Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipzigs Kleiderkammer vor dem Aus - Nicht mal mehr Geld für die Miete
Leipzig Lokales Leipzigs Kleiderkammer vor dem Aus - Nicht mal mehr Geld für die Miete
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 20.08.2014
Wirbeln seit fast zehn Jahren ehrenamtlich für ihren Kleiderkammerbetrieb (v.l.): Ramona Häntzschel, Brigitte Hünsch, Anja Nadler und Angelika Herziger. Quelle: André Kempner

Ausgerechnet sie sehen sich jetzt vorm Aus. "Die Stadt signalisierte uns, nächstes Jahr sämtliche Mittel zu streichen", ist Kleiderkammer-Leiterin Karin Rotte der Verzweiflung nahe.

Wofür sie Mittel braucht, ist einzig die Miete. "700 Euro warm im Monat", sagt Rotte. Macht 8400 Euro im Jahr. "Bereits im Vorjahr betrug der städtische Zuschuss dafür schon nur noch die Hälfte. Wir wurden angehalten, all die uns gespendeten Kleidungsstücke für jedes Alter, Haushaltwaren, kleinere Möbelstücke und Spielzeug eben nicht mehr kostenlos an Bedürftige abzugeben. Also nehmen wir jetzt bereits für einen Pulli einen, für ein T-Shirt zwei Euro. Mehr können wir von unseren Kunden einfach nicht verlangen. Schon seit Einführung dieser Mini-Preise blieben viele aus".

Immerhin: 3200 Menschen mit schmalem Budget aus ganz Leipzig kamen laut Rotte auch noch im Vorjahr zu ihnen. In diesem Jahr waren es bis Juli 1200. Und das, obwohl Rotte, ihre drei Mitstreiterinnen und ab und an ein Helfer, der im Notfall bei Spendenwilligen daheim Sachen abholt, nur zweimal die Woche (montags und donnerstags) die Kleiderkammertür öffnen. "Irgendwie", sagt die Chefin, "haben wir uns im Vorjahr und bis jetzt über Wasser gehalten. Wir machen schon alles selbst. Doch wenn wir nicht mal mehr Geld für die Miete bekommen, ist das das Ende."

Die "Helfenden Hände" sind seinerzeit aus einer Erwerbsloseninitiative der Gewerkschaft Verdi hervorgegangen. Die Kleiderkammer begann vor knapp zehn Jahren in Wahren, Am Meilenstein 14, all jene zu unterstützen, die am Existenzminimum leben und die ihre Hilfsbedürftigkeit irgendwie nachweisen können. 150 Leute kamen im ersten Jahr. Was sich allerdings bald änderte. Das 80-Quadratmeter-Domizil platzte schnell aus allen Nähten. Ein Umzug in ein größeres Quartier wurde unausweichlich. Im Wohnhaus Friedrich-Bosse-Straße 34 konnte fortan auf 170 Quadratmetern gearbeitet werden, wobei sich selbst hier ganz fix Räume und Regale rappelvoll mit Sachspenden füllten. Neben dem Tagesgeschäft gelang es dem kleinen Team um Rotte dabei noch, Dinge wie gleich mal Weihnachtsaktionen für gut 300 bedürftige Kinder zu stemmen. Verstärkt habe in den letzten Jahren auch das Arbeitsamt Leute hergeschickt, seit es gewisse Zuschüsse - wie für einen Umzug oder wenn der Kühlschrank kaputt geht - nicht mehr gab, so Rotte.

"Ausgerechnet bei so einem Projekt - das aus eigener Kraft so eine wichtige Arbeit leistet, will die Stadt den Rotstift ansetzen", ist mit Ines Kuche, der Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Leipzig-Nordsachsen, nicht nur eines der insgesamt 17 Vereinsmitglieder empört. Nicht zuletzt würde den fünf Ehrenamtlern, alle so Ende 30 bis Anfang 60, auch ein Stück Lebensinhalt entrissen. "Angesichts dessen stößt es da schon bitter auf, wenn die Stadt für einen Kirchentag eben mal so eine Million Euro hinblättern will", so Kuche.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.08.2014

Raulien, Angelika

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei Leipzigs Markthändler-Gilde bleibt der Stimmungspegel unter Null. "Mit immer mehr Events auf dem Markt hofft die Stadt, sich bundesweit an die Spitze touristischer Hochburgen zu katapultieren.

20.08.2014

Auf dem Bildungscampus im Graphischen Viertel sind künftig auch die älteren Semester anzutreffen. Die Rahn-Dittrich-Group, bekannt als freier Bildungsträger von Kitas und Schulen, bietet ab September 70 Kurse und Workshops für Menschen im besten Alter an.

20.08.2014

Mit dem Umbau der Petersstraße sind auch neue Sitzbänke aufgestellt worden. Darüber zeigt sich Grünen-Stadträtin Katharina Krefft, deren Fraktion bereits 2010 den Bau neuer Sitzgelegenheiten im Stadtrat beantragt hatte.

20.08.2014
Anzeige