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Leipzigerin besucht Flüchtlingslager bei Kobane

Leipzigerin besucht Flüchtlingslager bei Kobane

"So viele Flüchtlinge am gleichen Ort zu sehen, ist schockierend, aber Syrien ist schon längst zur größten humanitären Katastrophe unserer Zeit geworden. Seit mehr als drei Jahren sind große Teile der syrischen Bevölkerung auf der Flucht - erst vor dem Regime und nun, wie in Kobane, auch vor dem IS", sagt Sophie Bischoff, die im Rahmen ihrer Arbeit für das Projekt "Adopt a Revolution" eine Woche vor Ort verbrachte.

Die 26-jährige Leipzigerin ist keine Anfängerin. 2011 war die Arabistik-Studentin, die fließend Arabisch spricht, bereits in Syrien, als der syrische Frühling begann.

Ziel ihrer jüngsten Reise in die Türkei war es, Partner zu treffen. "Es ging speziell um eine Gruppe von Studenten aus Kobane, mit denen wir seit Langem arbeiten", erklärt Bischoff. "Leider sind sie jetzt selbst wegen der Lage in ihrer Stadt zu Flüchtlingen geworden." Die jungen syrischen Aktivisten gehören der Union Kurdischer Studierender in Syrien (UKSS) an. Einer Organisation, die seit diesem Jahr auch in Leipzig existiert. "Sie hatten ein Zentrum in Kobane, wo sie Ersatz-Unterricht für Kinder und Jugendliche anboten, die wegen des Krieges keinen Zugang mehr zu Bildung hatten. Mit Geld haben wir diese Initiative unterstützt", so Bischoff.

Nun sei die Frage, wie die jungen Syrer ihre Aktivitäten fortsetzen können. "Die Gruppe ist in der Türkei verstreut. Es gibt kein zentrales Flüchtlingslager, sondern mehrere Lager in der Region sowie inoffizielle Camps zwischen Häusern. Manche Flüchtlinge wohnen bei Verwandten. Deshalb ist es für die Gruppe komplizierter geworden zusammenzuarbeiten", betont die Leipzigerin. Sophie Bischoff konnte dieses Mal nur drei der 25 UKSS-Mitglieder treffen. Mangels Geld war dies den anderen nicht möglich. "Sie versuchen, aktiv zu bleiben. Aber ohne Einkommen und ohne Infrastruktur ist es schwierig. Deshalb brauchen sie nun noch mehr Unterstützung als früher", erklärt sie.

Im Flüchtlingslager sei es sehr schwierig, irgendwas zu organisieren, weil persönliche Initiative seitens der lokalen türkischen Behörden sowie der Nationalregierung Erdogans, die sich beide die Camp-Betreuung teilen, nicht gern gesehen ist. Trotzdem haben die syrischen Studenten angefangen, die Kinder und Jugendlichen im Flüchtlingslager Ali Kur zu zählen. Mit Block und Kuli gehen sie von Zelt zu Zelt und notieren Namen und Alter. In einem Video, das Sophie Bischoff vor Ort machte, erklärt das UKSS-Mitglied Ahmed Shekho, dass seine Waffe nun der Stift sei. "Wir haben bisher keine Waffe getragen und werden uns auch nicht bewaffnen. Wir werden uns weiterhin um die nächste Generation kümmern, die derzeit keinen Zugang mehr zu Bildung hat", sagte der 22-jährige Syrer. Sein Ziel: Eine Ersatzschule im Flüchtlingscamp anzubieten. Sein Traum: Eine aufgeklärte und gebildete Generation aufzubauen, die sich von Extremismus, Rassismus und Diskriminierung distanziert. Um dies zu verwirklichen, werden die syrischen Aktivisten im Exil nicht aufgeben. Mit ihren deutschen Unterstützern machen sie weiter.

Mehr Fotos und ein Interview mit Sophie Bischoff unter www.lvz-online.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.11.2014

Bruzat, Adeline

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