soll die Natur geschützt und Artenvielfalt erhalten werden.

05.07.2018

Seit Jahren finanzieren Kunden der Leipziger Stadtwerke mit ihren Stromrechnungen die Leipziger Verkehrsbetriebe mit. Doch preisgünstiger Mitfahren dürfen sie bislang nicht. Das soll sich ändern.

05.07.2018
Anzeige