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Lokales Leipzigs Jugendamtsleiter Siegfried Haller muss gehen – Fraktionen begrüßen Abberufung
Leipzig Lokales Leipzigs Jugendamtsleiter Siegfried Haller muss gehen – Fraktionen begrüßen Abberufung
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15:42 17.07.2015
Siegfried Haller war in den vergangenen Monaten immer mehr unter Druck geraten. Quelle: Andreas Döring
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Leipzig

Die Entscheidung der Verwaltungsspitze erfolgte auf Vorschlag von Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD), hieß es in einer Mitteilung aus dem Dezernat. Zum 1. März übernimmt Hallers bisheriger Stellvertreter Thomas Schmidt vorerst die Verantwortung über die Sachgebiete.

Eine Begründung des Rücktritts ist bisher nicht bekannt. Haller und Fabian vereinbarten, die Angelegenheit vertraulich zu behandeln. Allerdings war der öffentliche Druck auf den scheidenden Jugendamtsleiter aufgrund mehrerer Vorfälle in den vergangenen Monaten auch immer größer geworden.

Rückblick: Kinderbande, Plagiatsvorwürfe und zwei tragische Todesfälle

Im Oktober vergangenen Jahres sorgte der Prozess gegen eine Leipziger Kinderbande für Aufsehen. Den zu großen Teilen minderjährigen Mitgliedern wurden 80 Anzeigen wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Körperverletzung zur Last gelegt. Das Jugendamt hatte lange Zeit Kenntnis von der Gruppe, griff aber nicht ein. Haller räumte später Fehler im Umgang mit den Kindern ein.

Im Juni 2012 waren im Stadtteil Gohlis die Leichen einer 26-Jährigen und ihres zweijährigen Sohnes gefunden worden. Der Fall sorgte bundesweit für große Anteilnahme, weil das Kind neben seiner an einer Überdosis gestorbenen Mutter verdurstet war. Die junge Frau stand zuvor lange unter Aufsicht von Jugendamt und Allgemeinem Sozialdienst (ASD). Während ASD-Leiterin Sybill Radig ihren Schreibtisch räumen musste, blieb Haller im Amt.

Im April 2012 wurde dem Jugendamtsleiter von der Universität Halle der Doktortitel aberkannt. Grund waren „schwerwiegende Verstöße gegen die Wissenschaftlichkeit“ in Hallers Dissertation, hieß es. Der Jugendamtsleiter reichte gegen die Aberkennung Klage ein, eine Entscheidung des Gerichts ist bisher noch nicht gefallen.

Union, Grüne und Linke im Stadtrat begrüßen Hallers Abberufung

Als erste aus der Leipziger Parteienlandschaft äußerte sich die CDU-Fraktion am Mittwoch zu Hallers Abberufung. „Bereits im Oktober 2012 haben wir dem Oberbürgermeister mitgeteilt, dass für die CDU-Fraktion eine künftige Zusammenarbeit mit dem Amtsleiter nicht vorstellbar ist“, ließ Fraktionsvorsitzende Ursula Grimm erklären.  Wie Grimm weiter sagte, bestünden allerdings auch „unabhängig von der Person des Amtsleiters hinsichtlich der inneren Struktur und Führung sowie bei der Organisation von Arbeitsabläufen gravierende Mängel“ im Amt. Die CDU hofft deshalb hier nun auf einen personellen und inhaltlichen Neuanfang.

Laut Grünen-Stadträtin Katharina Krefft sei die die Entbindung von Siegfried Haller nach der Versetzung von ASD-Leiterin Sybill Radig „ein konsequenter und längst fälliger Schritt. „Die Arbeit Hallers war immer mehr von Pleiten, Pech und Pannen geprägt, seine Kurskorrekturen wirkten eher hilflos und halbherzig, als konsequent und durchsetzungsstark“, so Krefft. Nach Ansicht ihres Parteikollegen Michael Schmidt ist durch den Rückzug Hallers der Weg für eine „dringend notwendige und seit längerem von uns geforderte Organisations- und Strukturanalyse des gesamten Amtes und die daraus folgende konsequente Optimierung einzelner Bereiche frei geworden.“

Auch die Stadtratsfraktion der Linken begrüßte die Personalentscheidung. Haller habe das Jugendamt zwar mit hoher Fachkompetenz und vielen innovativen Ideen geführt, hieß es in einer Mitteilung vom Mittwoch. „Bei dem Bemühen um die strategische Ausrichtung des Amtes wurde allerdings zunehmend versäumt, die alltäglichen, sich zunehmend verschärfenden Aufgaben und Probleme zu lösen“, wird darin der Fraktionsvorsitzende Sören Pellmann zitiert. Mit der Entbindung Hallers von seinen Aufgaben seien aber die Bemühungen um strukturelle Änderungen im Jugendamt nicht vom Tisch. „Jenseits der Personaldebatte sind eine kritische Überprüfung des gesamten ,Megaamtes’ und eine Evaluierung der Umstrukturierungsmaßnahmen beim Allgemeinen Sozialdienst notwendig“, fordert die Linksfraktion. Sie wolle den erforderlichen Neustart konstruktiv begleiten.

Angelika Raulien / Matthias Puppe / nöß / maf

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