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Lokales Leipzigs Lichtfest-Chefin: Die Glut vom Herbst 1989 weitertragen
Leipzig Lokales Leipzigs Lichtfest-Chefin: Die Glut vom Herbst 1989 weitertragen
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10:27 01.11.2016
Marit Schulz, Leiterin des Lichtfestes, am Tag der Veranstaltung. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Am Tag nach der diesjährigen Veranstaltung in Erinnerung an die entscheidende Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 macht sich die waschechte Leipzigerin Marit Schulz schon wieder Gedanken über weitere Lichtfeste.

LVZ: 25. 000 Menschen haben am Freitag beim Lichtfest ein künstlerisches Programm erlebt, das sich mit Integration und Identifikation, mit Heimat und Fremde beschäftigte. Wie zufrieden sind Sie?
Marit Schulz: Ich freue mich, dass so viele Besucher da waren. Das ist immer ein wichtiges Signal. Die Leute sind geblieben, haben nach Beendigung der Inszenierung ihre Kerzen abgestellt und sich in Gesprächen ausgetauscht. Das Lichtfest ist ein Anlass und auch ein Ort, wo Dialog entsteht. Ich bin froh, dass es gelungen ist, die Teilnehmer des Abends wieder mitzunehmen.

Nun gab es aber durchaus einige kritische Stimmen, die mit der Inszenierung von Jürgen Meier nicht allzu viel anfangen konnten. Wie reflektieren Sie das?
Ich habe eher positive Reaktionen vernommen, auch in E-Mails. Bei so vielen tausenden Menschen ist aber klar, dass eine künstlerische Inszenierung nicht jedem gefällt. Dann wäre vielleicht sogar das Konzept flach und oberflächlich. Natürlich: Es war diesmal recht ernsthaft und anspruchsvoll, vielleicht sogar sperrig. Auf jeden Fall keine leichte Kost. Deshalb haben wir in der Kommunikation im Vorfeld auf Ernst Bloch eingestimmt. Das Lichtfest soll aber nachwirken, zu Gesprächen und Reflexionen anregen.

Viele erinnern sich an den emotionalen Höhepunkt 2014. Da gab es Licht-Inszenierungen rund um den Ring. Reicht es nicht aus, ein großes Lichtfest aller fünf Jahre zu organisieren?
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, in der Zeit zwischen den runden Jahrestagen ein kleineres, kompakteres Format anzubieten. Der 9. Oktober soll jedes Jahr in Leipzig ganz bewusst begangen werden. Wir setzen immer wieder neue Akzente, richten inhaltlich den Fokus auf aktuelle Themen. Wie in diesem Jahr auf die Flüchtlingskrise.

Sie haben also keine Angst, dass sich das Lichtfest – salopp gesagt – totläuft?
Bislang nicht. Das Lichtfest bewahrt nicht die Asche, sondern trägt die Glut weiter. So hat es die Bundesbeauftragte für die neuen Länder, Iris Gleicke, formuliert. Das Lichtfest wird weiterleben, wenn wir uns immer wieder aktuellen Themen und Fragen stellen. Wenn wir allerdings nur zurückblicken und uns selbst feiern, dann wird sich das Lichtfest totlaufen. Deshalb richten wir auf das Fundament Herbst ’89 immer wieder den aktuellen Blick.

Wie geht es inhaltlich weiter?
Wir haben viele Ideen, wie das Lichtfest aktuelle Bezüge aufnehmen kann. Das Thema Zivilgesellschaft greifen wir weiterhin auf, um es mit unterschiedlichen Akzenten zu beleuchten. Es wäre aber zu früh, dies konkreter zu benennen. „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit?“ bietet noch genügend Stoff. Die Flüchtlingskrise bewegt uns alle, deshalb haben wir sie bewusst in den Vordergrund gerückt.

Das Lichtfest wird von der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH organisiert, die ja Gäste nach Leipzig holen soll. Wie wichtig ist es für die Wirkung nach außen?
Sehr wichtig. Das sehen wir an den Besucher-Befragungen. Es kommen immer mehr Gäste von außerhalb. Das Thema Friedliche Revolution wird durch unsere Partner bei der Deutschen Zentrale für Tourismus stark kommuniziert. Vor allem auf dem amerikanischen Reisemarkt. Aber auch in unseren Partnerstädten. Bei großen Veranstaltungen reisen natürlich mehr Gäste an. Es gibt aber auch Pakete von Reiseanbietern, in die beispielsweise die Runde Ecke integriert ist. Uns geht es um die Wirkung im ganzen Jahr.

Interview: Mathias Orbeck

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