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Lokales Leipzigs Grassi-Museum für Völkerkunde richten Archiv rund um Tattoos und Piercings ein
Leipzig Lokales Leipzigs Grassi-Museum für Völkerkunde richten Archiv rund um Tattoos und Piercings ein
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09:27 28.03.2017
„Grassi invites“ – das Museum für Völkerkunde lädt Besucher ein, Geschichten rund um Tattoo und Piercing zu erzählen.  Quelle: Mo Zaboli/Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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Leipzig

 Da geht die Welt buchstäblich unter die Haut: Das Grassi-Völkerkundemuseum am Johannisplatz richtet ein zeitgenössisches Tattoo- und Piercing-Archiv ein. Leipziger sind eingeladen, zu einem Foto-Shooting ins Museum zu kommen und dort ihre Geschichten zu erzählen, was es mit dem eigenen Körperschmuck so auf sich hat. Ende September öffnet dann eine Ausstellung, in die die Ergebnisse dieses „lebendigen Archivs“ einfließen und die dann den globalen Blick auf Tattoo und Piercing wagt. „Für uns ist das wieder ein Experiment. Die Besucher sind die Kuratoren einer Ausstellung, die wir gemeinsam mit ihnen entwickeln wollen“, sagt Nanette Snoep, die Direktorin des Leipziger Grassi-Museums für Völkerkunde. Begonnen hat nun ein weiteres Projekt der Reihe „Grassi invites“, mit der das Museum ungewöhnliche Wege gehen möchte.

Kunst unter der Haut

Lesen Sie unsere Multimediareportage über die Leipziger und ihre Tattoos

So hat das Museum eine Lounge sowie Tische und Stühle aufgebaut. Auch unabhängig von den Fotosessions, die bis Ende Juni zu bestimmten Terminen angeboten werden, können Kommentare, Zeichnungen, eigene Objekte oder Bilder in das sich entwickelnde Archiv eingefügt, gemalt, geklebt oder geschrieben werden. „Sicherlich ist es nicht die erste Ausstellung rund um Körperkunst. Spannend wird aber unser Archiv, das wir aufbauen möchten. Da wir zeitgenössische Geschichten zusammentragen, betreiben wir gewissermaßen Feldforschung für kommenden Generationen“, sagte die Direktorin. Denn die materiellen Spuren dieses Phänomens sollen aufbewahrt werden.

Menschen dekorieren ihre Haut schon seit Jahrtausenden mit verschiedenen Motiven, die von Schicksalen, der Liebe oder persönlichen Erinnerungen künden. Dies kann religiös oder politisch motiviert sein, es kann sich aber auch um reine Modeerscheinungen handeln. Davon hat das Museum genügend historische Objekte aus aller Welt in seinen Sammlungen. „Früher standen tätowierte oder gepiercte Menschen bei uns oft am Rand der Gesellschaft. Das hat sich grundlegend geändert.“ Inzwischen sei jene Veränderung des eigenen Körpers längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird von vielen akzeptiert. Viele Menschen erzählen auf ihrer Haut von Liebe, Schicksalen, politischen Einstellungen, zeigen Mangas, Helden, Musikgeschmack, präsentieren Gottheiten oder einfach nur ihr eigenes ästhetische Empfinden. Was das bedeutet, wollen die Ethnologen hinterfragen. Dabei gehe es längst nicht mehr darum, fremde Kulturen zu beleuchten. „Wir möchten lokale und globale Perspektiven miteinander verbinden – wie es sich für ein Museum der Weltkulturen gehört“, so Snoep. Die Sammlung verfüge über viele Objekte und wunderbare Fotografien rund um Tattoos und Piercing.

Eine 75-Jährige erzählt, dass sie sich erst mit 74 ein Tattoo hat stechen lassen – wegen einer Harley. „Die Motive sind recht unterschiedlich. Wir möchten ergründen, was für Beweggründe die Menschen haben“, erklärt Ethnologe Kevin Breß. Oder warum sich andere, ihr Tattoo wieder entfernen lassen, wie die Mitmenschen darauf reagieren … „Ich würde geteert, gefedert und enterbt“, vermutet eine Besucherin mit Blick auf ihre Mutter. Jeder kann vorbeikommen und Gedanken äußern. Das nächste Fotoshooting in einem eigens wie ein Wohnzimmer eingerichteten Studio mit den Fotografen Nick Putzmann ist für den 6. April, 19 Uhr, geplant. Dabei will das Museum unter dem Motto „Showtime – Du gehörst ins Museum!“ auch junge Leute motivieren, ihre Geschichte für das „Living Archiv“ zu erzählen. Die ausgedruckten Aufnahmen können auch als Souvenir mitgenommen werden.

Wer möchte, kann seine Bilder und Geschichten per E-Mail an die Adresse grassi-tattoo@skd.museum schicken.

Von Mathias Orbeck

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