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Leipzigs Ausländerbeauftragter Stojan Gugutschkow blickt auf 25 Dienstjahre im Leipziger Rathaus zurück

Leipzigs Ausländerbeauftragter Stojan Gugutschkow blickt auf 25 Dienstjahre im Leipziger Rathaus zurück

Stojan Gugutschkow war 1990 der erste der neuen Nachwende-Rathausmannschaft, der sein Amt antrat. Auf Beschluss des Runden Tisches der Stadt war gleich im Frühjahr 1990 die Stelle eines Ausländerbeauftragten geschaffen worden.

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Stojan Gugutschkow.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Bis heute steht er dem Bereich vor, später umbenannt in "Referat für Migration und Integration". In diesen Maitagen sind es genau 25 Jahre.

Gugutschkow kam einst aus Bulgarien zum Germanistikstudium nach Leipzig, lernte hier seine Frau kennen, heiratete. 1989 engagierte er sich zunächst beim Demokratischen Aufbruch, später in der SPD. "Leipzig war damals die erste ostdeutsche Kommune, die ein Ausländerbeauftragten-Referat etablierte, wenngleich die Menschen 1990 zunächst ganz andere Dinge bewegten als die Integration von Ausländern", erinnert sich der 61-Jährige. Nichtsdestotrotz sei das Thema alsbald auf den Plan getreten: Für zig DDR-Betriebe kam das Aus. Die Vertragsarbeiter aus befreundeten Ländern wurden arbeitslos. Ihre Wohnheime schlossen, sie drohten obdachlos zu werden. "Hinzu kam, dass der Bund eben begann, auch Leipzig Asylbewerber zuzuteilen. Wofür wir gar nicht gerüstet waren", sagt Gugutschkow. "Die erste Unterkunft, ein früheres Betriebswohnheim in der Liliensteinstraße, war schnell proppenvoll. Sporthallen, Zelte, Bauarbeiterwagen wurden zum Interim. Eine Situation - der aktuellen eigentlich nicht unähnlich. Nur, dass es der Stadt seither immer gelang, ohne solche Interims auszukommen!"

Lebten 1989 an der Pleiße rund 12 000 ausländische Mitbürger, schrumpfte ihre Zahl um 1990/91 zunächst auf 9000. "In den vergangenen 25 Jahren wurde Leipzig dann jedoch zu einer ethnisch, kulturell und religiös vielfältigeren Stadt - heute haben hier rund 60 000 Einwohner aus fast 170 Ländern der Welt ihre Wurzeln. Jeder neunte Leipziger hat sozusagen einen Migrationshintergrund", sagt Gugutschkow.

"Wichtiger als die Zahlen ist aber meines Erachtens die Frage, wie man mit der zunehmenden Vielfalt umgeht. Und hier hat sich die Stadt eindeutig positioniert - etwa für die grundgesetzlich garantierte freie Religionsausübung für alle Glaubensgemeinschaften, solange die religiöse Praxis nicht andere Grundrechte verletzt, sowie für einen interkulturellen Dialog und gegen jegliche Diskriminierung. Die Vielfalt zu gestalten und sie als wesentliche Ressource für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung fruchtbar zu machen, ist keine einfache, aber eine lohnende Aufgabe."

Andererseits sei da "nach wie vor eine sich offen artikulierende Ausländerfeindlichkeit, latenter Alltagsrassismus - siehe Legida". "Doch was mittlerweile auch noch nie in dieser Stadt so offenkundig war, ist das ehrenamtliche Engagement dagegen, die Mobilisierung von Menschen, die sich für Weltoffenheit und Toleranz stark machen", so der Rathaus-Mann. "Wir haben inzwischen mehr ehrenamtliche Paten für Flüchtlinge als Legida in den letzten Wochen Demonstranten auf die Straße bringt. Die wachsende Zahl der Bündnispartner stellen wir nicht zuletzt an dem immer dicker werdenden Wegweiser ,Leipzig interkulturell' oder der Beteiligung an den Interkulturellen Wochen und den Internationalen Wochen gegen Rassismus fest, bei denen Leipzig bundesweit zur Spitzengruppe gehört. Nur macht all das weniger Schlagzeilen!", sagt Gugutschkow.

In den vergangenen Jahren sei vieles im Zusammenleben selbstverständlicher geworden. "Ganz selbstverständlich ist das Miteinander allerdings noch nicht. Es bleibt auch künftig eine Herausforderung, Zuwanderung aus wirtschaftlichen, demografischen und humanitären Gründen vernünftig zu gestalten. Ich hoffe daher, dass wir, auch in der medialen Berichterstattung, von der andauernden Problematisierung von Migration wegkommen und zu einer Darstellung von Vielfalt als Normalfall übergehen."

Aus seiner Sicht würden langfristige Bemühungen vieler Partner bereits Früchte tragen: "Leipzig ist für Menschen anderer Länder anziehender geworden", sagt er. "Immer mehr Wissenschaftler, Studenten, Künstler wie Fachkräfte entscheiden sich bewusst dafür, hier zu leben und zu arbeiten. Mittlerweile haben wir rund 5000 ausländische Gewerbetreibende. Und gewachsen ist auch die Zahl der ,Deutsch-als-Zweitsprache-Klassen', wenngleich es schwierig ist, ständig weitere einzurichten", so Gugutschkow. Erschwert sei in den Schulen gelegentlich noch die Kommunikation mit den Familien. "Aber überall - in Bildungseinrichtungen und Behörden - setzt sich inzwischen die Erkenntnis durch, dass man in Richtung interkultureller Kompetenz etwas tun muss."

Alles in allem müsse Leipzig heute den Vergleich zu anderen deutschen Städten in punkto Integration in vielerlei Hinsicht nicht scheuen, findet Gugutschkow und schiebt ein leichtes "Schulterklopfen" nach: "Woran sicher auch das Referat für Migration und Integration eine Aktie hat, das sich längst etablieren konnte - strukturell, als eine eigenständige Organisationseinheit mit Querschnittsaufgaben, und inhaltlich-konzeptionell als Kompetenzzentrum für alle Fragen der Integration und des interkulturellen Zusammenlebens."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.05.2015
Angelika Raulien

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