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Leipzigs Baubürgermeisterin Dubrau will knappen Parkraum für Anwohner reservieren

Leipzigs Baubürgermeisterin Dubrau will knappen Parkraum für Anwohner reservieren

Leipzigs neue Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) sorgt für Wirbel: Autofahrer sollen ihr Mobilitätsverhalten überdenken und Alternativen suchen, fordert sie.

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Dorothee Dubrau.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Im LVZ-Interview kündigt sie an, in Leipzigs Gründerzeitvierteln stärker gegen Falschparker vorzugehen. Für den Bereich rund um das Sportforum kann sie sich vorstellen, den Individualverkehr bei Großveranstaltungen ganz auszusperren.

Frage: Sie haben angekündigt, in Schleußig das Gehwegparken zu unterbinden. Wie ist der Stand der Vorbereitungen, wann geht es los?

Dorothee Dubrau:

Die Arbeiten haben begonnen, zurzeit werden Markierungen aufgebracht und Fahrrad-Bügel aufgestellt. Es muss aber weiter diskutiert werden, ob wir eine Parkraumbewirtschaftung einführen, zum Beispiel ein "Bewohnerparken". Dafür ist ein umfängliches Gutachten nötig. Das fordert der Gesetzgeber. Außerdem muss es ein Beteiligungsverfahren geben.

Manche sagen, dass ein ganzer Teil der Parker nicht aus diesem Gebiet stammt...

Für mich geht es insbesondere darum, jenen den Parkraum zur Verfügung zu stellen, die dort zu Hause sind. Darüber hinaus gibt es für andere Gruppen prinzipiell die Möglichkeit, sich einen Parkplatz mit einer Vignette zu sichern - zum Beispiel für Gewerbetreibende. Dieser Parkplatz hätte natürlich einen anderen Preis. Das steht auch für andere Stadtteile auf der Tagesordnung.

Für welche?

Für das Waldstraßen- und das Bach-Viertel zum Beispiel.

Wann könnte das Anwohnerparken in Schleußig funktionieren?

Das Anfertigen des Gutachtens dauert bestimmt ein halbes Jahr. Dafür sind auch Zählungen nötig, die relativ umfänglich sind. Anschließend müssen die Ergebnisse diskutiert werden.

Schleußiger beklagen, dass Sie zu wenig für neue Parkplätze tun.

In den meisten Gründerzeitgebieten ist das Vermehren von Straßenraum nicht möglich. Darauf muss man sich einstellen, wenn man dort wohnt.

Wie haben Sie solche Probleme in Berlin gelöst, wo Sie als Bau-Bezirksstadträtin und Städteplanerin tätig waren?

Dort sind viele Gebiete noch dichter bebaut und bewohnt als in Leipzig. Man hat allerdings nicht sieben Jahre gewartet, bis man reagiert. Die meisten Gebiete sind mit Parkraumbewirtschaftung belegt worden. Die erste Diskussion war sehr heftig, aber es hat sich inzwischen eingespielt.

Wie funktioniert das dort?

Es gibt Bereiche für reines Anwohnerparken und Bereiche mit einer Kurzparkzone. Das heißt: Es kann auch ein Auswärtiger parken - gegen Geld bis maximal drei Stunden. Wenn in Stadionnähe eine Veranstaltung stattfindet, werden die Parkgebühren wesentlich erhöht. Man zahlt dann nicht zwei Euro, sondern drei. Das wird extrem eng kontrolliert, in einigen Bereichen täglich bis 24 Uhr.

Das schwebt Ihnen für Leipzig vor?

Für die Bewohner der betroffenen Viertel ist so etwas eine große Entlastung. Der öffentliche Nahverkehr ist in Leipzig ähnlich engmaschig. Ich denke, das ist für Leipzigs Innenstadtbereiche durchaus ein Modell. Es hat sich herausgestellt, dass auch Gewerbetreibende profitieren, weil mehr Parkraum für Kunden bleibt. Das hat zu einer Belebung der Viertel geführt und zu besseren Bedingungen für die, die dort zu Hause sind. Wenn man Wohnen in der Innenstadt haben will, muss man versuchen, solche Systeme zu finden.

Wo bleiben dann die vielen Autos?

In Berlin setzen viele auf öffentlichen Nahverkehr, Leihauto und Fahrrad. Natürlich haben einige Autos. Die stehen dann irgendwo in der Umgebung in Tiefgaragen und werden nur geholt, wenn sie gebraucht werden. Es gibt so gut wie keine Familie mit Zweit- oder Drittauto.

Wie wollen Sie mit den Besucherströmen umgehen, die sich bei Großereignissen zum Sportforum bewegen? Wäre es denkbar, dass der Individualverkehr künftig ganz draußen bleiben muss?

Grundsätzlich wäre auch das möglich. Es kann nicht sein, dass die in Stadionnähe liegenden Gebiete vollgeparkt werden, dass dort die Autos auf den Gehwegen und den Grünflächen stehen. Aber man kann auch nicht einfach nur sagen: Es wird zugemacht, es kommt keiner mehr hin. Das ist keine Lösung.

Wie stellen Sie sich Leipzigs Verkehrssituation in fünf Jahren vor?

Die Funktion der Straße hat sich stark verändert. Früher wurden auf ihr vor allem Autos bewegt, jetzt wird sie zunehmend als Lebensraum wahrgenommen. Die Stadt muss darauf reagieren.

Also Autos raus aus der Stadt?

Autos sind für mich ein Teil der Stadt wie Fußgänger und Radfahrer. Die Frau mit dem Kinderwagen gehört genauso dazu wie derjenige, der mit seinen fünf, sechs Kindern im großen Van unterwegs ist. Für jeden kann es nur einen Teil des Platzes geben. Insofern müssen wir nur den extremen Autoverkehr in einigen Bereichen zurückführen und Platz schaffen für die anderen Nutzer der Straße.

Sie plädieren für die Stadt der kurzen Wege. Damit sie funktioniert, müssten Nahversorgung, Kindergärten und Schulen in unmittelbarer Wohnnähe liegen.

Wenn viele Kindergärten gebaut werden - wie zurzeit - muss das in Wohnungsnähe geschehen. Unser Grundschul-Einzugsbereich von 300 Metern kommt der Vorgabe der kompakten Stadt schon sehr nahe. Solche Entfernungen können zu Fuß bewältigt werden. Wir müssen eine viel größere kleinteilige Versorgung gewährleisten. Die Bevölkerung wird älter, manche können nicht mehr Auto fahren - oder sie können sich kein Auto leisten. Für die ist die kleinteilige Versorgung sowieso unabdingbar. Wir haben den Anspruch, dass an jedem Ort der kompakten Stadt in fußläufiger Entfernung die Möglichkeit besteht, einzukaufen. Dieser Anspruch ist Teil unseres Einzelhandelskonzeptes. Auch im Kneipen- und Kulturbereich hat sich eine Menge entwickelt. Dorthin kann man auch schnell mal in die Bahn springen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2013

Andreas Tappert, Björn Meine

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