Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipzigerin besucht Flüchtlingslager bei Kobane
Leipzig Lokales Leipzigerin besucht Flüchtlingslager bei Kobane
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:14 02.11.2014

Die 26-jährige Leipzigerin ist keine Anfängerin. 2011 war die Arabistik-Studentin, die fließend Arabisch spricht, bereits in Syrien, als der syrische Frühling begann.

Ziel ihrer jüngsten Reise in die Türkei war es, Partner zu treffen. "Es ging speziell um eine Gruppe von Studenten aus Kobane, mit denen wir seit Langem arbeiten", erklärt Bischoff. "Leider sind sie jetzt selbst wegen der Lage in ihrer Stadt zu Flüchtlingen geworden." Die jungen syrischen Aktivisten gehören der Union Kurdischer Studierender in Syrien (UKSS) an. Einer Organisation, die seit diesem Jahr auch in Leipzig existiert. "Sie hatten ein Zentrum in Kobane, wo sie Ersatz-Unterricht für Kinder und Jugendliche anboten, die wegen des Krieges keinen Zugang mehr zu Bildung hatten. Mit Geld haben wir diese Initiative unterstützt", so Bischoff.

Nun sei die Frage, wie die jungen Syrer ihre Aktivitäten fortsetzen können. "Die Gruppe ist in der Türkei verstreut. Es gibt kein zentrales Flüchtlingslager, sondern mehrere Lager in der Region sowie inoffizielle Camps zwischen Häusern. Manche Flüchtlinge wohnen bei Verwandten. Deshalb ist es für die Gruppe komplizierter geworden zusammenzuarbeiten", betont die Leipzigerin. Sophie Bischoff konnte dieses Mal nur drei der 25 UKSS-Mitglieder treffen. Mangels Geld war dies den anderen nicht möglich. "Sie versuchen, aktiv zu bleiben. Aber ohne Einkommen und ohne Infrastruktur ist es schwierig. Deshalb brauchen sie nun noch mehr Unterstützung als früher", erklärt sie.

Im Flüchtlingslager sei es sehr schwierig, irgendwas zu organisieren, weil persönliche Initiative seitens der lokalen türkischen Behörden sowie der Nationalregierung Erdogans, die sich beide die Camp-Betreuung teilen, nicht gern gesehen ist. Trotzdem haben die syrischen Studenten angefangen, die Kinder und Jugendlichen im Flüchtlingslager Ali Kur zu zählen. Mit Block und Kuli gehen sie von Zelt zu Zelt und notieren Namen und Alter. In einem Video, das Sophie Bischoff vor Ort machte, erklärt das UKSS-Mitglied Ahmed Shekho, dass seine Waffe nun der Stift sei. "Wir haben bisher keine Waffe getragen und werden uns auch nicht bewaffnen. Wir werden uns weiterhin um die nächste Generation kümmern, die derzeit keinen Zugang mehr zu Bildung hat", sagte der 22-jährige Syrer. Sein Ziel: Eine Ersatzschule im Flüchtlingscamp anzubieten. Sein Traum: Eine aufgeklärte und gebildete Generation aufzubauen, die sich von Extremismus, Rassismus und Diskriminierung distanziert. Um dies zu verwirklichen, werden die syrischen Aktivisten im Exil nicht aufgeben. Mit ihren deutschen Unterstützern machen sie weiter.

Mehr Fotos und ein Interview mit Sophie Bischoff unter www.lvz-online.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.11.2014

Bruzat, Adeline

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Leipzigs ist die Wohnkostenbelastung pro Haushalt in den vergangenen zwei Jahren leicht gesunken. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des größten deutschen Internet-Vermietungsportals Immobilien-Scout24 hervor.

02.11.2014

Die Senioren der Leipziger CDU haben den geplanten Verkehrsentwicklungsplan der Stadt kritisiert. Besonders an der Förderung des Fahrradverkehrs stößt sich Konrad Riedel, Kreisvorsitzender der Senioren-Union.

02.11.2014

Ungewöhnlich mild hat der November in Sachsen begonnen. In Leipzig wurde für den 2. November mit 18,3 Grad Celsius ein neuer Rekordwert gemessen. Bisher lag der Höchstwert für diesen Tag bei 17,2 Grad, erreicht im Jahr 1968, so der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Leipzig auf Nachfrage von LVZ-Online.

02.11.2014
Anzeige