Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipzigs Behindertenverband (BVL): Vom Treff der Roller und Latscher zum Verein
Leipzig Lokales Leipzigs Behindertenverband (BVL): Vom Treff der Roller und Latscher zum Verein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:54 24.04.2015
Das Plakat von Egbert Herfurt (r.) begleitet den BVL von Anfang an. Es war bereits in Japan zu einer Weltausstellung und jüngst erneut für zwei Wochen bei den LVB. Quelle: BVL

"Ein Freundeskreis von ,Rollern und Latschern' traf sich bereits ab 1976 in der Evangelischen Studentengemeinde. Sie gestalteten ihre Freizeit, versuchten Barrieren zu überwinden. Sofern möglich. Barrierefreiheit war da ja noch weitgehend ein Fremdwort", sagt Jähnig. Nicht zuletzt deshalb zogen im Herbst '89 auch hiesige Rollifahrer übern Ring. "Wir sind auch das Volk", forderten sie. Eine Interessenvertretung für Behinderte schien ihnen unabdingbar - am 7. April 1990 gründete sich der BVL. Der Leitspruch: "Einander verstehen - mit- einander leben". Das Ziel: Barrierefreiheit, Mobilität. Die Weichen, so Jähnig, habe man als Teilnehmer am Runden Tisch im Rathaus stellen können.

"Gleich Anfang 1990 gab es Gespräche mit dem DRK, dem noch vorhandenen VEB Taxi und Vertretern der Stadt für einen individuellen Behindertenfahrdienst. Nichtlimitierte Fahrten zu einem angepassten Nahverkehrstarif für mobilitätseingeschränkte Personen sollten her. Bislang fuhren in Leipzig lediglich zwei Barkas 1000 mit Anlegeschienen für 65 Pfennig pro Kilometer am Tag - beziehungsweise nachts 80 Pfennig - plus 50 Pfennig Anfahrtsgebühr", weiß Jähnig noch zu gut. Neu habe man sich dann relativ fix auf 80 Pfennig pro Fahrt geeinigt. Die Taxen stiegen da aber aus. Die ersten der für einen Fahrdienst nötigen Mobile seien dann unter anderem aus Nordrhein-Westfalen gekommen, ihre Leitstelle habe das DRK organisiert. "Wir selbst fuhren ab Juli 1990 mit einem von Norbert Blüm überreichten Geschenk des Bundessozialministerium, einem Behindertenspezialfahrzeug VW LT 28, und zwei Zivildienstleistenden mit", so der BVL-Chef. Der Fuhrpark habe später reichlich Zuwachs an entsprechenden Autos erfahren. "Aber durch den Wegfall des Zivildienstes, einen nicht funktionierenden Bundesfreiwilligendienst und die Einführung des Mindestlohnes haben sich große finanzielle Probleme für den Weiterbetrieb des Dienstes aufgetan", konstatiert Jähnig, Aus seiner Sicht ließe sich der Misere einzig mit höheren Fördermitteln begegnen.

Der BVL selbst hat seit 1990 auch eine Sozialberatung etabliert, einen Stadtführer für ein barrierefreies Leipzig erarbeitet. Eine inzwischen überregional geschätzte Beratungsstelle für barrierefreies Bauen war 1991 an den Start gegangen. Hunderte Bauvorhaben im öffentlichen Bereich begleitete sie seither - etwa den Rollstuhlfahrerbadesteg am Nordstrand des Cospudener Sees. "Und auf Denkmalmessen konnten wir mit guten Lösungen - zum Beispiel am Völkerschlachtdenkmal - in Sachsen und im europäischen Ausland punkten", so Jähnig. "Unsere Beratung zur Wohnraumanpassung wurde gar zum eigenständigen Projekt samt Musterausstellung, die sich heute im Neuen Technischen Rathaus befindet - als Sächsisches Kompetenzzentrum!" Überdies machte der BVL mit einem mittlerweile preisgekrönten Lernbuchprojekt "Der kleine Löwe und seine Freunde" bis weit in den deutschsprachigen Raum hinein Furore.

Klar, eine Fülle an Veranstaltungen, Gruppentreffs und Freizeitangeboten macht heute das Vereinsleben beim BVL auch aus. Und nicht allen Vorhaben war Ewigkeit beschieden. Jähnig erinnert etwa an die Freilandschule plus Freizeit- und Begegnungsstätte am Elsterstausee, gleich 1990 als eines der ersten Projekte initiiert. "Es ging uns dort um Bildung, Umwelterziehung und Freizeit. Die damaligen Stadträte Jörg Hannes und Wolfgang Tiefensee hoben die Einrichtung mit aus der Taufe. 1500 Nutzer kamen jährlich. Doch als Fördermöglichkeiten wegbrachen, mussten zumindest wir das Objekt 2012 aufgeben."

Bestand hat indes der 1992 auf dem Gelände der Uni vom BVL initiierte "Tag der Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung". Am 17. September gibt es die 18. Auflage, inzwischen mit der Stadt als Veranstalter und unter Mitwirkung des Vereins.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Angelika Raulien

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Leipzigs Messegelände ist wieder ein Anziehungspunkt für Groß und Klein. Denn die Veranstalter der Landwirtschaftsausstellung "Agra 2015" zelebrieren in diesem Jahr mit rund 1000 Tieren und kulinarischen Spezialitäten aus Mitteldeutschland das Leben auf dem Lande und ziehen damit zahlreiche Städter an, die Freude an der Natur haben.

24.04.2015

Das für den Verbraucher sicher am Spannendste kam ganz zum Schluss des Richtfestes am Donnerstag für das Quartier D der Kunst- und Gewerbehöfe in Plagwitz. Da verriet Ulf Graichen, Geschäftsführer bei der Leipziger CG-Gruppe, wann die drei großen Gebäude unmittelbar neben der Zschocherschen Straße fertig sind und welche Geschäfte dort einziehen.

23.04.2015

Die Kleinmesse öffnet ab Freitag erstmals in diesem Jahr am Leipziger Cottaweg ihre Tore. Bis zum 17. Mai sorgen mehr als 100 Buden und Fahrgeschäfte auf dem Areal für Unterhaltung.

23.04.2015
Anzeige