Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipzigs Klima erwärmt sich bis ins Jahr 2100 um 3,5 Grad
Leipzig Lokales Leipzigs Klima erwärmt sich bis ins Jahr 2100 um 3,5 Grad
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:35 30.08.2016
Gründächer wie auf dem HL-Komm-Haus am Ring oder auf dem Bundesverwaltungsgericht sind in Leipzig noch die Ausnahme. Quelle: Foto: LVZ
Anzeige
Leipzig

 Entgegen der Annahme vieler Einwohner ist Leipzig keine besonders grüne Stadt. Eine Auswertung von Satelliten-Bildern aus dem Weltall ergab kürzlich, dass nur 42,4 Prozent des Leipziger Territoriums bepflanzt sind. Dies war der vorletzte Platz unter allen 79 deutschen Großstädten. In Dresden bestehen 69,4 Prozent der Flächen aus Parks, Gärten, Feldern, Wäldern oder Gründächern, bei Spitzenreiter Siegen sind es 85,8 Prozent.

Der relativ geringe Grün-Anteil, aber auch andere Faktoren wie die geografische Lage sind Ursachen dafür, dass sich der Klimawandel in Leipzig stärker bemerkbar macht als in anderen Städten der Bundesrepublik. Das erklärte gestern Angelika Freifrau von Fritsch, die Leiterin des Umweltamtes, bei einer Pressekonferenz. Laut Studien vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sowie der hiesigen Universität sei die durchschnittliche Jahrestemperatur an der Pleiße seit 1963 bereits um fast ein Grad Celsius gestiegen – also stärker als im bundesdeutschen Mittel. Die Zahl der Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, habe sich im gleichen Zeitraum fast vervierfacht. Sie liege nun bei 23 pro Jahr.

Wissenschaftliche Klima-Simulationen würden bis zum Jahr 2100 für Leipzig einen Temperaturanstieg um weitere 3,5 Grad vorhersagen, erläuterte die Amtsleiterin weiter. Die Zahl der Hitzetage (über 30 Grad) könnte dabei von derzeit im Mittelwert acht pro Jahr auf 15 bis 18 steigen. „Die Niederschläge verlagern sich stärker in den Winter, sodass bei den höheren Temperaturen im Sommer dürreähnliche Zustände drohen“, warnte von Fritsch. Auch setze sich der Trend zu extremen Wetterlagen – wie schwere Stürme oder Starkregen – durch den Klimawandel fort.

Leipzig unternehme schon viel, um die Umwelt zu entlasten. „Unser gemeinsames Ziel ist es, den Kohlendioxid-Ausstoß alle fünf Jahre um weitere zehn Prozent zu verringern. 2017 wollen wir zum ersten Mal eine Gold-Zertifizierung beim europäischen Umweltpreis erreichen“, sagte sie. Zugleich müsse die Kommune aber auch eine Anpassungsstrategie entwickeln, um ein angenehmes Leben in der Stadt trotz Klimawandel zu ermöglichen.

Im Entwurf für diese Anpassungsstrategie sind nun 50 Punkte aufgeführt. Das Spektrum reicht vom Einsatz hitzebeständigerer Baumarten bei Nachpflanzungen über den Schutz von Kaltluftschneisen bis zum Nacht-Lüftungskonzept für öffentliche Gebäude. An Kliniken, Kitas oder Wohngebieten mit vielen Senioren sollen mehr Schattenplätze entstehen. Die Leipziger Wasserwerke wollen in der Innenstadt kostenlose Trinkbrunnen errichten.

Vor allem setzt die Strategie auf Informationen: für allergiengeplagte Bürger, für Lebensmittelhändler oder Eigentümer von Bürohäusern. „Langfristig wollen wir ein besseres Frühwarnsystem für Extremwetterlagen aufbauen“, so Umweltplanerin Christiane Kawe. Priorität hätten aber zwei Teilkonzepte, die bis Anfang 2017 vorliegen sollen. Sie betreffen ein neues Regenwassermanagement, durch das im Sommer mehr Nass gespeichert werden kann, aber auch Überflutungen bei Starkregen beherrschbar wären. Zum anderen müsse Leipzig deutlich mehr begrünte Dächer erhalten. Bei Neubauten seien die in vielen anderen Städten längst Pflicht.

Mehr Infos: www.leipzig.de/klimabewusst

Von Jens Rometsch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach zwei Grundsteinlegungen wurde vor 100 Jahren das Stammhaus der Deutschen Bücherei in Leipzig eingeweiht. Bei Führungen durch Haus wird am Freitag auch viel Geschichtliches fürs Publikum geboten.

01.09.2016

Die Einwohner der Messestadt sind so glücklich wie noch nie seit 1991, Kriminalität wird aber immer stärker als Problem wahrgenommen. In der jüngsten Kommunalen Bürgerumfrage hat die Mehrheit der Leipziger auch einem „Bürgerticket“ der LVB eine Absage erteilt.

29.08.2016

Der aus dem Jahr 1888 stammende Jesus-Altar steht in der Leipziger Thomaskirche wieder an seinem ursprünglichen Platz. Dies wurde mit einem feierlichen Gottesdienst am Sonntag gefeiert, wie der Verein Thomaskirche am Montag mitteilte.

Anzeige