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Leipzigerin lebt auf Island ihren Traum von der Arbeit mit Walen

Orcas im Blick Leipzigerin lebt auf Island ihren Traum von der Arbeit mit Walen

Island ist in den vergangenen Jahren vom Finanz-Krisenland zu einem europäischen Tourismusmagneten geworden. Die Leipzigerin Marie Mrusczok zog vor drei Jahren auf die Insel aus Feuer und Eis. Mittelpunkt ihres Lebens: Orcas.

Marie Mrusczok arbeitet als Guide für Walbeobachtungstouren im isländischen Grundarfjördur.

Quelle: Anton Zirk

Grundarfjördur.  Der kalte Wind zwickt in die Wangen, Wellen schütteln das kleine Schiff durch, salzige Fontainen schießen auf das Deck. „Jetzt kommt der Teil, bei dem auch die Crew Spaß hat“, scherzt Marie Mrusczok in ihrem schwarz-gelben Wärmeanzug. Die 29-Jährige leitet als Guide Wahlbeobachtungstouren in Grundarfjördur, einem knapp 900 Einwohner großen Fischerdorf an der Westküste Islands.

„Es ist Winter, es ist Island“

An diesem verregneten und stürmischen Winternachmittag hat sich über die Hälfte ihrer 30 Passagiere bereits in den Innenraum der Láki II verzogen. Das stärker werdende Schaukeln fordert seinen Tribut. Jedoch nicht bei Marie: „Es ist Winter, es ist Island. Da wird es schon mal ein bisschen rauer auf der See.“ An das extreme Wetter, die Dunkelheit in dieser Jahreszeit und die Turbulenzen auf dem Wasser hat sich Marie längst gewöhnt. Island ist ihr neues Zuhause.

Vor drei Jahre ist Marie Mrusczok nach Grundarfjördur auf Island gezogen. In dem knapp 900 Menschen großen Ort arbeitet sie als Guide und Walschützerin mit Orcas.

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Das alte liegt in Leipzig. Noch heute wohnen die Mrusczoks, Maries Eltern, in Gohlis. Der geeignete Ort für eine Walschützerin ist das mitteldeutsche Flachland jedoch nicht. „Orcas waren schon früh meine Lieblingstiere. Als Kind habe ich Free Willy geschaut. Da war es um mich geschehen“, erinnert sich Marie. Seit Januar 2014 ist ihr Traum Wirklichkeit. Etwa 200 Tage im Jahr begleitet sie Touristen aus aller Welt aufs Meer, jeweils drei bis vier Stunden, bei (fast) jedem Wetter. Erklären, Hinweise geben und – wie heute – auch mal Tüten verteilen, aus Papier versteht sich, biologisch abbaubar. Die Seekrankheit ist für niemanden ein Vergnügen, aber der Kontakt zu den Orcas wiegt einiges auf.

Ein langer Weg

Marie lebt ihr Hobby und hat für diesen Luxus viel investiert. Nach dem Abitur am Friedrich-Schiller-Gymnasium studierte sie an der Universität Leipzig Ostslawistik, danach Europastudien im Master. „Ich habe mich auf internationales Recht und Europarecht spezialisiert“, erklärt sie. Ihre Abschlussarbeit dreht sich um Wal- und Delfinschutzrecht. Passend. Dank eines Stipendiums konnte sie 2010 zwei Trimester in Kanada studieren und arbeitete auf Vancouver Island im Anschluss das erste Mal auf einem Boot. Praktika im Norden Islands und in Schottland folgten – alles unbezahlt, aber die Wale immer im Blick. Oft habe sie großes Glück gehabt, sei sie zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen, sagt Marie. Das Risiko habe sich gelohnt: „In diesem Bereich ist es fast egal, was du studierst. Manche Dinge lernst du nicht an der Uni. Du musst die Wale identifizieren und unterscheiden können, Hydrophon-Aufnahmen machen.“ Mit dem Gerät, das auch als Unterwassermikrofon bezeichnet wird, lassen sich die Gesänge der Orcas aufzeichnen.

Erfahrung und ein geschärfter Blick

Die Erfahrung kommt Marie nun zu Gute, denn ihre Arbeit als Guide ist nur die halbe Miete. Sie führt Buch über „ihre“ Wale, erkennt sie an Finne (Rückenflosse) und Sattel (Rücken). Ein geschärfter Blick macht es möglich. 380 Exemplare haben sie und ihre Kollegen rund um die Halbinsel Snaefellsnes bereits identifiziert. Nach zwei Stunden auf dem Wasser zeigt sich einer von ihnen allein vor dem Beobachtungsboot. Die Kameras klicken im Akkord. „Eigentlich sind sie sehr soziale Tiere. Nur für die Paarung verlassen männliche Orcas die Gruppe. Dieses Exemplar ist schon seit einiger Zeit im Gebiet unterwegs“, meldet sich Marie über die Lautsprecher zu Wort. Obwohl sie den Wal schon kennt, macht sie Fotos und Notizen.

Sparen für das große Ziel

Die Daten braucht Marie für „Orca Guardians Iceland“, eine unabhängige Schutzorganisation für Schwertwale, die sie im Mai 2016 ins Leben gerufen hat: „Wir führen Katalog über die Sichtungen, reden mit Touristen und Einheimischen über die Plastikverschmutzung der Meere, arbeiten mit Schulklassen“, erklärt die Gründerin. Wenn möglich, will sie außerdem ein „Stranding-Netzwerk“ aufbauen, „um den Tieren wirklich zu helfen“, wie Marie es beschreibt. Die Idee: Lokale Akteure werden verknüpft, geschult und ausgerüstet, um schnell handeln zu können, wenn Wale an den Küsten stranden – ein Fall, der wegen der Verschmutzung der Meere häufiger eintritt als früher. Denn immer wieder verenden Tiere an Plastikresten in ihren Mägen.

Marie erklärt: „Wenn es passiert, muss alles ganz schnell gehen und jeder wissen, was zu tun ist.“ Doch das kostet: „Die Mitglieder von Orca Guardians bekommen kein Geld, machen alles ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Die Spenden und Einnahmen aus unseren Walpatenschaften werden komplett für das Netzwerk gespart.“

Einsam wird es nicht

Leipzig vermisse sie bei all der Arbeit nicht wirklich, sagt Marie, auch weil ihr Natur und Ruhe lieber seien, als der Trubel in der Stadt. Zudem habe der Island-Hype einen großen Vorteil: „Jeder will hier herkommen. Um meine Freunde und Familie zu sehen, muss ich eigentlich nicht weg. Ich habe ständig Besuch.“

Weitere Information zu Maries Schutzorganisation „Orca Guardians Iceland“ finden Sie hier.

Von Anton Zirk

grundafjördur 64.924669 -23.260406
grundafjördur
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