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Lokales Leipzigs City-Handel: Die Hälfte des Umsatzes stammt von Auswärtigen
Leipzig Lokales Leipzigs City-Handel: Die Hälfte des Umsatzes stammt von Auswärtigen
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00:18 08.04.2016
Etwa 90 Millionen Euro hat der Bau des neuen Primark-Hauses am Leipziger Brühl gekostet. Im Untergeschoss öffnete bereits ein Rewe-City-Markt auf 1300 Quadratmetern Handelsfläche. Primark hat 9000 Quadratmeter angemietet, weist aber nur 5800 als „reine Verkaufsfläche“ aus. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Leipzigs Innenstadt zieht immer mehr Shoppingtouristen an. Recht genau die Hälfte des Umsatzes in den City-Läden wird mittlerweile mit Kundschaft erzielt, die nicht in der Messestadt wohnt. Dieser Trend dürfte durch die Eröffnung von Primark morgen um 11 Uhr noch etwas verstärkt werden, prophezeien Wissenschaftler von der Universität Bayreuth. Professor Rolf Monheim und sein Kollege Jochen Heller haben von 2010 bis Ende 2014 mehrere Befragungen von Tausenden Besuchern in der Leipziger City durchführen lassen. Soeben haben sie ihren Abschlussbericht vorgelegt – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.


Nach der Wende gab es 45 000 Quadratmeter Verkaufsflächen in der City. Seit Eröffnung der Höfe am Brühl im Herbst 2012 sind es reichlich 192 000. Das entspricht 44 Prozent der gesamten Leipziger Verkaufsflächen. Mit der Fertigstellung des Neubaus auf der Hainspitze (allein Primark hat dort 9000 Quadratmeter angemietet, weist aber nur 5800 Quadratmeter „reine Verkaufsfläche“ aus) werde nun die Marke von 200 000 Quadratmetern erreicht (trotz der vorübergehenden Schließungen im Petershof und Jägerhof). Dies sei eine Angebotsfülle, mit der sich die elf Einkaufszentren am Stadtrand oder auf der grünen Wiese nicht mehr messen können. Führend bleiben dort das Paunsdorf Center (70 000) und Nova Eventis (55 000 ohne Ikea und Höffner). Leitbetriebe in der City sind laut der aktuellen Studie die Höfe am Brühl (27 500 plus Gastronomie), Karstadt (27 000), Galeria Kaufhof (22 000), Promenaden Hauptbahnhof (18 000), Marktgalerie (12 000) und der Petersbogen (8000).


Immer mehr Anteil am Erfolg des City-Handels haben Besucher, die nicht in Leipzig wohnen. Ihr Anteil stieg von 35 Prozent im Jahr 2010 auf zuletzt 39 Prozent der Einkäufer. Da die Kundschaft von außerhalb pro Besuch fast doppelt so viel Geld in den Geschäften lässt wie die Leipziger (durchschnittlich 60 Euro), stammen von den Messestädtern nur noch 49 Prozent des Gesamtumsatzes in der City. Grundsätzlich gilt: Je weiter weg die Kundschaft wohnt, desto lockerer sitzt die Brieftasche. Eine Ausnahme sind die Höfe am Brühl, wo Leipziger mit 62 Prozent den Umsatz dominieren. Vermutlich auch, weil sie bessere Ortskenntnisse haben und daher wissen, dass die Parkgebühren in diesem Shoppingcenter (1,10 Euro pro Stunde) vergleichsweise günstig sind, schreiben die Autoren. Die Ausgaben pro Kopf hätten sich seit 2010 in der Innenstadt allerdings „kaum erhöht“ (nur um drei Euro pro Besucher). Der Bau der Höfe am Brühl habe jedoch geholfen, die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der grünen Wiese und dem Internet-Handel zu erhalten.


Wer kein Gedränge mag, sollte am Samstag eher nicht in die City gehen – dann sind dort inzwischen fast doppelt so viele Leute unterwegs wie an den Wochentagen. Grund: Von 2011 bis 2014 wuchsen die Passantenzahlen innerhalb des Ringes an den Wochentagen um 9 Prozent, samstags aber um 60 Prozent. Letzteres lasse ebenfalls auf einen starken Ausflugsverkehr schließen, weil Kundschaft mit langen Anfahrtswegen dann leichter Zeit für die Reise findet, besagt die Studie. Leipzigs City sei bei den Besucherzahlen nun an vergleichbaren Städten wie Dresden und Nürnberg vorbeigezogen. Besonders viele Menschen tummeln sich dort jeweils am Nachmittag mit Rekordwerten gegen 16 Uhr. Die Primark-Filiale mit ihren 60 Kassen werde den Trend zum Samstag-Einkauf noch verstärken (siehe Interview).

Als Hauptbesuchszweck nennen nur 32 Prozent der Befragten das Handelsangebot. Im Vordergrund stehen oft dienstliche oder private Erledigungen (26 Prozent) oder Gastronomie, Stadtbummel, Freizeit (42 Prozent mit steigender Tendenz). Der Anteil derjenigen, die dann doch spontan in Geschäfte gehen – obwohl sie das nicht geplant hatten – beträt aber bis zu 25 Prozent bei den am weitesten Angereisten. Stärkster Trumpf der City sind ihre Kombinationsmöglichkeiten: 57 Prozent der Passanten koppeln dort andere Tätigkeiten mit diversen Einkäufen. 14 Prozent kommen nur zum Shopping her, 29 Prozent schauen gar nicht in die Läden. Wer einkaufen will, besucht im Durchschnitt fünf Geschäfte. 60 Prozent der Passanten in den Höfen am Brühl suchen auch Geschäfte außerhalb des Centers auf. Insgesamt erreicht die City hohe Zufriedenheitswerte – vor allem wegen ihres Stadtbildes, des Flairs und der kurzen Wege. Von 2010 bis 2014 stieg der Anteil der Befragten, die alles wunderbar finden, um fünf Punkte auf 37 Prozent. Die früher oft zu hörende Kritik an zu vielen Baustellen hat sich auf 12 Prozent mehr als halbiert.

Obwohl die Daten durch den Lokführer-Streik im Herbst 2014 verzerrt wurden, ging der Anteil der Anreisenden mit dem Auto seit 2010 leicht zurück: von 31 auf 30 Prozent. Rätselhaft blieb den Autoren, weshalb die Autofahrer immer seltener kostenpflichtige Parkhäuser nutzen (seit 2010 sank der Wert um 8 Punkte auf 48 Prozent). Im gleichen Zeitraum kamen aber allein durch die Höfe am Brühl 820 Parkhaus-Stellplätze hinzu. 2010 sagten noch 16 Prozent der Autofahrer, sie hätten ihren Wagen gratis am Straßenrand geparkt. 2014 sagten dasselbe schon 20 Prozent. (Die Hälfte von ihnen stellte das Auto den Angaben zufolge gratis innerhalb des Ringes ab, obwohl es damals dort nur sieben Gratis-Stellplätze gab. Heute sind diese komplett weg.)

Eine Anreise per Bahn lag im Sommer 2014 (also ein halbes Jahr nach Eröffnung des City-Tunnels) bei den Umlandbewohnern hoch im Kurs: 36 Prozent und damit gut doppelt so viele Personen wie im Sommer 2010 wählten dieses Verkehrsmittel. Durch den Lokführer-Streik brach der Wert aber wieder ein und erholte sich auch später nicht völlig. Indes legten die Fußgänger und Radfahrer unter den City-Besuchern beständig zu: um je 2 Punkte auf zuletzt insgesamt 27 Prozent. Finanziert wurden die unabhängigen Forschungen durch MfI, den Eigentümer der Höfe am Brühl, und durch die Stadt Leipzig.

Von Jens Rometsch

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