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Lokales Leipzigs OBM Jung ist seit zehn Jahren im Amt
Leipzig Lokales Leipzigs OBM Jung ist seit zehn Jahren im Amt
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10:11 17.05.2016
Von seinem Rathaus-Balkon hat Burkhard Jung einen guten Blick über die Stadt.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Um exakt zu sein: Die Amtsgeschäfte hat Jung bereits am 29. März 2006 übernommen, es gab aber zunächst Einsprüche gegen seine Wahl, die von der Rechtsaufsicht geprüft werden mussten. Deshalb konnte er die Amtskette erst am 17. Mai anlegen. Fakt ist aber: Kein Nachwende-OBM ist so lange im Amt wie Jung. Und keine Stadt in Deutschland wächst derzeit so rasant wie Leipzig. Die Boomtown des Osten hat sich als Magnet für viele Zuzügler erwiesen. Junge Leute leben gern hier und bekommen wieder mehr Kinder. Das führt zu Problemen, wenn Kitaplätze nicht reichen oder Kinder in maroden Schulen unterrichtet werden müssen. Da hat wohl auch Jung, der schon vor seiner Zeit als OBM als Sozialbeigeordneter dafür zuständig war, die Entwicklung völlig unterschätzt – bläst jetzt aber zu Korrekturen. Die Stadt stellt sich bis 2030 mittlerweile auf gut 720000 Einwohner ein.

 Wie die Verwaltung dies schultert, daran wird Jung, dessen Amtszeit bis 2020 geht, sich messen lassen müssen. Weltoffen will Leipzig bleiben – da bezieht der OBM immer klar Stellung, vor allem gegen fremdenfeindliche Parolen. Eine persönliche Niederlage ist wohl, dass die Leipziger per Bürgerentscheid den von ihn forcierten Stadtwerkeanteilsverkauf stoppten. Das war im Januar 2008. Der Deal sollte 520 Millionen Euro in die klamme Stadtkasse spülen. Heute steht die Stadtholding LVV gut da, die Geschäftsführer des kommunalen Konzerns hat er nach Bekanntwerden von Luxusdienstreisen und Korruptionsvorwürfen an die Leine gelegt und ausgetauscht. Im Zocker-Skandal um Ex-Chef Klaus Heininger und die Wasserwerke kämpfte Jung souverän für Leipzig – auch am Londoner High Court im April 2014. Ein rechtskräftiges Urteil steht hier allerdings noch aus.

Negative Schlagzeilen für Leipzig brachte ebenso der Skandal um die verkauften „herrenlosen Häuser“ ein – anfangs tat die Verwaltung dies als Einzelfälle ab. Dann musste sie eingestehen, in mindestens 157 Fällen zumindest fahrlässig mit dem Eigentum Fremder umgegangen zu sein. Jung setzte das Sonderprojekt „Gesetzliche Vertretungen“ ein, das Kapitel ist aufgearbeitet, Entschädigungen mussten gezahlt werden.

Wirtschaftlich hat Jung Leipzig vorangebracht, wobei er mit BMW, Porsche und Amazon von Erfolgen seiner Amtsvorgänger profitieren konnte. Im Mai 2008 wurde das neue europäische Luftfrachtdrehkreuz der Tochter DHL am Flughafen Leipzig-Halle in Betrieb genommen. Auch das ist zweifelsfrei ein Gewinn für den hiesigen Arbeitsmarkt. Allerdings hat das Projekt seine Schattenseiten, weil Flugzeuge Lärm machen. Deshalb haben sich Bürgerinitiativen gebildet, die Jung vorwerfen, die Interessen der Anwohner nicht zu vertreten.

Nahezu perfekt ist Jung, der Leipzig auch in Englisch auf dem Silbertablett präsentieren kann, als Werbebotschafter unterwegs – ob nun in Addis Abeba, Lyon, Nanjing, mit dem Gewandhausorchester in Tel Aviv oder New York .

Eine Zeitlang hat Jung die Kultur zur Chefsache gemacht, als er den von der Linkspartei aufgestellten, parteilosen Kulturbürgermeister Michael Faber im Herbst 2010 das Vertrauen und die Zuständigkeit für Gewandhaus, Oper und Centraltheater entzog. Angesichts ausufernder Kosten wollte er selbst Strukturreformen voranbringen, ließ dazu ein teures Actori-Gutachten anfertigen. Das Ergebnis: Der Zuschuss für die Kulturbetriebe wurde erhöht.

Lesen Sie in der LVZ-Print-Ausgabe vom 17.5.2016 das große Interview mit Burkhard Jung zu seinem zehnjährigen Dienstjubiläum.

Von Mathias Orbeck und Klaus Staeubert

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