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Leipzigs Behindertenverband (BVL): Vom Treff der Roller und Latscher zum Verein

Leipzigs Behindertenverband (BVL): Vom Treff der Roller und Latscher zum Verein

Leipzigs Behindertenverband (BVL) krönte jüngst sein 25-jähriges Bestehen mit einem Fest. Dabei währt die Sache mit der Wahrnehmung von Belangen behinderter Mitbürger schon viel länger, wie BVL-Geschäftsführer Gunter Jähnig erzählt.

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Das Plakat von Egbert Herfurt (r.) begleitet den BVL von Anfang an. Es war bereits in Japan zu einer Weltausstellung und jüngst erneut für zwei Wochen bei den LVB.

Quelle: BVL

Leipzig. "Ein Freundeskreis von ,Rollern und Latschern' traf sich bereits ab 1976 in der Evangelischen Studentengemeinde. Sie gestalteten ihre Freizeit, versuchten Barrieren zu überwinden. Sofern möglich. Barrierefreiheit war da ja noch weitgehend ein Fremdwort", sagt Jähnig. Nicht zuletzt deshalb zogen im Herbst '89 auch hiesige Rollifahrer übern Ring. "Wir sind auch das Volk", forderten sie. Eine Interessenvertretung für Behinderte schien ihnen unabdingbar - am 7. April 1990 gründete sich der BVL. Der Leitspruch: "Einander verstehen - mit- einander leben". Das Ziel: Barrierefreiheit, Mobilität. Die Weichen, so Jähnig, habe man als Teilnehmer am Runden Tisch im Rathaus stellen können.

"Gleich Anfang 1990 gab es Gespräche mit dem DRK, dem noch vorhandenen VEB Taxi und Vertretern der Stadt für einen individuellen Behindertenfahrdienst. Nichtlimitierte Fahrten zu einem angepassten Nahverkehrstarif für mobilitätseingeschränkte Personen sollten her. Bislang fuhren in Leipzig lediglich zwei Barkas 1000 mit Anlegeschienen für 65 Pfennig pro Kilometer am Tag - beziehungsweise nachts 80 Pfennig - plus 50 Pfennig Anfahrtsgebühr", weiß Jähnig noch zu gut. Neu habe man sich dann relativ fix auf 80 Pfennig pro Fahrt geeinigt. Die Taxen stiegen da aber aus. Die ersten der für einen Fahrdienst nötigen Mobile seien dann unter anderem aus Nordrhein-Westfalen gekommen, ihre Leitstelle habe das DRK organisiert. "Wir selbst fuhren ab Juli 1990 mit einem von Norbert Blüm überreichten Geschenk des Bundessozialministerium, einem Behindertenspezialfahrzeug VW LT 28, und zwei Zivildienstleistenden mit", so der BVL-Chef. Der Fuhrpark habe später reichlich Zuwachs an entsprechenden Autos erfahren. "Aber durch den Wegfall des Zivildienstes, einen nicht funktionierenden Bundesfreiwilligendienst und die Einführung des Mindestlohnes haben sich große finanzielle Probleme für den Weiterbetrieb des Dienstes aufgetan", konstatiert Jähnig, Aus seiner Sicht ließe sich der Misere einzig mit höheren Fördermitteln begegnen.

Der BVL selbst hat seit 1990 auch eine Sozialberatung etabliert, einen Stadtführer für ein barrierefreies Leipzig erarbeitet. Eine inzwischen überregional geschätzte Beratungsstelle für barrierefreies Bauen war 1991 an den Start gegangen. Hunderte Bauvorhaben im öffentlichen Bereich begleitete sie seither - etwa den Rollstuhlfahrerbadesteg am Nordstrand des Cospudener Sees. "Und auf Denkmalmessen konnten wir mit guten Lösungen - zum Beispiel am Völkerschlachtdenkmal - in Sachsen und im europäischen Ausland punkten", so Jähnig. "Unsere Beratung zur Wohnraumanpassung wurde gar zum eigenständigen Projekt samt Musterausstellung, die sich heute im Neuen Technischen Rathaus befindet - als Sächsisches Kompetenzzentrum!" Überdies machte der BVL mit einem mittlerweile preisgekrönten Lernbuchprojekt "Der kleine Löwe und seine Freunde" bis weit in den deutschsprachigen Raum hinein Furore.

Klar, eine Fülle an Veranstaltungen, Gruppentreffs und Freizeitangeboten macht heute das Vereinsleben beim BVL auch aus. Und nicht allen Vorhaben war Ewigkeit beschieden. Jähnig erinnert etwa an die Freilandschule plus Freizeit- und Begegnungsstätte am Elsterstausee, gleich 1990 als eines der ersten Projekte initiiert. "Es ging uns dort um Bildung, Umwelterziehung und Freizeit. Die damaligen Stadträte Jörg Hannes und Wolfgang Tiefensee hoben die Einrichtung mit aus der Taufe. 1500 Nutzer kamen jährlich. Doch als Fördermöglichkeiten wegbrachen, mussten zumindest wir das Objekt 2012 aufgeben."

Bestand hat indes der 1992 auf dem Gelände der Uni vom BVL initiierte "Tag der Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung". Am 17. September gibt es die 18. Auflage, inzwischen mit der Stadt als Veranstalter und unter Mitwirkung des Vereins.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Angelika Raulien

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