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Lokales Leipzigern gelingt einzigartiger Bluttest
Leipzig Lokales Leipzigern gelingt einzigartiger Bluttest
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12:08 19.02.2018
Michaela Schaffrath (42) mit Christoph Mählmann (18) , Doreen Krüger (31) mit Sohn Emil (5) Quelle: André Kempner

Am Klinikum St. Georg wurden bereits 1000 Babys getestet.

Christoph Mählmann sieht kerngesund aus. Doch der sportliche junge Mann hat einen langen Leidensweg hinter sich. Der begann im Alter von neun Monaten. Seine Eltern wunderten sich, warum ihr Sprössling ständig unter schweren Infektionen litt. Eine Mittelohrentzündung folgte der anderen. Dazu kamen Bronchitis, später auch Lungenentzündungen. Dann die Diagnose: "Ich habe keine B-Zellen", erzählt der heute 18-jährige Abiturient. Es sind wesentliche Teile des Immunsystems, die dem Doberschützer seit Geburt fehlen und ihn so ungeschützt den Dauerangriffen durch Bakterien, Viren und Pilzen ausliefern. Um zu überleben, muss er seinem Körper lebenslang Ersatzpräparate zuführen, sogenannte Immunglobuline. Seit zehn Jahren kann er sich die Infusionen daheim selber setzen. Zwei Stunden dauert so eine Prozedur, zwei Mal pro Woche. "Ich habe das akzeptiert."

Angeborene Immundefekte sind wegen ihres uncharakteristischen Krankheitsbildes schwer zu erkennen. Ärzte, so Michael Borte, Chefarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Georg, würden oft nicht daran denken, dass hinter einer einfachen Nasennebenhöhlenentzündung ein Immundefekt stehen kann. "Viele Betroffene werden erst diagnostiziert, nachdem sie eine Ärzte-Odyssee hinter sich haben", bestätigt Gabriele Gründl, Vorsitzende der Deutschen Selbsthilfe Angeborene Immundefekte. Nicht wenige sterben, weil eine Therapie zu spät einsetzt.

Es sind Leipziger Wissenschaftler, die bei der Früherkennung nun einen großen Schritt vorangekommen sind. Das Translationszentrum für Regenerative Medizin der Uni Leipzig, das St. Georg Klinikum und das Karolinska Institut in Stockholm entwickelten einen Bluttest, der in der ersten Lebenswoche Aufklärung darüber gibt, ob ein Immundefekt vorliegt. "Dieses kombinierte T- und B-Zell-Screening ist weltwelt einzigartig", betont Borte. "Mit dem Test", so der Professor, "kann man Betroffenen bereits lange bevor erste Symptome oder schwere Organschäden auftreten, therapieren und ihnen damit viel Leid ersparen." Seit September 2012 wurden 1000 Neugeborene im St. Georg nach dem Verfahren kostenlos getestet. Finanziert wird das durch Spenden und das Land Sachsen. "Das Projekt läuft bis 2014, wird dann evaluiert", erklärt Sozialministerin Christine Clauß (CDU). "Ziel ist die Einbindung des Tests in bestehenden Screening-Programme für Neugeborene." Bislang übernehmen die Kassen bei Babys nur die Kosten für die Früherkennung von Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen. Die Kosten für den neuen Bluttest liegen noch bei drei bis vier Euro. Borte will sie "auf unter einen Euro" drücken.

Die frühzeitige Diagnose hilft nicht nur den Patienten. "Wir waren auch erleichtert", sagt Doreen Krüger, bei deren Sohn die Ärzte mit einem Jahr einen angeborenen Immundefekt feststellten. "Wir waren mit Emil Dauergast beim Kinderarzt und hatten mitunter das Gefühl, nicht mehr ernst genommenen zu werden." Heute ist der Fünfjährige seltener krank als andere Kinder in der Tagesstätte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2013

Staeubert, Klaus

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