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Lokales Primark in Leipzig: Proteste und Evakuierung trüben Eröffnungs-Party
Leipzig Lokales Primark in Leipzig: Proteste und Evakuierung trüben Eröffnungs-Party
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10:19 09.05.2016
Rund 300 Leipziger strömten am Donnerstag zur Eröffnung in die neue Primark-Filiale an der Hainspitze. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Um Punkt 11 Uhr gingen in der Hainstraße die Türen auf: Die Billigmodekette Primark hat am Donnerstag in Leipzig ihre erste Filiale eröffnet. Rund 300 Kunden, sowohl jüngere als auch ältere, strömten unter dem Jubel der Mitarbeiter in das neue Kaufhaus. Das irische Unternehmen hatte sich auf Andrang eingestellt: Bereits rund zwei Stunden zuvor harrten die ersten Kunden vor dem Geschäft aus. Vor dem Eingang bildete sich am Vormittag eine Menschentraube, die Schlange reichte bis in die Große Fleischergasse. Aufregung gab es am Nachmittag allerdings wegen eines Feueralarms: Das Primark-Kaufhaus musste komplett evakuiert werden.

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Hunderte drängten am Donnerstag zur Eröffnung in das neue Primark-Kaufhaus an der Hainspitze in Leipzig. Unseren Artikel zur Leipziger Primark Filiale finden Sie hier!

Am Vormittag wurde dagegen noch ausgelassen gefeiert: Vor Ort verteilten fleißige Primark-Mitarbeiter Wasserflaschen und Bonbons. Musik sorgte für Stimmung, ebenso wie eine junge Moderatorin, die immer wieder das Angebot des Kaufhauses anpries: „Alles für Damen, Herren und Kinder. Unterwäsche und Denim. Aber auch Kleinigkeiten, wie Geschenke und Accessoires.“ Das Kaufhaus wirbt offensiv mit seinen extremen Niedrigpreisen, die auch auf Kritik stoßen. T-Shirts sind ab etwa zwei Euro, Hosen ab acht Euro erhältlich.

6000 Quadratmeter auf vier Etagen

Viele der geduldig Wartenden ließen sich auch vom Regen nicht verscheuchen. So wie die 36-jährige Peggy aus Leipzig. „Ich war noch nie in einem Primark drin und möchte mir einfach mal die Kleidung anschauen.“ Wenn ihr das Angebot gefällt, kann sie sich vorstellen, öfter mal in dem Geschäft einzukaufen.

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Kelly Hantzsch (24) aus Leipzig: "Ich bin schon lange Kundin von Primark. Mich überzeugt das Preis-Leistungsverhältnis. Bisher habe ich in Berlin eingekauft. Dass ich jetzt vor Ort shoppen kann, ist super.“

Die Leipziger Primark-Filiale ist die 20. in Deutschland und nach Dresden die zweite in Sachsen. Auf vier Etagen stehen in der Messestadt knapp 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung. Insgesamt belegt der Discount-Modehändler rund 9000 der insgesamt 14.000 Quadratmeter Handelsfläche in der neuen Hainspitze. In den Bau des Einkaufstempels gegenüber der Höfe am Brühl wurden insgesamt 90 Millionen Euro investiert. Baustart war im April 2014.

Fakten zur Leipziger Primark Filiale

Datum der Eröffnung: 7. April 2016
Adresse: Hainstraße 21-23, 04109 Leipzig
Größe: Knapp 6000 Quadratmeter

Primark setzt vor allem auf junge Kundschaft und auf Leipzig als Boom-Standort. „Die Stadt wächst stetig und zieht viele Studenten und junge Leute an. Das ist ein großer Teil unserer Zielgruppe“, sagte Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann jüngst im Interview mit LVZ.de. „Es gibt eine gesunde Handelsstruktur. Deshalb denken wir, dass wir hier sehr gut reinpassen.“

Zwanzig Minuten nach der offiziellen Eröffnung strömten immer noch Leute in den Laden. Durch die andere Tür verließen die ersten Kunden bereits freudestrahlend das Geschäft. „Der Laden sieht wirklich sehr ansprechend aus“, berichtete eine Kundin.

Proteste zur Eröffnung

Zur Eröffnung gab es allerdings auch Kritik. Mit einem Kleidertauschmarkt protestierten Greenpeace Leipzig und die studentische Initiative Oikos e.V. auf dem Richard-Wagner-Platz. Sie wollen auf den bewussteren Umgang mit Kleidung und Nachhaltigkeit in der Herstellung aufmerksam machen. „Primark steht für günstige Mode, die KonsumentInnen ständig nachkaufen sollen – in der Modewelt auch als Fast Fashion bezeichnet“, kritisieren die Initiatoren.

Fast Fashion führt in den Augen von Greenpeace und Oikos e. V. dazu, dass man mehr Kleidung kauft, als man eigentlich benötigt. Viele Dinge blieben so ungetragen und würden direkt wieder entsorgt. So werde mehr produziert als eigentlich notwendig und die Umwelt unnötig belastet.  „Der Idee des Fast Fashion, die Primark mit seinen günstigen Klamotten und den ständig wechselnden Kollektionen vertritt, wollen wir ein Zeichen entgegen setzten“, erklärte Jana Brommer von Greenpeace, Mitorganisatorin des Tausches.

Mit Beginn des Protestmarktes kramten viele, zumeist junge Leute in den Auslagen oder brachten Klamotten mit. „Ich verstehe, dass man Spaß an Mode hat und sich gern neue Sachen kauft. Aber das kann man auch Ressourcen schonender machen“, meinte die 28-jährige Brommer. Indem man eben seine Kleidung tauscht oder reparieren lässt. „Nur weil mir ein Teil nicht mehr gefällt, heißt es nicht, dass es nicht für jemand anderen die perfekte Kleidung ist.“ Nebenbei spare man auch Geld: Der Tausch war nämlich – wenig überraschend – völlig kostenlos.

Protest-Markt unter dem Motto „Kleider tauschen statt Fast Fashion kaufen“ auf dem Richard-Wagner-Platz. Quelle: Tatjana Kulpa

Die Aktion wurde auch vom Student_innenRat (StuRa) der Universität Leipzig unterstützt. „Mit dem Kleidertausch wird aufgezeigt, dass auch alternative Konsumformen in der heutigen Zeit möglich sind, bei denen Kleidung wieder und weiter genutzt wird“, sagte Benno Fuchs, Ökologiereferent des StuRa. Dies schont die Umwelt und hilft ein, Zeichen gegen Konzerne wie Primark zu setzen.“

Von Tatjana Kulpa und Robert Nößler

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