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Lokales Leipzigs Gästetaxe benachteiligt Geringverdiener
Leipzig Lokales Leipzigs Gästetaxe benachteiligt Geringverdiener
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23:03 06.07.2018
Auch das Hafengelände am Pier 1 des Cospudener Sees lockt immer mehr Touristen an – zur Freude des Leipziger Stadtkämmerers. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Kritik, aber auch Zustimmung gab es gestern für die Pläne zur Einführung einer neuen Gästetaxe, mit der die Stadt ab Januar von Leipzig-Besuchern drei Euro pro Person und Tag fordern will (die LVZ berichtete). FDP-Stadtrat René Hobusch nannte das Vorhaben einen steuerpolitischen Offenbarungseid. „Ich glaube nicht daran, dass die Gästetaxe die Entwicklung touristischer Infrastruktur erleichtern soll“, erklärte er. „Ich bin überzeugt, die zusätzlichen rund neun Millionen Euro jährlich werden einfach im großen Topf versickern." Der Liberale hält die Gästetaxe zudem für ungerecht, „denn sie wird angesichts knapper werdenden Wohnraums zu Semesterbeginn für neu in die Stadt kommende Studenten, die vielleicht erst mal ein paar Tage oder Woche in ein Hostel gehen müssen, genauso anfallen, wie für den Geschäftsreisenden, der im Steigenberger absteigt“. Hobusch: „Das ist schlichtweg asozial.“ Kritik übt er auch am Zeitpunkt der Vorlage, die am Donnerstag im Neuen Rathaus erstmals öffentlich vorgestellt wurde. „Kaum sind die Stadträte in der Sommerpause, kommt Finanzbürgermeister Bonew damit um die Ecke“, so der FDP-Stadtrat. „Eine Diskussion ist damit nahezu nicht möglich, wenn bereits im August der Stadtrat darüber entscheiden soll."

„Geringverdiener zahlen den 25-fachen Satz“

Auch betroffene Unternehmer wie Alexander Grothe vom Central Globetrotter Hostel in der Kurt-Schumacher-Straße 41 kritisieren die Vorlage. Sein Hostel beherberge hauptsächlich junge Gäste der Stadt – teilweise schon für elf bis zwölf Euro pro Nacht im Achtbettzimmer, zum Beispiel Kinder auf Klassenfahrten. „Diese sollen nun etwa 25 Prozent Aufschlag zur Übernachtung zahlen“, mailte er an das Rathaus und die LVZ. Bei zahlungskräftigen Gästen, die im Steigenberger Hotel 300 Euro pro Nacht zahlten, mache die neue Taxe dagegen nur zusätzlich ein Prozent aus. „Gern hätten wir nun gewusst, warum Sie vor allem Kinder und Jugendliche und Gäste mit etwas weniger Budget prozentual mit dem 25-fachen Satz belasten und damit alles dafür tun, Klassenfahrten künftig aus Leipzig fernzuhalten“, schreibt er.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig begrüßt, dass die Taxe zweckgebunden für touristische Infrastrukturmaßnahmen und touristisches Marketing verwendet werden soll. Für die Beherbergungsbetriebe müsse der bürokratische Aufwand auf ein Minimum beschränkt werden, forderte Vize-Hauptgeschäftsführerin Rita Fleischer. Andreas Tappert

Von Andreas Tappert

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