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Leipziger zeigen Posaunen im Vogtland

Verein für mitteldeutsche Posaunengeschichte Leipziger zeigen Posaunen im Vogtland

Der Verein für mitteldeutsche Posaunengeschichte aus Leipzig und das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen zeigen noch bis 31. Oktober eine große Sonderausstellung im Vogtland.

Sebastian Krause, Matthias Piering und Hans-Martin Schlegel (von links) vom Verein für mitteldeutsche Posaunengeschichte.

Quelle: André Kempner

Leipzig/Markneukirchen.

Der Leipziger Verein wurde 2007 gegründet, damals in Halle/Saale. In ihm tummeln sich heute rund 30 Mitglieder; sie kommen zum Beispiel aus Mitteldeutschland oder Berlin, aber es sind auch Leute aus England, Holland, Frankreich und Portugal dabei. Berufsposaunisten, Instrumentenmacher und -sammler, Musikwissenschaftler und interessierte Laien. Zu letzteren zählt auch Matthias Piering aus Hannover. Er hat einen ganz besonderen Bezug zur Posaune. Seine Vorfahren haben in Adorf bei Markneukirchen 100 Jahre lang Instrumente gebaut und weltweit vertrieben. Die „Piering-Posaune“ ist in Branchenkreisen noch heute ein Begriff. Deshalb verband sich für Matthias Piering das Interesse an der eigenen Familiengeschichte bald auch mit dem Interesse an der Musik und den Instrumenten.

Die Posaune gibt es seit dem 15. Jahrhundert als Instrument. Anfang des 19. Jahrhunderts gewann Leipzig mit Blick auf die Herstellung an Bedeutung. „Man hat Nürnberg beim innovativen Instrumentenbau den Rang abgelaufen“, erklärt Sebastian Krause, erster Vorsitzender des Vereins, im Hauptberuf Solo-Posaunist beim MDR-Sinfonieorchester. Zugleich hatte sich der Zeitgeschmack gewandelt. Statt eines leuchtenden heroischen Klangs ging der Trend hin zu einem weicheren und dunkleren Sound. Der Leipziger Instrumentenbauer Christian Friedrich Sattler (1778-1842) revolutionierte die Posaune mit einem ausladenden Schallstück für einen romantischen Orchesterklang. Die Orchester wuchsen, die Chöre, die Säle,...

„Die Instrumente aus Leipzig waren stilbildend“, sagt Hans-Martin Schlegel, zweiter Vorsitzender des Vereins. Die erste Hochschulklasse gab es hier; und die ersten Solisten kamen auch aus Leipzig, sie spielten am Gewandhaus. Die Stadt wuchs zum Zentrum für die deutsche Posaune heran, neben Erfurt, Dresden – und eben Markneukirchen. Anfang des 20. Jahrhunderts gewann der Instrumentenbau in Markneukirchen an Bedeutung, erklärt Sebastian Krause. Neben den eher kleineren traditionellen Familienbetrieben etablierten sich regelrechte Fabriken, die überwiegend günstige Instrumente produzierten. Die Region lebte nun hauptsächlich vom Instrumentenbau.

Heute haben sich zwei Posaunen-Typen durchgesetzt: die deutsche und die amerikanische; beide gehen im Wesentlichen auf den Entwurf Christian Friedrich Sattlers zurück. Die amerikanischen Instrumente, vom Sound her vor allem aus den dortigen Bigbands bekannt, spielen sich leichter, wie Hans-Martin Schlegel erläutert. „Aber sie haben nicht die Breite im Ausdruck wie hiesige Instrumente.“ Und so kommt es, dass sich zum Beispiel die Berliner Philharmoniker immer auf die alte deutsche Posaune bezogen haben, ergänzt Sebastian Krause. Beim MDR-Sinfonieorchester wechsele man auch immer mal zwischen beiden Typen, je nachdem, welches Stück gespielt wird. Die deutsche Posaune erlebt durchaus so etwas wie eine Renaissance; es gibt bei vielen Orchestern eine Rückbesinnung auf deren Vorzüge. Übrigens: Während die Posaunen vom US-Typ industriell gefertigt werden, entstehen deutsche Modelle meist nach wie vor in Handarbeit. Zum Beispiel bei Takao Nakagawa, einem Vereinsmitglied. Der Metallblasinstrumentenmachermeister hat 2014 die traditionsreiche Leipziger Firma Syhre in der Cöthner Straße übernommen.

Die aktuelle Ausstellung in Markneukirchen ist auch deshalb besonders, weil Instrumente im allgemeinen und Posaunen im Besonderen in Museen eher selten gezeigt werden. Das Grassi-Museum für Musikinstrumente sticht da natürlich generell hervor. 2010 bis 2011 gab es allerdings dort schon einmal eine Schau in Zusammenarbeit mit dem Verein für mitteldeutsche Posaunengeschichte. Das Projekt war sehr erfolgreich; der Katalog musste ein zweites Mal aufgelegt werden – und das, obwohl das Thema ja doch recht speziell ist.

Der Verein will die Traditionen der Posaune und ihre Auswirkungen von den Anfängen bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Alles ist dabei interessant: Biografien von Musikern und Instrumentenbauern, originale Quellen, Manuskripte, Kompositionen. Und natürlich geht es um die Erfassung und Pflege der noch vorhandenen historischen Instrumente, die vor allem die Mitglieder beisteuern. „Wir haben ein Mitglied aus Bergisch-Gladbach, der besitzt über 1000 Instrumente“, erzählt Sebastian Krause, „ein anderes Mitglied aus Coburg hat ebenfalls eine große Sammlung, die vor allem aus dem Vogtland stammt.“ Auch die aktuellen Ausstellungsstücke in Markneukirchen wurden zu zwei Dritteln von Mitglieder des Vereins bereitgestellt. „Die Leute sollen sich mit diesem tollen Instrument beschäftigen, weil es sich klanglich einfach lohnt“, sagt Vereinschef Krause. „Wir wollen noch mehr Leute ermutigen, diesen romantischen Klang zu bewahren“, ergänzt Hans-Martin Schlegel, „für Brahms zum Beispiel oder für Wagner gibt es nichts Besseres.“

„Die Deutsche Posaune im Vogtland. Vogtländischer und Leipziger Posaunenbau vom Beginn um 1800 bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts“: Die Sonderausstellung ist noch bis zum 31. Oktober im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen zu sehen. Es ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. www.museum-markneukirchen.de

Von Björn Meine

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