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Leipzigs Kö meldet sich zurück

Bauarbeiten Leipzigs Kö meldet sich zurück

Ende November wird die zehn Millionen Euro teure Umgestaltung der Könneritzstraße Geschichte sein. Die Händler schmieden schon jetzt neue Pläne. Die traditionsreiche Einkaufsmeile erwacht zu neuem Leben.

An mehren Abschnitten der Kö wird noch gebaut. Die Arbeiter sind dort von 6 bis 22 Uhr im Einsatz. Denn ab 8. August sollen die Straßenbahnen wieder rollen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Trotz Baustellenlärm und noch mehrerer gesperrter Straßenabschnitte sind die Meinungen der Händler über die Umgestaltung der Könneritzstraße einhellig: Ihre Einkaufsmeile gewinne an Flair und Lebensqualität, heißt es. Doch vielen Geschäftsleuten sind die Anstrengungen des fast zweijährigen Umbaus anzumerken.

Im Haushaltswarenladen Messall an der Ecke Rochlitzstraße zum Beispiel. „Trotz ,Äktschen‘ – wir haben geöffnet“, steht dort auf einem bunten, handgemalten Plakat, das an einem Baugerüst angebracht wird. Auch eine bunte Wimpelkette ist zu sehen, auf der für die Kö geworben wird, wie die Könneritzstraße inzwischen bei immer mehr Leipzigern heißt. Händlerin Margit Messall hat in einem Nachbarladen ein Übergangsquartier bezogen.„Wir müssen ja zeigen, wo wir sind“, begründet sie das Plakat. „Hier sind alle froh, dass die Straße gemacht wird. Aber anstrengend ist das schon.“
 
Auch ihr Mann Ronny sieht das so. „Mit den Bauleuten haben wir einen guten Draht“, berichtet er. „Sie bemühen sich, so wenig Stress wie möglich zu machen.“ Dass die Massalls aus der Kö fortziehen, um dem Baustellenchaos zu entkommen, war nie ein Thema. „Wir sind 33 Jahr hier“, meint die Händlerin. Jetzt, wo es endlich schön werde, wolle man auch bleiben.

Schräg gegenüber ist es in der Salbenmanufaktur „Beti Lue“ ähnlich. „Irgendwie ist die Luft raus“, erzählt dort Frederike Fellmer. Jeder Händler habe sich enorm strecken müssen, um die Bauzeit zu überstehen. „Viele hatten einen Zweitjob; ich bin häufig auf Märkte gefahren. Sonst hätten wir nicht überlebt.“

Fellmer ist Mitglied der Interessengemeinschaft Könneritzstraße (IG) und hat die Baustelle von Anfang an begleitet. „Die Bauherren brachten die Idee mit, während des Umbaus eine Imagekampagne für unsere Straße durchzuführen“, erzählt sie. „Doch wir hatten schon eigene Vorstellungen und die wurden dann auch umgesetzt.“ So sei die Kö-Werbekampagne entstanden, die eigentlich nur in der Bauzeit laufen sollte.

Kaum Filialen großer Ketten

Doch inzwischen wird an dieser Image-Kampagne weiter gefeilt – denn die Kö soll auch nach dem Umbau ein eigenständiges Profil im Reigen der Leipziger Einkaufsstraßen behalten. Betont werden soll dabei, dass es in der Schleußiger Meile fast ausschließlich inhabergeführte Geschäfte gibt, kaum Filialisten großer Ketten. Außerdem sei die Kö auch nicht so stark mit Gastronomen besetzt, wie zum Beispiel die Karl-Liebknecht-Straße, heißt es. „Wir haben Gastronomen, aber nicht so viele“, sagt auch Fellmer. „Ein schönes Café könnten wir aber noch vertragen.“

Die Händlergemeinschaft beobachtet genau die Veränderungen, die mit der Umgestaltung des Straßenraumes eintreten. Kaum ein Händler habe aufgegeben, es seien sogar trotz der Baustelle neue hinzugekommen, heißt es. „Bisher gab es leerstehende und heruntergekommene Häuser – die werden jetzt saniert“, sagt die Seifenexpertin Fellmer. Außerdem zähle das Gründerzeitquartier Schleußig zu Leipzigs guten Wohnlagen. Bei Neuvermietung würden jetzt deutlich höhere Mietpreise aufgerufen. Und es würden auch immer häufiger Kunden in die Läden kommen, die mehr Geld ausgeben.
 
Wohl auch deshalb will die Händlergemeinschaft künftig mit Bedacht die Werbetrommel für die Kö rühren. „Wir brauchen keinen Hype für unsere Straße“, meint Händlerin Fellmer. Dies locke nur noch mehr Immobilienprofis an und lasse die Preise der Ladengeschäft noch stärker steigen. „Dann können sich hier nur noch die Ketten einmieten und die Vielfalt ist weg.“ Die IG zeichnet deshalb ein realistisches Bild von der Kö. „Wir sind keine Flaniermeile wie die Karli, dafür sind unsere Gehwege viel zu schmal“, so Fellmer.

Bauarbeiten im Herbst abgeschlossen

Trotzdem wird die Straße einen großen Sprung nach vorn machen, wenn im Herbst die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) verlegen ihre neuen Gleise so aufwendig, dass künftig nicht nur Erschütterungen und Körperschall vermieden werden, sondern auch Luftschall – also Lärm. „Die Schienen bekommen einen Erstschliff mit einer Spezial-Schleifmaschine“, erläuterte gestern Gerd Hirschelmann von der LVB-Tochter Verkehrs-Consult Leipzig. „Dann passen Rad- und Schienenprofil exakt aufeinander.“

LVB-Technik-Geschäftsführer Ronald Juhrs betonte, dass ab 8. August wieder die Straßenbahnen durch die Kö rollen werden. Anschließend werde noch bis November an den neuen Fahrbahnen und Gehwegen gearbeitet. Bis zum Schulbeginn ab 8. August sollen auch derzeit gesperrte Strecken entlang der Bornaischen Straße oder der Delitzscher Landstraße wieder regulär vom Linienbetrieb bedient werden, teilte die Stadt am Mittwoch mit.

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