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Lokales Leipzigs Einwohnerwachstum schwächt sich ab
Leipzig Lokales Leipzigs Einwohnerwachstum schwächt sich ab
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00:19 16.08.2017
Mit einem Einwohnerplus von 11 684 Personen lag Leipzig 2016 unter der Minimalprognose der Stadt. Diese Grafik zeigt die jährlichen Wachstumsannahmen. Quelle: Patrick Moye
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Leipzig

Ist der große Boom bald vorbei? Leipzigs Einwohnerwachstum scheint sich immer mehr abzuschwächen. Im zweiten Quartal 2017 stieg die Zahl der Messestädter nur noch um 1266 auf insgesamt 583 543 Einwohner mit Hauptwohnsitz in Leipzig, geht aus dem Melderegister des Ordnungsamtes hervor. So niedrig fiel die Steigerung schon lange nicht mehr aus.

Auch im ersten Quartal 2017 lieferte die Statistik keinen Höhenflug mehr – obwohl der Wert mit 2747 Personen da noch etwas besser aussah. Unterm Strich steht für das erste Halbjahr 2017 also ein Einwohnerwachstum von 4013 Personen. Das waren rund 1000 weniger als im ersten Halbjahr 2016. Zieht man von den 4013 auch noch die etwa 940 Fälle ab, bei denen Bürger ihren Nebenwohnsitz zum Hauptwohnsitz in Leipzig umgemeldet haben, bleibt ein reales Plus von 3073.

Flaute im vergangenen Jahr

Wie berichtet, hatte im vergangenen Jahr eine leichte Flaute eingesetzt. Mit 11 684 hinzugekommenen Leipzigern lag der Wert zwar weiter auf hohem Niveau, aber deutlich unter dem Rekordjahr 2015. Damals – auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise – war die Zahl der Messestädter um 15 975 gestiegen. Unter dem Eindruck der atemberaubenden Entwicklung hatte die Stadtverwaltung im April 2016 eine neue Bevölkerungsprognose vorgestellt. Sie wurde mit Hilfe externer Wissenschaftler erarbeitet, bestimmt seither die Planungen der Kommune. Bis zum Ende des Jahres 2030 könnte demnach die Zahl der Leipziger in der Maximalvariante auf 722 000 steigen, in der Minimalvariante auf 675 000, so die Schätzung (siehe Grafik). „Wir sollten uns darauf einstellen, dass wir ab dem Jahr 2030 mehr als 700 000 Einwohner haben werden“, frohlockte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zur Präsentation dieser Prognose.

Doch das sei schon damals eher unrealistisch gewesen, sagt Professor Harald Simons vom renommierten Berliner Forschungsinstitut Empirica. Er ist der Erfinder der Schwarmstadt-Theorie, bezeichnet sich selbst als „großen Leipzig-Optimisten“ und saß damals mit im Kreise der Wissenschaftler, die die Prognose erstellten. Am Ende des fachlichen Meinungsstreits habe es eine Abstimmung gegeben. Die Anhänger der Maximalvariante, zu denen er nicht gehörte, stellten damals die Mehrheit, erinnert sich Simons.

Zuzug aus Quellgebieten lässt nach

„Über 700 000 – das habe ich immer für absurd gehalten. Richtig ist jedoch, dass Leipzig auch in Zukunft auf hohem Niveau wachsen wird“, sagt der Professor. Aufgrund der Alterspyramide in der Stadt, die durch ein Geburtentief nach der Wende eine ungewöhnliche Form erhielt, würden die Zuwachsraten allmählich sinken. Auch lasse der Zuzug aus den wichtigsten Quellgebieten – den ländlichen Regionen Mitteldeutschlands – immer mehr nach, weil dort schon viele junge Leute in die Schwarmstädte abgewandert seien. Teilweise werde dies ausgeglichen, weil Metropolen wie Berlin oder München für Studenten, Azubis oder Berufsstarter inzwischen zu teuer sind. „Wer vor fünf Jahren aus einer Kleinstadt nach Berlin zog, zieht nun ins günstigere Leipzig.“

Die niedrigen Wachstumsraten im ersten Halbjahr 2017 erklärt Simons auch mit einem „Echo-Effekt“, der auf jede Flüchtlingswelle folge. Ein Teil der Betroffenen wandere weiter in andere Regionen oder Staaten oder kehre in die Heimat zurück. „Wegen des Echo-Effekts dürfte Deutschland in diesem Jahr sogar einen negativen Saldo bei der Flüchtlingswanderung haben.“ Hinzu komme, dass sich die Wirtschaftslage in den Krisenländern Europas verbessere. Dadurch verringere sich der Zuzug europäisch-stämmiger Ausländer.

Insgesamt rechnet der Fachmann für Leipzig im laufenden Jahr mit einem Einwohner-Plus von etwa 10 000 Leuten. „Im Herbst geht es immer hoch.“ Allerdings würden selbst diese 10 000 noch unter der Minimalprognose der Stadt liegen. Schon 2016 wurde deren Grenze knapp verfehlt.

Von Jens Rometsch

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