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„Leipzigs City-Tunnel ist super geworden“

Trotzdem wird nachjustiert „Leipzigs City-Tunnel ist super geworden“

Viele haben den Bau des City-Tunnels kritisch gesehen – jetzt sind alle froh, dass es ihn gibt. Optimal ist das neue System aber noch lange nicht. Gefordert werden Verbesserungen bei der Fahrradmitnahme, bei der Pünktlichkeit und bei der Leistungsfähigkeit.

Die Tunnelstation unter dem Leipziger Markt ist stark frequentiert.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.

 

Wenn Wolfgang Grahl auf Leipzigs City-Tunnel zu sprechen kommt, gerät er manchmal in Rage. „Ich habe immer wieder erlebt, wie Leute auf das Projekt schimpften, weil sie das Gesamtsystem nicht verstanden“, erzählt der 86-Jährige. „Dabei ist der City-Tunnel super geworden. Er ist sogar das Beste, was in Leipzig nach der Wende auf dem Gebiet des Verkehrs entstanden ist – und zwar mit großem Abstand.“

Der Sellerhäuser weiß, wovon er redet. Zu DDR-Zeiten war er 25 Jahre Leiter des Büros für Verkehrsplanung des Bezirkes Leipzig. In dieser Zeit hat Grahl mehrere Anläufe zum Bau eines S-Bahn-Tunnels unter der City erlebt. „In den 1960er-Jahren kamen Leute vom DDR-Verkehrsministerium und wollten unbedingt den Tunnel. 1980 ging das alles noch einmal los: Wir mussten Zeichnungen und Kostenrechnungen anfertigen und innerhalb von vier Wochen riesige Mengen von Plänen erstellen. Aber zum Schluss versandete das Projekt – wie alles, was viel Geld kostete.“

Der City-Tunnel und seine netzergänzenden Maßnahmen haben in der Tat viel Geld gekostet. Mit fast einer Milliarde Euro wurde der Bau beinahe doppelt so teuer wie geplant. Hat sich diese Riesen-Investition gelohnt?

Im Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) besteht daran kein Zweifel. Belegt wird dies dort auch mit Zahlen (siehe Grafik). Insgesamt erhöhte sich die Anzahl der Fahrgäste, die montags bis freitags die neue Mitteldeutsche S-Bahn nutzten, von täglich 57 765 (2014) auf 60 421 (2015). „Und dieser Trend setzt sich fort“, sagt Kai Emanuel, ZVNL-Vorsitzender und nordsächsischer Landrat.

Auf der Verbindung Leipzig – Halle klagen bereits Fahrgäste über Kapazitätsengpässe, zum Beispiel während der Buchmesse in diesem Jahr (die LVZ berichtete). Der ZVNL führt die übervollen Züge auf die laufenden Bauarbeiten in Halle zurück. Dadurch könnten in der Frühspitze nur drei statt der eigentlich vorgesehenen vier Fahrten in Richtung Halle stattfinden, heißt es.

Im Verband wird auch dem Eindruck widersprochen, das neue S-Bahn-System stoße bereits an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. „Das neue Netz wurde zwar vor zehn Jahren geplant, als Leipzig noch schrumpfte“, sagt ZVNL-Planer Bernd Irrgang. „Aber es gibt heute noch eine Reserve von etwa 30 Prozent im Gesamtsystem.“ Auf stark frequentierten Linien wie denen zwischen Leipzig und Halle sei dieser Puffer etwas geringer, aber immer noch vorhanden.

Vielen Fahrgästen sind die S-Bahnen zu unpünktlich. Beim ZVNL heißt es dagegen, rund 95 Prozent der Züge seien „pünktlich“. Der Grund: Als pünktlich werden im Bahnverkehr auch noch Fahrten mit einer Verspätung von 300 Sekunden gewertet – also stattliche fünf Minuten. Interne Statistiken belegen allerdings, dass die S-Bahnen pünktlicher werden. Danach liegen in diesem Jahr bislang die Züge auf der Linie S 1 am besten im Fahrplan (97,7 Prozent), gefolgt von der S 5 (94,1 Prozent), der S 4 (93,7 Prozent), der S 2 (93,2 Prozent), S 3 (91,1 Prozent) und der S 5x (91 Prozent). „Wir werden noch besser werden, wenn Ende 2018 die letzten großen Baustellen im Netz geschafft sind“, meint Irrgang.

Ein großes Ärgernis ist nach wie vor die Fahrradmitnahme. Weil Räder in der Mitteldeutschen S-Bahn kostenlos befördert werden, reichen die Stellflächen häufig nicht aus. Einige Fahrgäste fordern bereits den Abbau von Klappsitzen in diesen Bereichen. Der ZVNL hält davon nichts. „Unsere Hauptaufgabe ist es, Menschen zu befördern“, erklärt Bernd Irrgang.

Nach Lösungen wird trotzdem gesucht. Aktuell lässt der ZVNL den Bedarf bei der Fahrradmitnahme ermitteln. Damit diese Zahlen nicht weiter steigen oder sogar sinken, wird intern über Anreize für den Verzicht auf die Fahrradmitnahme nachgedacht. Einzelheiten seien noch nicht spruchreif, heißt es. Verlautbart wird nur: Es werde darüber mit den Leipziger Verkehrsbetrieben und der Deutschen Bahn verhandelt. Auch eine Aufkleber-Aktion ist im Gespräch, um bei den Fahrradfahrern mehr Verständnis für Mütter mit Kinderwagen zu wecken, mit denen sich diese die knappen Stellflächen teilen müssen.

Um die Kapazitäten zu erhöhen, könnten theoretisch auch längere S-Bahn-Züge eingesetzt werden. Doch dies ist wegen der Bahnsteiglängen von 140 Metern im City-Tunnel nicht praktizierbar. Auch die Option, neue Züge mit mehr Plätzen anzuschaffen, ist bei einem Zug-Preis von 3,5 Millionen Euro nur theoretischer Natur. „2025 steht die Flotte ohnehin zur Neuvergabe an“, sagt ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch. „Vier bis fünf Jahre früher schauen wir uns die Fahrgastzahlen an und werden bei Bedarf Neufahrzeuge ausschreiben. Bis 2025 wird unser S-Bahn-System nicht überlastet.“

Es laufen auch Planungen für den Bau neuer Haltestellen. Ende 2018 soll unter Federführung der DB Netz AG der neue Stopp Mockauer Straße entstehen; der neue Haltepunkt Essener Straße ist für Ende 2017 vorgesehen. Noch keinen Termin gibt es für den geplanten Haltepunkt Radefeld/Güterverteilzentrum. „Aber mit täglich 2000 Ein- und Aussteigern ist die Förderfähigkeit kein Problem“, sagt Mietzsch. Der Freistaat hat inzwischen angekündigt, zusammen mit Partnern die verkehrliche Erschließung des Areals mit Straßen und Schienen untersuchen zu lassen.

reduzieren, meint ZVNL-Vorsitzender Kai Emanuel mit Blick auf Pläne für eine Zusammenlegung. Aber aufgrund der speziellen rechtlichen Konstruktion seines Verbandes sei es praktisch unmöglich, den ZVNL aufzulösen. „Ich gehe fest davon aus, dass der Mitteldeutsche Verkehrsverbund und der ZVNL bestehen bleiben“, so der nordsächsische Landrat. „Ich finde, wir sollten weiter selber entscheiden, wo in unserer Region die Züge und S-Bahnen fahren. Das kann Dresden nicht so gut wie wir vor Ort.“

Von Andreas Tappert, Martin Pelzl

Leipzig, Emilienstraße 15 51.3317732 12.3764044
Leipzig, Emilienstraße 15
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