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Leipziger sammelt Werbeschilder und Verpackungen

Blech, Pappe und Papier Leipziger sammelt Werbeschilder und Verpackungen

Die einen sammeln Porzellanfiguren, die anderen Schallplatten. Der Leipziger Kaufmann Reimer Augustin hingegen sammelt historische Werbeschilder und Verpackungsdosen. Zigtausende Schätze hat er über die Jahre angehäuft – und würde sie nun gern in einem eigenen Museum präsentieren.

Reimer Augustin sammelt mit Leidenschaft Werbeschilder und Verpackungen.

Quelle: André Kempner

Leipzig.

Der Leipziger Kaufmann sammelt seit über 20 Jahren mit Leidenschaft alte Werbeschilder und historische Verpackungen. Mittlerweile umfasst seine Kollektion mehrere 10.000 Objekte – und zählt damit zu einer der umfangreichsten und besten in Europa. Auch was die Qualität der Stücke betrifft: „Alles hier ist alt, selten und in Top-Zustand“, betont Augustin.

Ob Werbung für Süßwaren oder Zigaretten – in Augustins Sammlung ist alles zu finden

Ob Werbung für Süßwaren oder Zigaretten – in Augustins Sammlung ist alles zu finden.

Quelle: Andre Kempner

Seine Leidenschaft entdeckte Augustin eher zufällig.„Alles hat mit Flohmärkten angefangen. Dort habe ich zuerst Dinge verkauft, später dann selbst Märkte organisiert“, erinnert er sich. Die Initialzündung für die Werbeleidenschaft kam über eine Ex-Freundin. Bei ihr entdeckte er zwei alte Alben mit Sammelbildern der Firma Liebig-Fleischextrakt. Beim Blättern habe er sich das erste Mal in die historischen Zeichnungen verliebt – „und zack, war das Interesse da.“

Neben den oftmals kunstvoll gestalteten Tafeln beeindruckt Augustin vor allem der schon damals ausgeprägte Geschäftssinn der Werbemacher. „Liebig hat etwa Löschblätter in Schulen verteilt, auf denen die Kinder aufgefordert wurden, ihre Mutter beim nächsten Einkauf an die Marke zu erinnern – der Sammelbildchen wegen“, erklärt der 67-Jährige.

Viele der Schilder in der Sammlung sind auch Jahrzehnte später in Top-Zustand

Viele der Schilder in der Sammlung sind auch Jahrzehnte später in Top-Zustand.

Quelle: Andre Kempner

Mit seiner Leidenschaft ist Augustin bei weitem nicht alleine. „Es gibt weltweit zigtausende Sammler, das ist eine Riesen-Community.“ Inzwischen ist Augustin selbst zu einer Art Koriphäe auf dem Gebiet aufgestiegen. „Viele Leute stoßen etwa bei Haushaltsauflösungen auf alte Verpackungen oder Schilder und wenden sich dann an mich, um deren Wert zu erfragen“, freut er sich. Am meisten reizt ihn an seinem Hobby aber der Nervenkitzel beim Stöbern nach besonderen Stücken und der Handel um die besten Exemplare: „Ich bin da ganz klassisch Jäger und Sammler“, gibt er schmunzelnd zu. Für den Erwerb nimmt Augustin schon mal längere Wege auf sich. Erst kürzlich sei er für ein extrem seltenes Schild eigens nach Toulouse gereist.

Neben dem ideellen Wert bildet Augustins Sammlung heute natürlich auch eine Wertanlage. „In der Hochzeit der Werbeschilder war jedes Haus und jede Ecke damit zugenagelt, die Menschen sprachen von der ’Blechpest’“, erklärt er. Mittlerweile können die einst günstigen und omnipräsenten Werbeträger Preise im fünfstelligen Bereich erzielen. Trotzdem, betont Augustin, geht es ihm bei seiner Leidenschaft nicht um Gewinnmaximierung. „Ich sehe das Ganze eher ganzheitlich.“ Verkaufen kommt für ihn nicht in Frage.

Kurios

Kurios: Diese Lebkuchen-Verpackung im Jugendstil-Design enthält sogar noch die originale Leckerei.

Quelle: Andre Kempner

Sein Wunsch wäre es, die Sammlung einmal in ein Museum zu überführen. Leipzig sei dafür der ideale Standort, viele der einstigen Hersteller kämen aus der Region. „Gerade für Leipzig als einstige Werbehauptstadt wäre das doch ein tolles Aushängeschild.“ Ein Museum böte zudem laut Augustin weitere Vorteile. Denn neben den Schildern und Dosen befinden sich auch zahlreiche historische Monatszeitschriften für Werbegrafiker in seinem Besitz. „In diesem Rahmen könnte man die Geschichte des Warenzeichnens auch zeitlich angemessen einordnen und präsentieren. Gerade für Kunststudenten wäre das interessant“, findet er.

Nur die passenden Räume müssen noch gefunden werden. „Das Geld ist da“, betont Augustin, die Stadt müsse nichts zuschießen. Das erste eigene Werbemuseum Leipzigs würde sich komplett selbst tragen.

Von Bastian Fischer

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