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Leipzigs Gewässernetz bekommt mehr Stege für Padler

Wasserstadt Leipzig Leipzigs Gewässernetz bekommt mehr Stege für Padler

Die Stadt Leipzig will die Zahl der öffentlichen Bootsanlegestellen in Zukunft verdoppeln. Der Anfang ist gleich am Mittwoch gemacht worden - mit der Einweihung eines Stücks des Elstermühlgrabens und einer Einstiegsstelle für Kanus.

Die Stadt will die Zahl der Bootsanlegestellen verdoppeln (Symbolfoto).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Stadt Leipzig will in Zukunft die Zahl der öffentlichen Bootsanlegestellen verdoppeln. Am Mittwoch um 11 Uhr eröffnete Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) nicht nur ein 140 Meter langes Stück vom Elstermühlgraben, dessen Freilegung samt Bau der neuen Westbrücke 6,7 Millionen Euro gekostet hat. Zugleich geht genau in der Mitte dieses Abschnitts an der Carl-Maria-von-Weber-Straße eine Einstiegsstelle für Kanus in Betrieb. Sie ist über wenige Stufen sowie zwei riesige Rampen zu erreichen.

Es ist erst zehn Jahre her, da gab es im Leipziger Gewässernetz überhaupt noch keinen allgemein nutzbaren Steg oder Einstiegsplatz für Freizeitkapitäne. "Bis dahin setzten viele Leute ihre Boote einfach irgendwo wild ein", erzählt Angela Zábojnik, Abteilungsleiterin im Amt für Stadtgrün und Gewässer. 2004 habe die Stadt erstmals den Bedarf analysiert, um Verbesserungen für Erholungssuchende und den Naturschutz am Ufer zu schaffen. Inzwischen wurden an zehn Stellen öffentliche Steganlagen errichtet. "Sie befinden sich alle an Orten, die für Ausflügler besonders attraktiv sind. Etwa an der Pferderennbahn oder am Stelzenhaus in Plagwitz." Die Anlagen im Stadthafen, beim Wasserstadt-Verein am Karl-Heine-Kanal und an der Connewitzer Schleuse seien gar behindertengerecht angelegt, so Zábojnik. "Wir legen dabei großen Wert auf eine einheitliche Gestaltung, Parkplätze in der Nähe und nicht zuletzt auf Paten, die die Stege ehrenamtlich betreuen. Meist sind das Bootsverleiher oder Sportvereine."

Weil die Zahl der Paddler immer mehr steigt, zudem das Gewässernetz weiter ausgebaut wird, soll sich die Zahl der öffentlichen Steganlagen in den nächsten Jahren verdoppeln. Mit einem neuen Konzept, das demnächst in einer Vorlage für den Stadtrat festgeschrieben wird, will die Kommune auch da für sichere Verhältnisse sorgen, wo noch immer Boote wild eingesetzt werden - etwa an der Ritter-Pflugk-Straße als kürzestem Landweg zwischen Cospudener See und Elster. Darüber hinaus können weiterhin private Interessenten oder Vereine unter bestimmten Vorgaben eigene Einstiegsstellen einrichten. Zurzeit gibt es 45 solcher genehmigter Anlagen im Stadtgebiet, die aber meist eher klein ausfallen.

Bei den geplanten großen Stegen müsse jeweils noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden, betont die Fachfrau. Ansonsten hänge deren Zeitschiene vor allem vom Baufortschritt an den Flüssen und Kanälen ab. So wird bekanntlich am 2. Juli der neue Gewässerarm zwischen Lindenauer Hafen und Karl-Heine-Kanal eröffnet. Die Fertigstellung der Marina im Hafen peilt die Stadt noch immer für 2017 an. Ab 2018 soll das Verbindungsstück zum Saale-Elster-Kanal gebaut werden, an dem mehrere Stege entstehen sollen. Schneller könnte es im Süden gehen: Dort soll die Störstellenbeseitigung in der Pleiße schon 2016 abgeschlossen sein und damit ein Steg an der Agra kommen.

Vordringliches Hochwasserschutzprojekt in Leipzig bleibe jedoch die weitere Offenlegung des Elstermühlgrabens, betont Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). Durch ein Rohr, das von dem nun fertigen Stück an der Carl-Maria-von Weber-Straße abzweigt, erhält seit wenigen Tagen auch der Flussabschnitt am Ranstädter Steinweg deutlich mehr Wasser. Die Zeiten der Ebbe und gelegentlich schlechter Gerüche an dieser wichtigen Magistrale sind also vorbei. 2016 solle als nächstes der Bereich zwischen Thomasius- und Lessingstraße freigelegt werden. 2020, so die Zielmarke, werden Paddler den gesamten Elstermühlgraben im Bereich der Innenstadt befahren können.

In das neue Stück, das heute eröffnet wird, gelangen Boote vorerst nur über die bereits erwähnte Einstiegsstelle. Grund: Das Schreberwehr auf der anderen Seite der Westbrücke wird erst in diesem Herbst so weit ertüchtigt, dass Paddler dort den Höhenunterschied der Wasserstände von einem Meter überwinden können. Flussabwärts haben sie dann ab nächstem Frühjahr freie Fahrt. Flussaufwärts müssen Boote auch künftig über die Friedrich-Ebert-Straße getragen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.05.2015
Jens Rometsch

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