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Lokales Leipzigs S-Bahn soll bis nach Naumburg rollen
Leipzig Lokales Leipzigs S-Bahn soll bis nach Naumburg rollen
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07:00 09.05.2017
Diese Strecken werden für die neuen S-Bahn-Verbindungen favorisiert. Quelle: Patrick Moye
Leipzig

Leipzigs S-Bahn-Planer denken intensiv über die Erweiterung des S-Bahn-Netzes nach Westen nach. Geprüft wird die Anbindung von Markranstädt mit einer möglichen Verlängerung über Weißenfels bis nach Naumburg. Der Umweltbund Ökolöwe fordert darüber hinaus eine Verbindung nach Merseburg.

Nach LVZ-Informationen wird derzeit im Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) im Rahmen der Aufstellung des Nahverkehrsplans die Anbindung von Markranstädt als mögliche Alternative zu einer Verdichtung des bereits bestehenden Halbstundentaktes nach Grünaus untersucht. Durch einen offenen Brief aus dem Burgenlandkreis, in dem der Landrat und die Oberbürgermeister von Naumburg, Weißenfels sowie Zeitz eine Anbindung an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz fordern, gewinnt diese Untersuchung jetzt eine besondere Brisanz. Im Fokus ist seitdem eine Streckenerweiterung über Weißenfels bis nach Naumburg. Beide Städte haben jeweils reichlich 30 000 Einwohner. Damit wird es wahrscheinlicher, mit einer solchen S-Bahn-Verbindung mindestens 1000 Ein- und Aussteiger täglich zu befördern. Diese Zahl fordert die Bahn als Voraussetzung für eine Anbindung.

Denkbar wäre, die S-Bahn in einem 60-Minuten-Takt zwischen Leipzig und Naumburg verkehren zu lassen. Weil auf dieser Strecke bereits der Regional- und Städteexpress von Abellio in einem Stundentakt fährt, würde diese Verbindung dann jede halbe Stunde bestehen.

Dies wäre allerdings erst möglich, wenn die S-Bahn bis Markranstädt verlängert würde. Wie berichtet, prüft der ZVNL derzeit ergebnisoffen, als Alternative zur Verdichtung der S1 bis zur Miltitzer Allee auf einen Viertelstundentakt erstmals Markranstädt mit der S11 direkt anzusteuern. Da bereits ein 30-Minuten-Takt bis zur Miltitzer Allee besteht, wäre dann zwischen dem Hauptbahnhof und Leutzsch ein 15-Minuten-Takt Realität. Allerdings: Für die neue Verbindung braucht der ZVNL mehr Fahrzeuge. Deshalb ist mit diesem neuen Angebot frühestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 zu rechnen.

Hinzu kommt: Weißenfels und Naumburg liegen nicht im Verbandsgebiet des ZVNL, sondern in dem der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa). Auch dort hat man den Brief aus dem Burgenland erhalten. Peter Panitz, Geschäftsbereichsleiter Verkehr und Infrastruktur, erklärte gestern, dass die Nasa dem Ausbau der S-Bahn-Verbindung grundsätzlich positiv gegenübersteht. „Es geht um einen sich gut entwickelnden Raum, der solche Erweiterungen sinnvoll erscheinen lässt“, so der Experte. Aber zusätzliche Leistungen würden zusätzliches Geld kosten und dieses stehe noch nicht bereit. „Wir schreiben aber derzeit unseren Nahverkehrsplan fort und in ihm werden solche Fragen geklärt“, so Panitz. Das Papier werde Ende dieses Jahres als Entwurf vorliegen und dann diskutiert. „Wir prüfen aber schon parallel, ob Verbindungen nach Weißenfels, Naumburg und Merseburg machbar sind. Vor allem natürlich, ob die Auslastung der Züge gegeben ist.“

Der Leipziger Umweltbund Ökolöwe hat ein Kurzkonzept erarbeitet, um die seit 1998 eingestellte direkte Zugverbindung nach Merseburg zu reaktivierten. Dies könne mit einer neuen direkten S-Bahn zwischen Leipzig und Merseburg geschehen, heißt es in diesem Papier. Eine solche S-Bahn wäre über 20 Minuten schneller als die heutigen Verbindungen mit Bus oder Bahn. Und sogar schneller als das Auto.

Nach den Untersuchungen des Ökolöwen könnte die neue S-Bahn als S6 zwischen der Domstadt und Leipzig ohne Umsteigen verkehren. Die Route würde über Leutzsch, Markranstädt, Großkorbetha und Leuna führen und könnte die B 181 vom Autoverkehr entlasten. „Die Lärm- und Schadstoffbelastungen auf der Merseburger Straße und der Ortsdurchfahrt Rückmarsdorf würden dadurch deutlich reduziert werden“, wirbt Tino Supplies, verkehrspolitischer Sprecher des Ökolöwen.

Durch die Netzerweiterung nach Merseburg würde auch der Wirtschaftsraum Mitteldeutschland weiter zusammenwachsen. 75 000 Menschen könnten an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz angeschlossen werden, argumentiert der Ökolöwe. „Neben den über 4000 Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule Merseburg, von denen viele in Leipzig wohnen, würden auch weitere Pendler auf dieser Strecke profitieren“, so Supplies. „Beispielsweise sind die Leunawerke mit 9000 Mitarbeitern und zwei Bahnhöfen sehr gut an diese Bahnlinie angeschlossen.“

Nach den Plänen des Ökolöwen könnte die neue S-Bahn zunächst das bestehende Schienennetz nutzen. Perspektivisch würde dann mit dem Bau einer sogenannten „Leuna-Kurve“ die aktuell erforderliche Wende in Großkorbetha vermieden werden können, wodurch sich weitere Fahrzeit einsparen ließe. „Die Investitionen würden sich in einem überschaubaren Kostenrahmen bewegen und würden eine Zeitersparnis von mehr als 20 Minuten in jedem Fall rechtfertigen“, so Supplies.

Im ZVNL werden diese Vorteile angezweifelt. Die Merseburger würden sich traditionell eher in das nur etwas über 15 Kilometer entfernte und mit der Straßenbahn in elf Minuten direkt erreichbare Halle orientieren als nach Leipzig orientiert, heißt es dort. Auch finanziell sei die Anbindung beider Ziele – also von Naumburg und Merseburg – nicht möglich, vor allem weil dadurch deutlich mehr teure Züge angeschafft werden müssten, da es sich um zwei getrennte Strecken handelt. Nur eines der beiden neuen Angebote sei daher machbar, heißt es beim ZVNL.

Auch der Verweis auf die 9000 Mitarbeiter der Leuna-Werke wird dort zwiespältig aufgenommen. Erfahrungsgemäß komme diese Belegschaft aus allen Himmelsrichtungen und würde deshalb wohl nur zu einem kleinen Teil das neue S-Bahn-Angebot nutzen, heißt es beim ZVNL. Deshalb sei es auf dieser Verbindung vermutlich deutlich schwerer, die DB-interne Vorgabe von 1000 Ein- und Aussteigern pro Tag zu erfüllen.

Von Andreas Tappert

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