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Leipzigs Naturkundemuseum-Chef: „Ich will kein Mittelklasse-Museum“

Ronny Maik Leder Leipzigs Naturkundemuseum-Chef: „Ich will kein Mittelklasse-Museum“

„Ich will kein Mittelklasse-Museum, sondern einen herausragenden Ort, der weit über Leipzig hinaus Strahlkraft hat“, sagt Ronny Maik Leder selbstbewusst. Der Leiter des Leipziger Naturkundemuseums stellte jetzt auf einem Forum in der Volkshochschule seine Visionen für den neuen Standort in Halle 7 auf dem Gelände der Baumwollspinnerei vor.

Will Skeptiker überzeugen: Ronny Maik Leder im Naturkundemuseum.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig.  Mit seinem Elan kann er Skepsis buchstäblich wegfegen. „Ich will kein Mittelklasse-Museum, sondern einen herausragenden Ort, der weit über Leipzig hinaus Strahlkraft hat“, sagt Ronny Maik Leder selbstbewusst. Der Leiter des Naturkundemuseums stellte kürzlich auf einem Forum in der Volkshochschule seine Visionen für den neuen Standort in Halle 7 auf dem Gelände der Baumwollspinnerei vor, der derzeit saniert wird und bis Ende 2020 eröffnet werden soll. „Am jetzigen Standort wäre das Konzept so nicht umzusetzen“, betont er und stellt klar, dass in der Stadtverwaltung am Verkehrskonzept gearbeitet werde, um die Spinnerei perspektivisch besser an den öffentlichen Nahverkehr anzubinden. Das war ein häufig geäußerter Kritikpunkt am Umzug der Sammlung nach Plagwitz. In anderen Städten seien auch nicht alle Ausstellungen direkt im Stadtzentrum. Entscheidend sei, die Infrastruktur angemessen zu organisieren. „Der Mensch ist neugierig und kommt, wenn das Angebot gut wird.“ Ziel sei, mindestens 140 000 Besucher pro Jahr – rund viermal so viele wie derzeit – für die Ausstellung zu begeistern. „Wir sind sehr optimistisch“, sagt Rosmarie Heyde vom Verein der Freunde und Förderer des Museums und lobt den Aufschwung, den das jahrzehntelange Stiefkind der Leipziger Museumslandschaft erwarten kann.

Wohin die Reise geht, deutet Leder nur an. Bis Mitte 2017 muss der gebürtige Ilmenauer, der an der Universität Leipzig Geologie und Paläontologie studierte und seit 1996 in Leipzig lebt, dem Stadtrat das Konzept vorlegen. Derzeit ist die veraltete Präsentation „ein Konglomerat“ mit herausragenden Objekten wie den Tierpräparaten Herman Ter Meers. Im dann sanierten Industriebau soll es einen roten Faden geben, der sich durch die einzelnen Bereiche zieht und verschiedene Inszenierungen miteinander verbindet. Eine davon werden die berühmten Dermoplastiken sein. Dioramen werden auch gezeigt, sollen aber neu interpretiert und durch optische Möglichkeiten unterhaltsam gestaltet werden. „Das wird spannend, unterhaltsam, ohne zum Disneyland zu verkommen“, sagt der promovierte Paläobiologe, der auch den Bildungsauftrag eines Museums betont. Ein weiteres Highlight der künftigen Ausstellung wird die Wissenschaftshistorie Leipzigs. So möchte er die Tiefseeexpedition, die der Leipziger Zoologie-Professor Karl Chun 1898 mit dem Forschungsschiff Valdivia startete, ins Blickfeld rücken (die LVZ berichtete). Erzählen will Leder außerdem die Geschichte des „Mammut von Borna“. Das wurde 1908 in einer Lehmgrube am Wyhra-Ufer entdeckt. Das nahezu vollständig erhaltene Mammutskelett wurde von Ende 1909 an in der Prähistorischen Abteilung des Leipziger Museums für Völkerkunde aufgebaut und war dort bis zur Zerstörung in der Bombennacht vom 4. Dezember 1943 die Attraktion. Teile sind noch im Fundus des Naturkundemuseums gelagert. Theoretisch könnte es dank moderner Technik rekonstruiert werden, der Leipziger Paläontologe Johannes Felix (1859–1941) hatte es einst millimetergenau vermessen. „Ich möchte das Skelett aber keineswegs rekonstruieren, sondern die Geschichte erzählen, wie die Reste im Bauschutt geborgen worden und letztlich in ganz Deutschland verstreut sind“, nennt Leder ein weiteres Beispiel.

Der Eingang des Museums ist für die Westseite geplant, ein Atrium mit viel Licht. Da der Industriebau in Skelettbauweise errichtet wurde, gibt es viele Möglichkeiten, Decken durchzubrechen und Raumgrößen zu verändern. Etwa für acht Meter große Inszenierungen. Welche das im Einzelnen sind, verrät Leder noch nicht. Derzeit agiert er auch als Bauherr und versucht mit den beiden anderen künftigen Mietern, dem Theater Lofft und dem Tanztheater, das Haus zu entwickeln. Leder wird nicht müde zu betonen, dass das Museum durch das Leipziger Bildungsbürgertum entstanden und groß geworden ist. Deshalb will er auch die Bürger von heute beteiligen. „Meine Türen stehen offen – Ich lasse mich gern beraten und bin bereit zuzuhören.“

Von Mathias Orbeck

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