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Lokales Leipzigerinnen erfinden ein Fahrradschloss aus Stoff – härter als Stahl und (fast) unknackbar
Leipzig Lokales Leipzigerinnen erfinden ein Fahrradschloss aus Stoff – härter als Stahl und (fast) unknackbar
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17:20 18.09.2017
Suse Brand (links) und Alexandra Baum. Quelle: Fotos: Bertram Bölkow
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Leipzig

Mehr als 9600 Fahrräder wurden im vergangenen Jahr in Leipzig als gestohlen gemeldet. Bundesweit ist nur in Münster die Wahrscheinlichkeit höher, Opfer von Fahrraddieben zu werden. Da klingt diese Vorstellung geradezu verheißungsvoll: ein Fahrradschloss aus Stoff, das von einem Dieb nur dann zu knacken ist, wenn er sehr viel Zeit und schweres Gerät mitbringt. Einem herkömmlichen Stahlschloss überlegen, da es leicht ist, handlich und auch noch schön anzuschauen.

Genau dieses Schloss gibt es. Entwickelt wurde es vom Leipziger Start-up „tex-lock“. Eine der Gründerinnen ist Alexandra Baum, Designerin, Radfahrerin und erfahrene Produktentwicklerin unter anderem für die Automobilindustrie. Zusammen mit Suse Brand, die in Halle Textildesign studiert hat, entwickelte sie innerhalb von zwei Jahren dieses revolutionäre Schloss.

Das bestehe aus einem Mehrlagenaufbau aus Hochtechnologiefasern, deren Performance sich auch schon in Automobil- oder Raumfahrtanwendungen bewährt habe, erklärt Alexandra Baum. „Jede Lage hat eine eigene Funktion. Eine ist schnittfest, eine weitere feuerfest und so weiter. Die Lagen sind so kombiniert, dass ein Dieb lange bräuchte, um sie mit den üblichen Methoden wie beispielsweise mit einem Bolzenschneider zu zerstören.“

Das Seil hat in zahlreichen Belastungstests Angriffen mit Feuer, Schnitt- und Schlagwerkzeugen mehrere Minuten lang standgehalten. Natürlich, gibt Alexandra Baum zu, sei letztlich kein Schloss
der Welt hundertprozentig sicher: „Jedes Schloss ist kleinzukriegen.“ Gelegenheitsdiebstähle aber würden mit dem „tex-lock“ erschwert.

An den Enden des Seils sind Ösen aus gehärtetem Stahl angebracht zum Befestigen von Bügel- oder Vorhängeschlössern. Diese müssen extra angebracht werden und sind vielleicht die Schwachstelle des Konstrukts. Das gute Seil nützt schließlich wenig, wenn es mit einem billigen Schloss gesichert wird. Die Empfehlung der Gründerinnen ist, ein Mini-Bügelschloss zu verwenden, das mit bestellt werden kann.

350 Gramm wiegt ein Meter Seil; es ist weich, klappert und kratzt nicht, und es ist in vielerlei Farbkombinationen herstellbar. Besonders geeignet, sagt Alexandra Baum, sei es für Alltagsradler und für sportliche Radler aufgrund des geringen Gewichtes sowie für Familien. Immerhin lassen sich mit der längsten Variante – drei gibt es – von 1,80 Meter auch gut Fahrradanhänger anschließen.

In einer Kickstarter-Kampagne hat das Start-up Anfang des Jahres innerhalb von nur 47 Tagen knapp 280 000 Euro eingesammelt. Durch die Auszeichnung mit dem „brandnew-Award“ auf der Internationalen Sportmesse Ispo in München wuchs das Interesse am „tex-lock“ enorm. Rund 4000 Vorbestellungen dafür sind bereits eingegangen, ab Oktober soll dann ausgeliefert werden. „Die Produktion ist in Vorbereitung“. Das Seil und alle Komponenten, so Alexandra Baum, werden in Deutschland produziert, die Produkte in Leipzig zusammengefügt und verpackt. 89 Euro kostet das kürzeste Seil von 80 Zentimetern Länge, 99 die mittlere Größe und 120 Euro die XL-Variante. Hinzu kommen die Kosten für das Vorhängeschloss. Vielleicht wird der Preis irgendwann sinken, aber das ist noch nicht abzusehen. Die Materialien sind teuer, die Stückzahlen noch gering, Kostenoptimierung dadurch nicht möglich. Aber schließlich ist das „tex-lock“ eine Innovation im Fahrradschlossmarkt, und Innovationen kosten. „Billig“ ist nicht das Ziel des Start-ups. „Radfahren ist für viele ein Lifestyle geworden“, sagt Alexandra Baum. Der Faktor Design würde dabei immer wichtiger.

Inzwischen denken die beiden Gründerinnen schon darüber nach, die Funktion der Seiltechnologie zu erweitern. Leitfähige Fasern sollen eingeflochten werden und so smarte Funktionen wie Alarm oder das schlüssellose Schließen ermöglichen. Und es sind weitere Einsatzzwecke denkbar, zum Abschließen von Snowboards, Laptops, Booten oder Outdoor-Equipment.

Von MICHAEL FALGOWSKI

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